Urteil gegen Altersdiskriminierung: 65-jähriger Lehrer darf weiter unterrichten

Abraham Teuter mit Schüler: "Ich mache das gut" Zur Großansicht
Abraham Teuter

Abraham Teuter mit Schüler: "Ich mache das gut"

Mit 65 ist Schluss - das akzeptiert ein Lehrer aus Hessen nicht, er will lieber weiterarbeiten. Darf er, hat jetzt ein Gericht entschieden. Alles andere wäre Altersdiskriminierung. Das Kultusministerium legte gegen das Urteil bereits Beschwerde ein.

Frankfurt/Main - In sechs Tagen wäre Schluss gewesen. Abraham Teuter, 65, wäre ab dem 31. Juli 2013 ein Rentner. Hätte er nicht gegen seinen anstehenden Ruhestand geklagt - und in erster Instanz gewonnen. Teuter ist Lehrer in Hessen. Das Gesetz sieht vor, dass Beamte mit 65 Jahren pensioniert werden. Doch Teuter wollte weiter unterrichten, unbedingt. Also zog er vor Gericht.

Jetzt kam das Urteil: Niemand dürfe wegen seines Lebensalters diskriminiert werden, teilte das Verwaltungsgericht in Frankfurt an diesem Donnerstag zur Begründung des Beschlusses mit. Das Land Hessen muss Teuter nun weiter beschäftigen. Der Studienrat hatte im vergangenen Dezember beantragt, erst im Sommer 2014 in den Ruhestand gehen zu dürfen. Das hessische Kultusministerium hatte das abgelehnt.

Der Beschluss ist noch nicht rechtskräftig (Az. 9 L 2184/13.F). Das Wiesbadener Ministerium legte bereits Beschwerde gegen die Entscheidung ein. Damit müsse sich nun der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel mit dem Fall beschäftigen, sagte ein Sprecher.

Es ist eine große Ausnahme, dass Lehrer freiwillig länger arbeiten, etwa jeder Fünfte hört wegen Dienstunfähigkeit sogar frühzeitig auf. Noch im Jahr 2001 stellten Lehrer im Durchschnitt mit 59 Jahren das Lehren ein, nur jeder zweite arbeitete bis zum offiziellen Rentenalter. Dann wurden Versorgungsabschläge eingeführt, wer seitdem früher aufhört, bekommt weniger Geld.

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Kampf gegen den Ruhestand: "Lehrer Teuter ist ein Freund"
Teuter ist Lehrer für Deutsch, Englisch und Gesellschaftskunde an der Ernst-Reuter-Schule II in Frankfurt am Main. Er unterrichtet 26 Schüler, in der Klasse 7d ist er der Klassenlehrer. "Meine Arbeit macht mir Spaß, sie erfüllt mich", sagte Teuter. "Ich will meine Schüler zu Ende unterrichten, und ich will, dass sie glänzend abschneiden."

Zusammen mit seinem Antrag auf verlängerte Arbeitszeit sammelte er 150 Unterschriften von Schülern, die nicht wollen, dass er geht. "Er soll bleiben, er ist der beste Lehrer", schrieb einer seiner Schüler handschriftlich ans hessische Kultusministerium. Eltern setzten sich für ihn ein, der Personalrat der Schule empfahl, ihn zu behalten. Doch das Ministerium erkannte kein "dienstliches Interesse", Teuter länger zu beschäftigen.

Laut Gericht ist das Gesetz, wonach Beamte mit 65 in den Ruhestand gehen, im Prinzip rechtens, wenn damit Ziele wie etwa eine ausgewogene Altersstruktur erreicht werden sollen. Das Land Hessen als Arbeitgeber habe dies in dem konkreten Fall aber nicht bewiesen. "Es liegt auch nicht auf der Hand, dass für jede Berufsgruppe eine allgemeine Altersgrenze die einzige Möglichkeit ist, dem Ziel einer Arbeitsteilung zwischen den Generationen gerecht zu werden", teilte das Verwaltungsgericht mit.

Kürzlich hatten die obersten europäischen Richter in einem ähnlichen Fall ebenfalls zugunsten des Klägers entschieden: Ein 65-jähriger Oberstaatsanwalt hatte gegen seine Pensionierung geklagt. Auch das Verwaltungsgericht Frankfurt behandelte den Fall - entschied aber zunächst gegen einen Aufschub der Pensionierung. Der Kläger zog wegen Altersdiskriminierung bis vor den Europäischen Gerichtshof, der schließlich entschied, dass er weiterarbeiten darf.


Daniel Schmitt

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lgr/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Glückwunsch ! Saubere Leistung,
guentherprien 25.07.2013
und sehr angenehm zu wissen, wenn man an all die Lehrer denkt, die unmittelbar nach der Verbeamtung ihren burn-out bekommen und dann möglichst schnell in Rente gehen wollen um noch weitere 60 Jahre um die Welt zu reisen oder in die Politik gehen. Herr Teuter bleiben Sie bitte gesund !
2.
blurps11 25.07.2013
Zitat von sysopEs ist eine große Ausnahme, dass Lehrer freiwillig länger arbeiten, etwa jeder Fünfte hört wegen Dienstunfähigkeit sogar frühzeitig auf. Noch im Jahr 2001 stellten Lehrer im Durchschnitt mit 59 Jahren das Lehren ein, nur jeder Zweite arbeitete bis zum offiziellen Rentenalter. Dann wurden Versorgungsabschläge eingeführt, wer seitdem früher aufhört, bekommt weniger Geld.
Richtig müsste es heissen: Vor allem Beamte wurden mit teils massivem Druck in Altersteilzeit und vorzeitigen Ruhestand gepresst, und wer das mit sich machen ließ, musste Einbußen bei der Pension hinnehmen.
3. Bundesbeamte...
clausde 25.07.2013
...haben es da leichter. Die Zuruhesetzungsgrenze liegt da bei 67 Jahren. Der Lehrer in Hessen hat recht. Warum soll er nicht weiter arbeiten? Und das er einem jungen Lehrer eine Chance nimmt, das kann ja nicht sein. Von einer "Lehrerschwemme" ist jedenfalls nichts bekannt. Also weitermachen lassen, so lange er will. Es scheint nicht nur sein Beruf zu sein, sonden seine Berufung. Respekt dafür.
4. Noch
shark 25.07.2013
mehr von diesen Leuten und die Rnten wären auf Jahrzehnte gesichert. Ebtweder hat er genug Geld oder seine Pension reicht ihm nicht. Überzeugung für seinen Beruf - glaube ich nicht -. Ich bin froh, mit 58 in Altersteilzeit gegangen zu sein.
5. Achje...
whis42per 25.07.2013
....jetzt kommen die ewigjungen NichtsAlsArbeiter ins Rentenalter und wissen nicht, was sie tun sollen, wenn sie nicht mehr Brot erwerben dürfen. Kein gutes Urteil für die arbeitslosen oder nur aushilfsweise beschäftigten Junglehrer, in gerade den von diesem Herrn hier unterrichteten Fächern durchaus zahlreich..
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