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Die Schul-Verbesserer - Teil 1: Wann sollte morgens der Unterricht beginnen?

Von Jan Friedmann, Hauke Goos und

Schlafender Schüler: Müde am Morgen Zur Großansicht
Corbis

Schlafender Schüler: Müde am Morgen

Die Haare ungekämmt, der Magen leer, die Augenlider schwer: Früher Unterrichtsbeginn ist für viele Schüler eine Qual. Für unsere neue Serie "Wie werden unsere Schulen besser?" haben wir Bildungspolitiker, Wissenschaftler, Lehrer und Schüler befragt. Teil 1: Wann sollte es morgens losgehen?

Im Sommer geht es ja noch. Selbst wer um 7 Uhr das Haus verlässt, braucht auf dem Weg zur Schule kein Fahrradlicht. Doch nicht nur Kälte, Nässe und Dunkelheit machen das frühe Aufstehen in den Herbst- und Wintermonaten für viele Schüler zur Qual. Sich um 8 Uhr oder noch früher konzentrieren zu müssen und sogar Klassenarbeiten zu schreiben, fällt den meisten schwer.

Besonders betroffen sind jene Schüler, die mit dem Schulbus oder von weiter her zum Unterricht anreisen. Dass viele übermüdet im Unterricht sitzen, hat Wissenschaftlern zufolge chronobiologische Gründe: Ab der Pubertät tickt die biologische Uhr anders, vor Mitternacht ist ein Jugendlicher selten müde genug, um zu schlafen. Gleichzeitig brauchen Teenager viel Schlaf.

Einige Hirn- und Schlafforscher plädieren deshalb dafür, erst um neun oder gar um 10 Uhr mit dem Unterricht zu beginnen. In den USA geht der Trend bereits zu einem späteren Schulstart am Morgen - mit positiven Ergebnissen. Eine Studie an einer Highschool in Rhode Island habe gezeigt, "dass selbst Schüler, die morgens nur eine Viertel- oder halbe Stunde länger schlafen können, psychisch besser drauf sind", sagt der Wissenschaftsautor Peter Spork. Viele anderen Studien kamen in der Vergangenheit zu ähnlichen Resultaten.

Andererseits sind gerade berufstätige Eltern darauf angewiesen, dass ihre Kinder ab einer bestimmten Uhrzeit verlässlich untergebracht sind. Zudem gilt es ein hohes Pensum an Unterrichtszeit zu bewältigen: Durch das achtjährige Gymnasium und den Wegfall des Unterrichts am Samstag hat die Stundenzahl pro Woche tendenziell zugenommen.

Lesen Sie hier Auszüge der Antworten von Bildungsministern, Lehrern und Schülern auf einen Fragebogen des SPIEGEL. Teil 1: Wann sollte morgens der Unterricht beginnen?

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DPA

Richard David Precht, Bestsellerautor:
"Das halte ich für keine wichtige Frage. 8 Uhr ist aus meiner Sicht okay."

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DPA

Brunhild Kurth, CDU, Kultusministerin von Sachsen:
"Das sollten Lehrer, Eltern und Schüler einer jeweiligen Schule selbst entscheiden. In Sachsen können die Schulkonferenzen den Unterrichtsbeginn eigenverantwortlich für ihre Schule festlegen. Und die Unterrichtszeiten werden von der Gesamtlehrerkonferenz im Einvernehmen mit der Schulkonferenz und dem Schulträger beschlossen."

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DPA

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung:
"Wann der Unterricht morgens beginnt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass der Schultag gut strukturiert ist: Nach einer flexiblen Ankommensphase sollte der Unterricht nach einem gemeinsamen Beginn über den Tagesverlauf so verteilt sein, dass sich Anspannungs- und Entspannungsphasen abwechseln. Dann lernen Kinder besser, und das Erlernte bleibt besser hängen."

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DPA

Sylvia Löhrmann (Grüne), Schulministerin in Nordrhein-Westfalen:
"Schule ist Teil der Gesellschaft. Deshalb müssen bei der Frage nach dem Unterrichtsbeginn auch die Arbeitszeiten der Eltern und die örtliche Verkehrsinfrastruktur beachtet werden. In NRW beginnt der Unterricht in der Zeit zwischen 7.30 und 8.30 Uhr. So sieht es der entsprechende Erlass des Schulministeriums vor. Diese Regelung lässt den Schulen und Schulträgern ausreichend Gestaltungsspielraum, um vor Ort den konkreten Unterrichtsbeginn festzulegen."

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DPA

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes:
"Um 8 Uhr. Auch deshalb, damit die Schüler für den Nachtmittag 'Luft' haben."

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DPA

Kerstin Gleine, Friedrich-Ebert-Gymnasium Hamburg, Lehrerin der Jahres 2013 beim Klaus-von-Klitzing-Preis:
"Aus meiner Erfahrung sind Schüler im Allgemeinen in der ersten Unterrichtsstunde ab 8 Uhr noch sehr ruhig, und man bemerkt, dass überdurchschnittlich viele von ihnen nur etwas verschlafen dem Unterricht folgen können. In der zweiten Stunde erhöht sich die Leistung der Schüler dann spürbar. Insofern würde ich dafür plädieren, den Unterricht erst um 9 Uhr beginnen zu lassen. Allerdings sind häufig beide Eltern berufstätig und müssen oft das Haus schon früh verlassen. Hier würde es vor allem bei jüngeren Schülern zu einem Betreuungsproblem kommen. Vielleicht sollte versucht werden, die Arbeitszeiten der Eltern noch flexibler zu gestalten."

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DPA

Ties Rabe (SPD), Schulsenator von Hamburg:
"Für die Klassenstufen 1 bis 6 um 8 Uhr, ab Klasse 7 um 8.45 Uhr. Kinder stehen früh auf, Jugendliche schlafen länger."

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AP

Manfred Prenzel, Bildungsforscher an der TU München und Leiter der deutschen Pisa-Studie:
"Schlafforscher plädieren für einen späteren Unterrichtsbeginn. Ich hätte auch keine Einwände gegen 8.30 oder sogar 9 Uhr - unter diesen beiden Voraussetzungen: Ganztagsbetrieb für alle und eine anständige Betreuung der Kinder und Jugendlichen ab spätestens 7.30 Uhr in der Schule."

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SPIEGEL ONLINE

Mona Steininger, Preisträgerin beim SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb:
"Da ich jetzt in der Oberstufe bin, komme ich manchmal in den Genuss, dass die erste oder sogar die ersten beiden Stunden ausfallen. Statt um zehn vor acht, wie an meiner Schule, fängt mein Schultag dann um halb neun oder halb zehn an - was ich sehr viel angenehmer finde, weil ich so viel ausgeschlafener im Unterricht sitze."

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Peter Roggentin

Ursula Walther, ehemalige Sprecherin des Bayerischen Elternverbands:
"Für Grundschüler sollte die Schule ab 6.30 Uhr geöffnet sein und pädagogische Betreuung anbieten, ab 8.30 Uhr sollte der Unterricht losgehen. Für Pubertierende und Ältere sollte die Schule ab 9 Uhr beginnen - und Klassenarbeiten auf keinen Fall vor 9.30 Uhr."
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Erste Stunde

Wann sollte der Unterricht beginnen?

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insgesamt 236 Beiträge
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1. wieder ein unseriöser
eunegin 15.09.2014
Lieber SPON, was sollen diese "votes" (man kann auch Abstimmung sagen...) in Schubladenform mit bereits enthaltener alberner Wertung? Unseriöser uns zinnfreier geht es nicht. Sehr billig. Schade.
2. und wie
women_1900 15.09.2014
sollen das berufstätige Mütter & Väter noch geregelt bekommen, wenn der Unterricht erst um 09:00 bzw. 10:00 Uhr beginnt? Länger schlafen kkönnen die Kidner dennoch nicht, da ja die Eltern aufstehen und zur Arbeit gehen müssen.
3. Gelitten
the.queen.of.mean 15.09.2014
Ich hatte anderthalb Stunden Fahrzeit zurSchule (Privatschule am anderen Ende der Stadt). Fit im Unterricht war ich erst, als ich mit einem PKW zur Schule fahren konnte. Und zum Thema "Luft" am Nachmittag: Hausaufgaben! Hatte mal einen Arbeitsplatz mit festenArbeitszeiten. 7.00 Arbeitsbeginn. Da war mit mir auch noch nichts los. Abmahnung wegen Minderleistung vor 8.00 war leider nicht angemessen, da ein"Bemühen" erkennbar war. Also meine lieben Langschläfer: VereinigtEuch! Nieder mit dem Früh-Diktat!
4.
Mach999 15.09.2014
Bin mal gespannt, wie sich die Umfrageergebnisse im Laufe des Morgens ändern. Jetzt um 6:40 Uhr liegen wir bei a) 231 b) 402 c) 37 Scheint so, als würde der Großteil der Frühaufsteher das aus Zwang tun. Das entspricht auch etwa meiner Motivation. :)
5. In DE ist man nur ein guter
syd_ 15.09.2014
Wenn man auch sehr früh aufsteht, und fleisig schaffen geht. Hier wird früh aufstehen gleichgesetzt mit super fleisig sein. Ich versteh wirklich nicht warum man um 7 Uhr auf der Arbeit (Büro, Handwerk etc.) sein muss.
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