Unterrichtsverbot: US-Lehrer bezeichnet Homo-Ehe als "Kloake"

Ein US-Lehrer schimpfte bei Facebook über Homo-Ehen, wurde daraufhin vom Unterricht suspendiert und bereut offenbar nichts: Wer sich an seiner Weltsicht störe, solle ihm die Freundschaft kündigen, sagt er. Diesen Menschen trauere er nicht mehr nach als seinem Nierenstein.

Heiße Debatte im Netz: Facebook-Gruppe gegen den amerikanischen Lehrer Jerry Buell Zur Großansicht

Heiße Debatte im Netz: Facebook-Gruppe gegen den amerikanischen Lehrer Jerry Buell

Im vergangenen Jahr wurde der Amerikaner Jerry Buell in seinem Schulbezirk noch zum "Lehrer des Jahres" gewählt, jetzt ist er suspendiert. Der Grund: Er hatte sich bei Facebook abfällig über Homo-Ehen geäußert, berichtet die "Daily Mail".

Aus seiner streng christlichen Grundhaltung machte der Geschichtslehrer nie einen Hehl. "Ich versuche, meine Schüler so zu unterrichten und anzuleiten, als hätte die Schule Jesus Christus persönlich eingestellt", zitiert die Zeitung seine - mittlerweile gesperrte - Profilseite der Mount Dora High School in Florida. Er fühle sich von Gott geleitet, so der seit 25 Jahren im Beruf stehende Pädagoge.

Auf seinem Facebook-Account fand Buell Ende Juli ebenfalls deutliche Worte. Der Anlass: ein Fernseh-Bericht über die Behörden in New York, die zukünftig Homo-Ehen erlauben. "Ich habe mich fast übergeben" ("I almost threw up"), schrieb er, man könne doch die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau nicht in dieselbe "Kloake" werfen wie eine gleichgeschlechtliche Verbindung. Gott könne man nicht verhöhnen, so Buell weiter: "Wann bloß wurde diese Sünde gesellschaftsfähig???"

Nachdem die Schule und die zuständigen Behörden von dem Eintrag erfahren hatten, reagierten sie schnell: Zum beginnenden neuen Schuljahr wurde Buell von allen Unterrichtsverpflichtungen entbunden und nur noch mit administrativen Aufgaben betraut, berichtet das Portal "ClickOrlando.com". Buell habe bei Facebook mehr als 700 Freunde, viele von ihnen ehemalige Schüler der Mount Dora High School.

"Nicht aus Hass" geschrieben

Immer wieder waren in der Vergangenheit Auseinandersetzungen an US-Schulen bekannt geworden, bei denen konservative oder religiös-fundamentale Eltern und Lehrer radikal für ihre Ansichten eingetreten waren - mal beim Thema " Schwule und Lesben", das im Unterricht behandelt werden sollte, mal bei der Frage eines Nasenpiercings. Sogar der Literaturklassiker Sherlock Holmes geriet schon ins Visier radikaler Kulturbewahrer und wurde vom Lehrplan gestrichen.

Buell selbst äußerte sich nach Bekanntwerden der Affäre gegenüber dem "Orlando Sentinel" und in einer Facebook-Notiz. Er habe diese Einträge "nicht aus Hass" geschrieben, sondern nur darstellen wollen, "wie ich die Dinge interpretiere". Seine Weltsicht basiere eben auf biblischen Prinzipien und Gottes Gesetz, und wer sich daran störe, könne ja den Freundschaftsstatus bei Facebook löschen. Solchen Menschen, gibt Buell sich kämpferisch, trauere er nicht mehr nach "als meinem Nierenstein von 1994".

Während Buells Facebook-Account aktuell nicht mehr erreichbar ist, haben sich in dem Netzwerk inzwischen mehrere Pro- und Contra-Gruppen gegründet, in denen heftig über den Fall debattiert wird. Fast 3000 Mitglieder hat die größte Buell-Unterstützer-Gruppe, die Befürworter harter Sanktionen gegen den Geschichtslehrer kommen auf deutlich geringere Zahlen.

him

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles zum Thema Homosexualität
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Homosexualität in der Schule: Cool, mein Lehrer ist schwul


Social Networks