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Schwimmunterricht: Türkische Gemeinde begrüßt Burkini-Urteil

Schülerinnen in Burkinis (Archiv): Zustimmung der türkischen Gemeinde Zur Großansicht
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Schülerinnen in Burkinis (Archiv): Zustimmung der türkischen Gemeinde

Für die türkische Gemeinde in Deutschland ist es wichtig, dass muslimische Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. Deshalb sei das Burkini-Urteil weise.

Berlin - Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, hat das Burkini-Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes als "weise" begrüßt. Kolat sagte der "Saarbrücker Zeitung": "Ich finde, das Gericht hat einen hinnehmbaren Ausgleich zwischen Religionsfreiheit und Bildungsauftrag gefunden." Es sei wichtig, dass muslimische Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. Dazu gehöre auch der Schwimm- und Sportunterricht.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte zuvor entschieden, dass muslimischen Schülerinnen die Teilnahme am gemeinsamen Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen zugemutet werden kann. Um ihren religiösen Bekleidungsvorschriften gerecht zu werden, könnten sie einen Burkini, einen Ganzkörperbadeanzug, tragen.

Eine 13 Jahre alte Gymnasiastin aus Frankfurt am Main scheiterte damit mit ihrer Klage. Die Eltern des marokkanisch-stämmigen Mädchens hatten die Befreiung ihrer damals elf Jahre alten Tochter vom gemeinsamen Schwimmunterricht von Jungen und Mädchen beantragt. Die Teilnahme am koedukativen Schwimmunterricht sei mit den muslimischen Bekleidungsvorschriften nicht vereinbar. Die Schule lehnte die Befreiung vor rund zwei Jahren ab.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel hatte der Schule recht gegeben und die Klage abgewiesen. Es sei der Schülerin zuzumuten, in einem Ganzkörperbadeanzug teilzunehmen. In dem Revisionsverfahren ging es jetzt darum, wann das Grundrecht auf Glaubensfreiheit eine Befreiung vom Schulunterricht begründen kann.

Dass muslimische Mädchen im Schwimmbad einen Burkini tragen, ist immer häufiger zu sehen. Der Badeanzug verhüllt bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperpartien. Jeder Burkini hat auch eine integrierte Kopfbedeckung, an der ein Kopftuch angenäht ist. Sie erinnert an die Haube der Eisschnellläufer.

max/dpa

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Weise?
Blaue Fee 11.09.2013
Zitat von sysopDPAFür die türkische Gemeinde in Deutschland ist es wichtig, dass muslimische Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben könnten. Deshalb sei das Burkini-Urteil weise. http://www.spiegel.de/schulspiegel/tuerkische-gemeinde-begruesst-burkini-urteil-a-921758.html
Ob das nun weise war, leibt dahingestellt. Für das Mädchen ist es eine Möglichkeit zumindest am Schwimmunterricht teilzunehmen, auch wenn ich persönlich dieses Wäschestück als frauenverachtend ansehe. Vor 30 Jahren hatten wir diese Probleme nicht, da lehrten Nonnen im Badeanzug Schwimmen (Koedukativ) und die muslimischstämmigen Mädchen trugen sogar Bikini.
2.
SirJazz 11.09.2013
Ich fasse es nicht, als gebürtiger Türke schäme ich mich für dieses Urteil! In ihrem eigenen Land dürften die das nicht und hier stehen Ihnen alle Türen offen. Das distanziert diese Menschen nur noch mehr von UNS Deutschen. Ich kann meinen Vorredner nur recht geben. In den 80 er haben unsere Frauen für Ihre Rechte gekämpft und waren westlich. Und jetzt verfallen sie wieder in die Steinzeit. Wir sollten uns als Gesellschaft schämen, dass wir so etwas zulassen.
3. optional
sybaris 11.09.2013
Deutschland macht wieder einen Schritt nach hinten und kriecht den Muslimen in den Ar.... ! Selbst einen knielange Badehose gilt im Scheimmbad als unhygienisch. Hoffentlich bleiben die Muslime den FKK-Stränden fern. Es muss sich die Gesellschaft nicht über einen Rechtsruck in der Gesellschaft wurden bei dieser - Moslemar...kriecherei. In Berlin steigen Personen vollkommen in schwarz verhüllt - man sieht nur eine Sonnenbrille - in die Öffentlichen Nahverkehr ein - es reicht. Ich als Schwimmer mit meiner normalen Badehose kann in kein Berliner Schwimmbad gehen - sie sind türk/arab. besetzt und aggres. uns Deutschen gegenüber. Wir fahren raus.
4. Mal langsam
altair 11.09.2013
Zitat von Blaue FeeOb das nun weise war, leibt dahingestellt. Für das Mädchen ist es eine Möglichkeit zumindest am Schwimmunterricht teilzunehmen, auch wenn ich persönlich dieses Wäschestück als frauenverachtend ansehe. Vor 30 Jahren hatten wir diese Probleme nicht, da lehrten Nonnen im Badeanzug Schwimmen (Koedukativ) und die muslimischstämmigen Mädchen trugen sogar Bikini.
- Tun sie heute auch, die allermeisten. Statistiken belegen, daß kaum 5% der muslimischen Frauen und Mädchen zum Baden einen "Burkini" tragen. Aus was immer für Motiven. Wir haben heute im Westen ein Menschenbild, das nicht jeder Einwanderer sofort für sich annehmen kann. Darum ist dieses Urteil weise: es erlaubt diesen Menschen, sich unseren Vorstellungen langsam zu nähern und dabei ihr Gesicht zu wahren. Warten wir's ab. Es wird nicht so lange dauern, und diese Mädchen/Frauen werden, ans gemeinsame Schwimmen inzwischen gewöhnt, zu einem normalen Badeanzug wechseln. Gebt ihnen doch die Zeit! P.S.: ich sehe täglich jede Menge deutscher Frauen (und Männer), denen am Strand ein Burkini auch besser stehen würde. Das noch zum Thema Ästhetik ...
5. optional
dosmundos 11.09.2013
Es wäre schön gewesen, wenn der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland im gleichen Kommentar auch die Muslime in Deutschland aufgerufen hätte, für eine Integration ihrer Kinder in den Schulen zu sorgen und ihnen die Teilnahme an schulischen Veranstaltungen wie Sportunterricht oder Schullandheim nicht durch Berufung auf groteske steinzeitliche Moralvorstellungen zu untersagen.
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Urteile zu Muslimen im Schwimmunterricht
Juni 2012 - Anspruch auf Befreiung erst mit der Pubertät
Eine muslimische Drittklässlerin wird nicht vom Schwimmunterricht befreit. Das Oberverwaltungsgericht Bremen urteilt, einen solchen Anspruch gebe es erst nach Einsetzen der Pubertät - auf jeden Fall aber nach Vollendung des zwölften Lebensjahrs. Außerdem könne die Grundschülerin in einem Ganzkörperbadeanzug ("Burkini") am Unterricht teilnehmen.
Juni 2009: Unterschrieben ist unterschrieben
Das Oberverwaltungsgericht Münster gibt einer Schulleiterin Recht, die einen Befreiungsantrag für eine elfjährige Muslimin abgelehnt hatte. Die Mutter hatte bei den Aufnahmegesprächen für das Düsseldorfer Gymnasium unterschrieben, dass sie mit der Teilnahme ihrer Tochter am Schwimmunterricht mit Jungen und auch an mehrtägigen Klassenfahrten einverstanden sei.
Mai 2009: Burkini ist zumutbar
Eine Neunjährige muss weiter am Schwimmunterricht ihrer Schule in Gelsenkirchen teilnehmen. Für das Mädchen sei es zumutbar, einen "Burkini" zu tragen, urteilt das Oberverwaltungsgericht in Münster.
Mai 2005: Junge soll keine nackte Haut sehen
Muslimische Eltern scheitern damit, ihren Sohn vom Schwimmunterricht befreien zu lassen. Sie hatten argumentiert, er solle Schülerinnen in Badeanzügen und Bikinis weder sehen noch womöglich sogar berühren.
Juni 1990: Zehnjährige muss nicht mitschwimmen
Das Verwaltungsgericht Köln befreit eine zehnjährige Schülerin vom Schwimmunterricht an ihrer Schule. Der Koran verbiete dem muslimischen Mädchen, weibliche Reize zu zeigen - eine Befreiung vom Unterricht sei deshalb möglich, begründen die Richter.
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Muslimische Mädchen im Burkini: Hier gerät die Schulpflicht ins Schwimmen


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