U25-Umfrage: Was wir hoffen, was wir fürchten

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Auszubildender: Junge Generation ist "leistungswillig und pragmatisch"

Wie tickt die Jugend in Deutschland? In einer neuen Studie wurden 15- bis 24-Jährige zu ihren beruflichen und privaten Zielen befragt. Viele blicken optimistisch in die Zukunft. Am meisten Sorge macht ihnen die Suche nach einem Ausbildungs- oder Studienplatz.

Sie sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Sie machen sich Gedanken darüber, wie sie leben wollen. Sie müssen sich für eine Ausbildung, ein Studium, einen Beruf entscheiden. Die Eltern geben Ratschläge, Medien berichten über zu viele Bewerber auf zu wenig Studienplätze, Lehrer erzählen, früher wäre es einfacher gewesen.

Was wünschen sich junge Menschen in Deutschland? Wovor haben sie Angst? Und worin fühlen sie sich sicher?

In einer aktuellen Studie wurden 3068 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren befragt. Die persönlichen Interviews wurden im Mai und Juni 2013 vom Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag von McDonald's Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für rund neun Millionen deutschsprachige 15- bis 24-Jährige in Deutschland.

"Es überrascht der Zukunftsoptimismus der heutigen jungen Generation, aber gleichzeitig auch der pragmatische Ansatz, mit dem die berufliche Zukunft angegangen wird", sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der die Studie als wissenschaftlicher Berater begleitet hat und auch Co-Autor der regelmäßig erscheinenden Shell-Jugendstudie ist. Tatsächlich blicken mehr als 70 Prozent ihrer beruflichen Zukunft mit Hoffnung entgegen.

Die Zufriedenheit und der Optimismus der jungen Generation in Deutschland zeigen, dass sie im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern zurzeit eine ungleich bessere Ausgangslage hat. Trotzdem ist das Sicherheitsbedürfnis dieser jungen Generation bemerkenswert groß", fasst Köcher zusammen.

Optimismus ist eine Frage der wirtschaftlichen Lage

Dieser Optimismus hängt allerdings stark von der eigenen wirtschaftlichen Lage ab und damit mit der sozialen Schicht der Jugendlichen zusammen: Jugendliche, die in einer guten wirtschaftlichen Situation leben, vertrauen mit überwältigender Mehrheit auf eine gute berufliche Zukunft (81 Prozent). Jugendliche in angespannter wirtschaftlicher Situation hingegen nur zu 42 Prozent.

Am Engagement mangele es trotzdem nicht, konstatiert Hurrelmann. Die junge Generation sei "sehr leistungswillig" und der Meinung, dass sich Anstrengung lohnt. Dabei vertrauen sie mehr auf sich selbst und die eigene Leistung als auf Politiker. Nur 15 Prozent glauben, dass der Ausgang der anstehenden Bundestagswahl Auswirkungen auf ihr persönliches Leben haben werde.

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Studien-Ergebnisse im Überblick:

  • Was im Leben zählt:
    Zwischenmenschliche Beziehungen, Gesundheit und Sicherheit: Die große Mehrheit der jungen Menschen ist fest verankert in einem sozialen Beziehungsgeflecht aus Eltern, Freunden und Familie. Gerade darauf legen die jungen Erwachsenen auch besonderen Wert. 69 Prozent zählen den Freundeskreis zum Wichtigsten im Leben, 60 Prozent die Familie, 56 Prozent eine glückliche Partnerschaft. Ganz oben landen außerdem Gesundheit (64 Prozent), ein Beruf, der Spaß macht und Erfüllung bringt (62 Prozent) sowie ein sicherer Arbeitsplatz (58 Prozent).
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    Leistung - lohnt sie sich?
    Ja, sagten 63 Prozent auf die Frage, ob sich in unserem Wirtschaftssystem Leistung im Allgemeinen lohnt und ob man in der Regel für gute Leistungen belohnt wird. Die Antwort hängt stark von der persönlichen wirtschaftlichen Lage ab: Wer in einer wirtschaftlich (sehr) guten Lage ist, glaubt eher, dass Leistung sich lohnt (74 Prozent), als jemand, der in einer (eher) schlechten wirtschaftlichen Lage ist (36 Prozent).
  • Erfolg - wovon hängt er ab?
    Insgesamt sehen 71 Prozent der 15- bis 24-Jährigen der eigenen beruflichen Zukunft mit Hoffnungen entgegen, lediglich 14 Prozent mit Befürchtungen. Über Erfolg und Zukunftschancen entscheiden aus Sicht der Befragten vor allem "gute Schulbildung" (80 Prozent), "Leistungsbereitschaft" (77 Prozent) und "Intelligenz" (72 Prozent). Als weniger entscheidend schätzen die jungen Erwachsenen die Herkunft (39 Prozent) ein sowie das Vermögen der Eltern (34 Prozent) und ob man ein Mann oder eine Frau ist (19 Prozent).
  • Sozialer Aufstieg - ist er möglich?
    70 Prozent der Jugendlichen mit hohem gesellschaftlich-wirtschaftlichem Status bewerten die Aufstiegschancen positiv, allerdings sind 53 Prozent der unteren Sozialschichten eher skeptisch, dass sie es in Deutschland zu etwas bringen können. "Jugendliche aus den unteren Sozialschichten, für die das Aufstiegsthema besonders wichtig ist, empfinden die Gesellschaft als zu wenig durchlässig", sagt Renate Köcher vom Allensbach-Institut. Dabei sei vor allem die Schichtzugehörigkeit von Bedeutung und nicht, ob jemand einen Migrationshintergrund hat, so Köcher.
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    Sozialer Aufstieg - ist er wichtig?
    Ob es wichtig ist, im Leben sozial aufzusteigen, also mehr zu erreichen als die eigenen Eltern, wird sehr unterschiedlich bewertet: 48 Prozent der jungen Menschen ist sozialer Aufstieg sehr wichtig oder wichtig. Ihnen stehen 48 Prozent gegenüber, für die sozialer Aufstieg weniger wichtig oder gar nicht wichtig ist. 4 Prozent sind unentschieden. Insgesamt glauben 35 Prozent, dass sie beruflich mehr erreichen werden als ihre Eltern. 32 Prozent haben Zweifel daran, 33 Prozent sind unentschieden.
  • Was zählt im Beruf?
    Am wichtigsten ist den jungen Erwachsenen, dass ihre Arbeit ihnen Spaß macht (71 Prozent), gefolgt von einem sicheren Arbeitsplatz (64 Prozent) und einem Beruf, der ihren Fähigkeiten und Neigungen entspricht (50 Prozent).
  • Die Sorgen der Schüler:
    Darüber, keinen Ausbildungs- oder Studienplatz zu finden, sorgen sich 42 Prozent der Schüler und 48 Prozent der Schülerinnen. Überraschend fanden die Studienmacher, wo junge Leute Hilfe und Rat suchen: Eltern sind heutzutage die am häufigsten genutzte Informationsquelle (83 Prozent) und werden auch als die hilfreichste eingestuft (44 Prozent). Informationstage, das Arbeitsamt oder Internetrecherchen werden weitaus weniger zu Rate gezogen.
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