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Neue KMK-Präsidentin: Löhrmann will Erinnerungskultur an Schulen fördern

Vorgänger Dorgerloh, neue KMK-Präsidentin Löhrmann: Erinnerungskultur stärker ins Bewusstsein junger Menschen rücken Zur Großansicht
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Vorgänger Dorgerloh, neue KMK-Präsidentin Löhrmann: Erinnerungskultur stärker ins Bewusstsein junger Menschen rücken

Die neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Sylvia Löhrmann, will sich in ihrer Amtszeit vor allem für die Erinnerungskultur bei jungen Menschen einsetzen. Bei ihrer Amtseinführung machte sie sich zudem für den Ausbau des inklusiven Lernens stark.

Berlin/Hamburg - Die Förderung der Erinnerungskultur an den Schulen - das soll die persönliche Note der neuen Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Sylvia Löhrmann (Grüne), sein. Angesichts der vielen Gedenken in diesem Jahr, unter anderem des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, sei es ihr eine besondere Herzensangelegenheit, den Umgang mit historischen Gedenktagen zu fördern. Das sagte die nordrhein-westfälische Schulministerin bei ihrer offiziellen Amtseinführung am Mittwoch im Bundesrat und kündigte eine Empfehlung der KMK zu diesem Themenkomplex an.

Die Ministerin, die als erste Grünen-Politikerin das Amt der KMK-Präsidentin bekleidet, gab an, auch selbst mit Schülergruppen nach Auschwitz fahren sowie Belgien besuchen zu wollen. "Mir ist sehr wichtig, wie wir durch außerschulische Lernorte die Erinnerungskultur stärker ins Bewusstsein junger Menschen rücken können."

Des Weiteren wolle sie im Wesentlichen die gute Arbeit ihres Amtsvorgängers, Sachsen-Anhalts Bildungsminister Stephan Dorgerloh (SPD), fortsetzen. Als einen Schwerpunkt ihrer Amtszeit nannte Löhrmann, das inklusive Lernen in den Klassenzimmern weiter voranzutreiben. Man werde planvoll und behutsam vorgehen und "Sorgen von Eltern und Lehrkräften ernst nehmen", sagte Löhrmann. Ein wichtiger Punkt werde die Verbesserung der Lehrerbildung sein.

Auch das Bildungsmonitoring möchte Löhrmann fortführen, um die Qualität im Bildungswesen weiter zu steigern. Sie wolle das deutsche Bildungssystem in die internationale Spitzengruppe führen, so Löhrmann. "Das kann gelingen, wenn man sowohl die Risikogruppe verkleinert als auch die Spitzengruppe ausbaut."

Jugendliche werden gut vorbereitet

Amtsvorgänger Dorgerloh zog eine positive Bilanz seines Präsidentschaftsjahres 2013: "Wir haben sehr viel erreicht, was zu mehr Gemeinsamkeit unter den Ländern führt, die Vergleichbarkeit der Abschlüsse sichert und die Mobilität im Bildungsbereich erhöht."

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE hatte sich Löhrmann bereits dafür ausgesprochen, das Kooperationsverbot, das es dem Bund untersagt, die Länder in Bildungsbelangen zu unterstützen, auch auf Schulebene aufzuweichen, um soziale Gerechtigkeit zu fördern. Im Hochschulbereich ist das mit dem Bildungspakt bereits geschehen.

Gegenüber der dpa hatte Löhrmann schon vor ihrer offiziellen Einführung die pauschale Kritik der Wirtschaft an mangelnder Ausbildungsreife der Schulabgänger zurückgewiesen. Die Jugendlichen würden heute in der Schule nicht schlechter auf einen Beruf vorbereitet als früher. In einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey hatten 26 Prozent der befragten deutschen Arbeitgeber mangelnde Fähigkeiten ihrer Neu-Azubis beklagt - im Ländervergleich allerdings ein guter Wert.

Abbrüche demotivieren

Problem sei viel mehr, dass die Betriebe in den vergangenen Jahren immer weniger Lehrstellen angeboten hätten, so Löhrmann. Auch wer keine Spitzennoten im Zeugnis habe, müsse die Chance auf eine Berufsausbildung erhalten. Die Klagen von Betrieben über die Qualität der schulischen Vorbildung werde sie trotzdem ernst nehmen, sagte Löhrmann.

In der Kontroverse über die Zukunft des deutschen Bildungssystems warnte Löhrmann davor, Studium und Berufsausbildung gegeneinander auszuspielen. Es gebe weiterhin eine hohe Nachfrage nach beruflicher Ausbildung. Viele Unternehmen böten bereits attraktive Ausbildungen an, "die eine gute Alternative zum Studium sind". Wichtig sei, so die Ministerin, dass eine umfassende Orientierung und Beratung vorausgehe. "Denn Abbrüche gleich welcher Art demotivieren."

seh/dpa

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Fakten zu Förderschulen
Die Schüler
In Deutschland hat nach Angaben der Bertelsmann Stiftung derzeit nahezu eine halbe Million Schüler einen diagnostizierten, sonderpädagogischen Förderbedarf. Davon besuchen über 400.000 Schüler spezielle, eigens auf ihren Förderbedarf zugeschnittene Förderschulen. Weitere 85.000 Schüler lernen mit Gleichaltrigen an allgemeinen Schulen im gemeinsamen Unterricht.
Die Bundesländer
Zwischen den Bundesländern gibt es starke Unterschiede. In Rheinland-Pfalz besuchen 4,4 Prozent aller vollzeitschulpflichtigen Schüler eine Förderschule, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 10,9 Prozent, also mehr als doppelt so viele. Ein anderer Blick auf die Unterschiede: Von den Schülern mit festgestelltem Förderbedarf besuchten in Bremen schon vor der Einrichtung der Inklusionsklassen 45 Prozent allgemeine Schulen, in Niedersachsen jedoch nur fünf Prozent.
Die Ausgaben
Für Förderschulen entstehen laut Bertelsmann Stiftung bundesweit jährlich 2,6 Milliarden Euro zusätzliche Ausgaben, nämlich für zusätzliche Lehrkräfte. Davon entfallen rund 800 Millionen Euro auf die 180.000 Schüler mit Förderschwerpunkt Lernen; die übrigen 1,8 Milliarden Euro fließen in die Förderung von 221.000 Schülern mit anderen Förderschwerpunkten.
Die Uno-Konvention
Deutschland gehört zu den Vertragsstaaten der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die seit 1. Januar 2009 rechtskräftig ist. Artikel 24 fordert für behinderte Menschen in der deutschen Übersetzung "ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen". In der englischen und rechtlich entscheidenden Fassung wird allerdings ein "inclusive education system" gefordert - die deutschen Bürokraten operierten das Wort "inklusiv" bei der Übersetzung heraus.
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