Flüchtlingskinder zu Elite-Studenten: Die Lüge vom Aufstieg, den jeder schaffen kann

Lange sollten sie abgeschoben werden, heute gelten sie als Vorzeigemigranten: Die Brüder Mojtaba, Masoud und Milad flohen 1996 aus Iran. In ihrem Buch beschreiben sie, wie sie es trotz renitenter deutscher Behörden an Elite-Unis schafften - und warum sie sich nicht instrumentalisieren lassen.

Drei Vorzeigemigranten: Kronzeugen für die Lüge Fotos

In ihrem Buch "Unerwünscht" erzählen die drei iranischen Brüder Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam, wie sie 1996 mit ihrer Mutter aus Iran flohen und politisches Asyl in Deutschland beantragten. Jahre hausten sie in Flüchtlingsbaracken und versuchten, die Briefe der Behörden und Gerichte zu verstehen. Ihr Asylantrag wurde ein ums andere Mal abgelehnt.

Anfang 2012, 16 Jahre nach ihrer Ankunft, erhielten die Brüder die deutsche Staatsbürgerschaft. Hier lesen Sie in Auszügen von der Odyssee der Einwandererfamilie und wie aus drei Teenagern schließlich Abiturienten und Studenten an privaten Elite-Unis wurden - denen sie aber bald den Rücken kehrten.

Flucht und Ankunft: Was ist das, Asyl?

Alte Heimat: Die drei Brüder und ihre Mutter Madar im Teheran der achtziger Jahre Zur Großansicht

Alte Heimat: Die drei Brüder und ihre Mutter Madar im Teheran der achtziger Jahre

(Mojtaba erzählt) Jemand rüttelte heftig an mir. Ich wachte auf, das Licht der Zimmerlampe blendete mich. In der Ecke stand unsere Mutter und stopfte Kleidungsstücke in einen kleinen Koffer. "Madar, was ist los?", brummte ich. Sie kam zu mir herüber, küsste mich auf die Wange und sagte: "Letzte Nacht, als ihr schon geschlafen habt, rief mich der Schlepper an. Weck bitte deine Brüder auf, wir müssen uns beeilen."

Da die Straßen noch leer waren, erreichten wir schnell den Flughafen. In der Empfangshalle erwartete uns ein Mann mit Anzug und Hemd. Er nickte Madar zu und zog sie zur Seite. Einige Schritte entfernt unterhielten sie sich konzentriert.

Als sie fertig waren, sagte Madar: "Das ist Agha Reza." Sie deutete mit dem Kopf in seine Richtung. "Er wird uns nach Deutschland bringen. Batscheha, es ist sehr wichtig, dass ihr euch alles merkt, was ich jetzt sage." Sie schaute uns nacheinander in die Augen, wir nickten. "Agha Reza wird sich als mein Ehemann und euren Vater ausgeben. Er hat die Pässe dabei und wir werden den Beamten sagen, dass wir gemeinsam in den Urlaub fliegen. Wenn wir im Flugzeug sind, haben wir es endlich geschafft!"

"Wir sind da!", sagte Scholeh, eine Bekannte von Madar, die uns vom Flughafen abgeholt hat. Ich lugte nach draußen. Was ich erblickte, versetzte meiner Laune einen empfindlichen Dämpfer: Eine Schranke versperrte uns den Weg. Sie wurde von einer Mauer flankiert, auf der ein Metallzaun mit Stacheldraht emporragte. Neben der Schranke stand eine Kontrollkabine, in der ein uniformierter Mann saß und uns argwöhnisch beäugte.

Stille erfüllte das Wageninnere. Milad durchbrach sie als Erster und fragte: "Madar, was haben wir hier eigentlich vor?"

"Wir werden politisches Asyl beantragen", antwortete sie.

"Was ist das, Asyl?", fragte Masoud.

"Asyl bedeutet, dass wir in Deutschland leben dürfen und dass man uns beschützt."

Der Mann in der Kabine zitierte uns mit ungeduldiger Handbewegung zu sich. Scholeh tauschte mit dem Wachmann einige Fragen und Antworten aus. Schließlich wies sein Zeigefinger auf ein Gebäude in der Nähe. "Er sagt, dort müsst ihr euch anmelden", erklärte uns Scholeh.

Kurz darauf befanden wir uns in einem fensterlosen Raum mit kahlen hohen Wänden, an denen eine Reihe dunkler Stühle stand. Fast alle waren mit Menschen verschiedener Haut- und Haarfarben besetzt, die wild durcheinanderredeten.

Madar beugte sich über ein Klemmbrett, man hatte ihr Formulare gegeben, die sie nun mit Scholehs Hilfe auszufüllen versuchte. Ich erkannte nur, wie Madar unsere Namen, unser Alter und unseren bisherigen Wohnort, Teheran, aufschrieb. Als würde sie freiwillig einen Vertrag unterzeichnen, der uns die Rückkehr nach Hause verbot.

Deutsche Schule: Sprachlos im Zimmer des Direktors

Fremde Sprache, neue Vorschriften: Hier parkt nur der Direx Zur Großansicht
DPA

Fremde Sprache, neue Vorschriften: Hier parkt nur der Direx

(Masoud erzählt) Ich hörte Kindergeschrei, das musste unsere Schule sein. Obwohl der Lärm mich an alte Zeiten erinnerte, war das hier ganz anders. Das Gelände stand völlig offen - ohne Mauern oder Zäune - und war mit Sträuchern und Bäumen begrünt. Ich sah sowohl Mädchen als auch Jungen, die miteinander spielten. Wir hatten eine reine Jungenschule besucht und durften in den Pausen nicht einmal rennen. Darauf achteten die patrouillierenden Lehrer, die einen gelegentlich mit einem Tritt in den Hintern bestraften, wenn man das Verbot missachtete.

Im Innern des Gebäudes war es wegen der zahlreichen Fenster so hell wie draußen. Ein Mann stellte sich als der Schuldirektor vor und begrüßte uns mit festem Händedruck. Wir setzten uns um einen runden Tisch.

Dann begannen Christa, eine Freundin von Madar, und er miteinander zu sprechen. Madar hörte zu, während Christa übersetzte. Ich schaute mich um: An einer der weißen Wände hing ein Gemälde mit bunten Strichen, das mich an meine eigenen Kindergartenbilder erinnerte. Bei unserem Schuldirektor hätten wir Porträts von Ayatollah Chomeini und Ayatollah Chamenei gesehen, die einen von oben herab anstierten.

Die Schreie der spielenden Kinder drangen durch die Fenster. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich mich auf die Schule freuen sollte. Im Iran gehörte ich zu den besten Schülern und hatte in fast allen Fächern eine Zwanzig - die höchste Note. Aber hier? Ich wusste ja nicht einmal, was ich machen sollte, wenn mich jemand im Unterricht ansprach. Ich verstand doch nichts.

Nach ein paar Minuten ertönte ein Gong. Aus dem Fenster beobachtete ich, wie alle unaufgefordert ins Gebäude hineinliefen. Ganz anders, als ich das kannte: Vor dem Schulbeginn und nach den Pausen mussten wir uns entlang von Linien im Schulhof aufstellen. Um einen gleichmäßigen Abstand zu haben, streckte jeder seinen Arm aus und legte die Hand auf die Schulter des Vordermanns. Wir sangen die Nationalhymne, und zu wichtigen Anlässen leierte ein Schüler Suren aus dem Koran herunter. Währenddessen gingen die Aufsichtslehrer auf und ab und kontrollierten, dass keiner redete oder sich bewegte.

Würden uns die Lehrer in Deutschland genauso behandeln?

Endlos warten auf Asyl: Immer wieder Anträge - und ein Selbstmordversuch

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Realität für Zehntausende "geduldete" Flüchtlinge: Hier sein ja, bleiben nein

(Masoud erzählt) Irgendetwas stimmte nicht: Milad, Mojtaba und Madar saßen stumm da. Auf dem Tisch lag ein Brief, der sehr offiziell aussah. Ein Blick auf den Briefkopf verriet, worum es ging.

Wir hatten endlich eine Antwort vom Bundesamt erhalten, das darüber entschied, ob wir in Deutschland bleiben durften. Ich beugte mich über den Brief und versuchte herauszufinden, was drinstand. Ich hatte immer noch große Probleme mit meinem Deutsch, aber eines verstand ich sehr gut: "ASYLANTRAG ABGELEHNT."

(Mojtaba erzählt) Es war die blanke Wut, die mich gepackt und meine Faust gegen die Wand hatte schlagen lassen. Madars tränenüberströmtes Gesicht, die Tablettenschachtel, eine Überdosis Schlafmittel - ich meinte zu wissen, wer daran schuld war. "Wir werden Ihnen jeden Grund nehmen, hierbleiben zu wollen", hatten die Sachbearbeiter der Ausländerbehörde gesagt. Sie wollten uns das Leben so lange zur Hölle machen, bis wir uns bereitwillig abschieben ließen. Als sie Madar die Ausbildung verboten und damit ihre letzte Hoffnung auf eine bessere - eigentlich überhaupt auf eine - Zukunft nahmen, erreichte die Zermürbungstaktik ihren Höhepunkt.

Das Loch in unserer Wand hätte eigentlich in die Wand der Ausländerbehörde gehört. Ich wollte Madar rächen, ihnen die Qualen der letzten Jahre heimzahlen. Aber was hätte es gebracht? Jeder Beamte, jeder Richter, jeder Sachbearbeiter trug nur einen Teil zum Ganzen bei. Keiner von ihnen war unschuldig, aber auch niemand allein verantwortlich für unsere Situation. Jeder behauptete, "ja nur seine Arbeit" zu tun. Es war die perfekt organisierte Verantwortungslosigkeit.

Endlich Abi: "Da sind ja meine Einserabiturienten"

Die Brüder, 2004: "Es gibt tolle Neuigkeiten" Zur Großansicht

Die Brüder, 2004: "Es gibt tolle Neuigkeiten"

(Masoud erzählt) Als ich die Augen öffnete, kribbelte und flirrte es in mir. Ich musste meinen Freunden Timo und Dario die unglaubliche Nachricht erzählen. In der Ferne hörte ich Milads Wecker schrillen. Es war mir unbegreiflich, dass er am Tag, an dem wir unsere Abiturzeugnisse bekommen sollten, überhaupt dieses Geklingel brauchte.

Wir teilten nicht mehr zu dritt einen Raum. Nachdem wir alle eine Aufenthaltsgenehmigung hatten, mieteten wir uns eine Wohnung in einem Zweifamilienhaus mit Garten - in einem normalen Wohngebiet. Ich hatte meine Jugend in Gemeinschaftsunterkünften, Asylbewerberheimen und Baracken verbracht. Dass ich jetzt hier in meinem eigenen Zimmer aufwachte, war für sich genommen schon ein Kribbeln wert. Ich stand auf, lief zu Mojtabas Tür und klopfte. "Zeit zum Aufstehen, du Schlafmütze", sagte ich.

Nachdem auch der Letzte auf den Beinen war, verwandelte sich unsere Wohnung in einen orientalischen Bazar. Es wuselte, tönte und klapperte. Mojtaba pochte gegen die Badezimmertür, Madar redete auf mich ein, dass ich zu Hemd und Jeans wenigstens ein Jackett tragen müsse.

Zu sechst quetschten wir uns schließlich in unseren alten Mitsubishi Lancer und tuckerten zur Gempthalle, einer umgebauten Fabrik in Lengerich. Vor dem Eingang standen bereits viele Mitschüler mit ihren Eltern in feinster Garderobe. Ich versuchte Timo und Dario auszumachen. Nach einer halben Stunde, als ich jede Ecke abgelaufen war, kamen sie mit ihren Eltern vom Parkplatz herübergeschlendert.

"Da sind ja meine Einserabiturienten!", begrüßte Timo uns. "Es gibt tolle Neuigkeiten", sagte ich.

Dass wir drei bereits Zusagen von Unis erhalten hatten, wussten sie schon. Mojtaba hatte sich auf Empfehlung seiner Lehrerin an der privaten Wirtschaftshochschule WHU - Otto Beisheim School of Managementbeworben, ich mich an der International University Bremen. Milad wollte Informatik studieren und bemühte sich um einen Platz an der privaten International University in Bruchsal. Am Ende waren wir alle da, wo wir hinwollten. Jedenfalls beinahe: Denn die Unis verlangten hohe Gebühren. Deswegen bewarben wir uns auf Stipendien.

"Du bist doch gut im Kopfrechnen: Was machen 7500 plus 7500 plus 10.000 pro Jahr zusammen?", fragte ich. Dario machte ein verwirrtes Gesicht, dann lächelte er.

"Ihr seid echt unglaublich!", japste Timo. "Insgesamt sind das 25.000 Euro, die ihr pro Jahr nicht zahlen müsst. Wie habt ihr das bloß angestellt?"

2012: Mojtaba, Masoud, Milad Zur Großansicht
Jürgen Bauer

2012: Mojtaba, Masoud, Milad

Heute studieren Mojtaba, 28, und sein Zwillingsbruder Masoud Geschichte in Frankfurt, sie wollen promovieren. Milad, 26, war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, studierte Wirtschaftsinformatik und arbeitet als Programmierer. Der Besuch der Privathochschulen WHU und der International Universities blieb für sie nur eine Episode. Wohl fühlten sie sich unter Mitstudenten aus mehrheitlich gutsituierten Familien nicht.

Was sie aber am meisten ärgerte: Nachdem sie nach zwölf Jahren endlich Deutsche werden durften, galten sie plötzlich als Beweis, dass es jeder schaffen kann. "Wir haben es satt, als Kronzeugen für diese Lüge herzuhalten", sagte Mojtaba dem SPIEGEL. "Politiker führen uns als Vorzeigemigranten vor. Aber wir sind nicht klüger und fleißiger als andere, die gescheitert sind." Und: "Dem deutschen Staat schulden wir keinen Dank. Deutschland wollte uns loswerden", sagt Masoud Sadinam.

Lesen Sie das Interview mit den Brüdern im aktuellen SPIEGEL. Hier können Sie das neue Heft direkt kaufen oder ein Abo abschließen.


Die gekürzten Auszüge stehen in dem Buch "Unerwünscht. Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte" von Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam, erschienen im Bloomsbury Verlag.

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1. Bornierte Ausländerpolitik
Why-not? 14.09.2012
Sehr treffender Artikel! Ja, die deutschen Politiker begreifen nicht, dass es einen Wettbewerb um die besten jungen Köpfe der Welt gibt. Da denkt man immer noch, man könne es sich erlauben, abzuschotten, zu verweigern und ansonsten fähigen Einwanderern das Leben wo es nur geht schwer zu machen. Kanada, Amerika, Australien haben eine Punktesystem, füpr das man sich qualifizieren kann (Ausbildung, Alter, besondere Fähigkeiten, Berufserfahrung etc.). Es wird bei uns einfach nicht differenziert, sondern pauschal erstmal abgewiesen, vergrault und abgelehnt. Es gibt genügend Ausländer (nicht alle), die für Deutschland ein Gewinn und eine Bereicherung wären Die deutschen Ausländerbehörden sind ein Hort von tiefsitzenden Vorurteilen und verstecktem (teils auch offenem) Rassismus und Borniertheit.
2. Undankbar?
bodo77 14.09.2012
Natürlich ist es zum Teil nicht nachvollziehbar und schlicht ungerecht, wie mit dieser Familie umgegangen wurde. Allerdings liegt die Wurzel des Übels in einer letztlich absurden Idee, nach der alle 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten im Falle einer politischen Verfolgung das Grundrecht auf Asyl im vergleichsweise kleinen Deutschland beanspruchen könnten. Dass diese letztlich utopische Idee in einem Rechtsstaat zu einem herzlosen "Verwaltungsmonstrum" führen muss, das nur noch Vorgangszahlen und keine Menschen mehr sieht, liegt für mich auf der Hand. Daher wurde ja auch das Grundrecht auf Asyl durch die "sichere Drittstaatenregelung" in den 90er Jahren stark eingeschränkt. Nach dem Lesen des Interviews im Spiegel beschlich mich das Gefühl, ob die drei Brüder nicht letzten Endes ein wenig undankbar sind: Ja, es war ein langer Kampf um das Bleiberecht, ja sie haben Ausgrenzung und Zurückweisungen erlebt. Aber sie haben auch von vielen Menschen Hilfe erfahren. Letzten Endes durften sie bleiben und konnten ihren Weg machen. Ein Weg, der alles andere als selbstverständlich war, der aber auch für viele andere Menschen welcher Herkunft auch immer unerreichbar bleibt. Viele Bürger in diesem Land - ob "natives" oder nicht - wurden und werden täglich zum Spielball willkürlicher und zum Teil ungerechter staatlicher Entscheidungen. Man darf das anprangern, darf aber auch nicht zu viel erwarten. Und am Ende lebt es sich hierzulande wohl besser und sicherer als in den meisten Ländern auf dieser Welt.
3. Chancengleichheit statt stumpfer Transferleistungen
weltoffener_realist 14.09.2012
Zitat von sysopLange sollten sie abgeschoben werden, heute gelten sie als Vorzeigemigranten: Die Brüder Mojtaba, Masoud und Milad flohen 1996 aus dem Iran. In ihrem Buch beschreiben sie, wie sie es trotz renitenter deutscher Behörden an Elite-Unis schafften - und warum sie sich nicht instrumentalisieren lassen. Unerwünscht: Brüder Sadinam kämpften sich als Flüchtlinge an Elite-Uni - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,855234,00.html)
Wenn bestimmte Parteien auf Stimmenfang immer wieder Gerechtigkeit und Gleichheit einfordern, meinen sie stets die *Verteilungsgerechtigkeit*. Was wir jedoch wirklich brauchen, ist *Chancengerechtigkeit* bzw. *Chancengleichheit*. Die erreicht man aber nicht über üppige Transferleistungen an das Elternhaus, sondern durch ein förderndes und integrierendes staatliches Bildungssystem, das auch Talente aus bildungsfernen Elternhäusern an die Hochschulen heranführt. Wie Meldungen der letzten Zeit über Bildungschancen zeigen, sind wir davon meilenweit entfernt.
4. Schöne Geschichte,,,
megamekerer 14.09.2012
Aber wenn wir gewusst hätten welche Strapazen diese Familie erleiden musste?? Nun traurig ist, dass viele Migranten mit dem gleichen Schicksal mehr als 10 Jahren auf ein Aufenthaltserlaubnis warten. Unser Land braucht Spezialisten, Ingenieure, gut Ausgebildete Menschen, und sie leben hier unter uns, ohne Aufenthaltserlaubnis, ohne Arbeitserlaubnis, traurig dass wir sie dann abschieben. Mir ist aufgefallen, dass besonderes viele Migranten aus dem Iran akademischen Karriere machen und hohe Positionen bekleiden, allein in unserem Krankenhaus arbeiten 3 junge iranischen Ärzte. Wie dem auch sei, einige Migranten sind besser als unsere Erwartungen an gelungene Migration. Daher sollte Deutschland das Thema Migration endgültig als gelungen betrachten, und sich die Bekämpfung des Rechtsradikalismus widmen.
5. Erwarten Sie eine Dankeschön?
megamekerer 14.09.2012
Zitat von bodo77Natürlich ist es zum Teil nicht nachvollziehbar und schlicht ungerecht, wie mit dieser Familie umgegangen wurde. Allerdings liegt die Wurzel des Übels in einer letztlich absurden Idee, nach der alle 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten im Falle einer politischen Verfolgung das ....
Nun wenn Sie eine persönliche Dankeschön erwarten, könnten sie haben wenn Sie auch die danken die das Land für Sie sicherer gemacht haben, die nach dem Krieg für mehr Demokratie in diesem Lande gekämpft haben, zu diesen Personenkreis gehören Sie sicher nicht, sonst hätten Sie keine Dankeschön erwartet, sondern Ihre Mitgefühl für den Leid und Entbehrungen gezeigt die diese Familie angetan wurden ist.
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Drei Brüder
  • 1996 flohen Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam mit ihrer Mutter aus Iran, sie hatte sich mit dem dortigen Regime angelegt. Jahre hausten sie in Flüchtlingsbaracken und versuchten, die Briefe der Behörden und Gerichte zu begreifen. Sie hatten Asyl beantragt, eine Ablehnung folgte der nächsten.

    Im Januar, 16 Jahre nach ihrer Ankunft, erhielten sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Mojtaba, 28, studiert in Frankfurt Geschichte und Philosophie, sein Zwillingsbruder Masoud Geschichte und Politik, sie wollen promovieren. Milad, 26, war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, er studierte Wirtschaftsinformatik, heute arbeitet er als Programmierer.

    Plötzlich galten sie als Beweis, dass es jeder schafft, der sich anstrengt. Erst freute, jetzt ärgert es sie. "Wir haben es satt, als Kronzeugen für diese Lüge herzuhalten", sagte Mojtaba dem SPIEGEL. "Politiker führen uns als Vorzeigemigranten vor. Aber wir sind nicht klüger und fleißiger als andere, die gescheitert sind."

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