Urteil: Lehrerin ohrfeigt Schüler - 200 Euro Schmerzensgeld

Zwei Grundschüler prügeln sich im Unterricht, die Lehrerin mahnt zur Ruhe. Die Jungen hören aber nicht auf, der eine schreit die Lehrerin sogar an - da verpasst sie dem Zehnjährigen eine Ohrfeige. Die Beamtin wurde zu Schmerzensgeld verurteilt.

Ein Vormittag im Mai 2012 an einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Zwei Jungen fangen im Unterricht an, sich zu streiten. Sie beschimpfen sich und gehen aufeinander los, von einer "handgreiflichen Auseinandersetzung" wird mehr als ein Jahr später in einem Gerichtsurteil die Rede sein.

Die Lehrerin fordert die beiden Schüler auf, voneinander abzulassen, sie mahnt sie zur Ruhe. Doch die Jungen reagieren nicht. Die Lehrerin versucht erneut, den Streit zu beenden. Mit einem der Jungen verwickelt sie sich in eine heftige Diskussion. Kurz darauf steht der Junge mit geballten Fäusten vor ihr und schreit sie an: "Nein". Da sei ihr, so sagt die Lehrerin später, "die Hand ausgerutscht". Sie schlug dem Zehnjährigen ins Gesicht.

Über diese Ohrfeige hat kürzlich das Landgericht Köln entscheiden: Die Ohrfeige sei nicht durch das Schulgesetz gedeckt, urteilten die Richter. Die Lehrerin habe vorsätzlich gehandelt und ihre Amtspflicht verletzt. Sie muss nun ein Schmerzensgeld in Höhe von 200 Euro an den Schüler zahlen.

Die Lehrerin hatte angegeben, aus einer Bedrohungssituation heraus gehandelt zu haben. Die Richter wiesen das zurück. "Zum einen ist zu beachten, dass der Kläger zum Zeitpunkt des Vorfalls erst 10 Jahre alt war", heißt es in dem Urteil. "Selbst wenn der Kläger eine aggressive Bewegung in Richtung der Lehrerin gemacht haben sollte, kann dies aus Sicht eines Erwachsenen nicht als Bedrohung empfunden werden, auf die mit einer Ohrfeige zu reagieren wäre."

Schüler klagte über "Knacken im Ohr"

In der Höhe des Schmerzensgeldes würde allerdings das Vorverhalten des Jungen berücksichtigt. Der Schüler habe die Situation mit verursacht. "Wäre der Kläger der Anweisung der Lehrerin, die Auseinandersetzung zu beenden, nachgekommen, wäre die Situation nicht derartig eskaliert." Die Lehrerin stimmte dem Schmerzensgeld von 200 Euro zu.

Zuvor hatte die Schulaufsichtsbehörde in Köln die Forderung des Klägers nach Schmerzensgeld in Höhe von 800 Euro zunächst abgelehnt - die Lehrerin habe den Schüler nicht vorsätzlich geschlagen, hieß es dort. Mit diesem Argument hätten Gerichte schon häufig Klagen dieser Art abgewiesen, teilt der Anwalt der nun klagenden Familie mit. Die Lehrer hätten die Schüler nicht vorsätzlich körperlich verletzen wollen, hieß es regelmäßig bei Gericht.

Die Lehrerin war sich bereits kurz nach der Ohrfeige über ihr Fehlverhalten im Klaren. Nach dem Vorfall beschäftigte sie die Klasse mit Stillarbeit, sprach mit dem Schüler und entschuldigte sich. Auch in einem Gespräch mit der Mutter des Jungen entschuldigte sich die Lehrerin und zeigte in einer schriftlichen Stellungnahme tiefes Bedauern über den Vorfall.

Der Junge hatte nach der Ohrfeige über Schmerzen an der Wange und am Ohr sowie über ein "Knacken im Ohr" geklagt. Ein Ohrenarzt, der ihn noch am selben Tag untersuchte, fand jedoch keine Anzeichen für einen Schaden am Trommelfell.

lgr

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
lindenbast 02.07.2013
Zitat von sysopdapdZwei Grundschüler prügeln sich im Unterricht, die Lehrerin mahnt zur Ruhe. Die Jungen hören aber nicht auf, der eine schreit die Lehrerin sogar an - da verpasst sie dem Zehnjährigen eine Ohrfeige. Die Beamtin wurde zu Schmerzensgeld verurteilt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/urteil-lehrerin-muss-schueler-200-euro-wegen-ohrfeige-zahlen-a-908986.html
So wie ich das sehe, hat sie sich zwar nicht richtig verhalten, aber nach diesem aus der Situation heraus doch sehr nachvollziehbaren Ausrutscher alles Menschenmögliche getan, um die Situation zu bereinigen. Das hätte wahrlich nicht vor Gericht enden sollen; da verstehe ich die Eltern nicht. Und dann noch hinterher der plumpe Versuch, mittels Krankheitssimulation mehr abzugreifen...
2. Vollkommen falsch für diesen Beruf, entlassen !
guentherprien 02.07.2013
Offensichtlich ist diese Lehrerin völlig überfordert und sollte den Beruf an den Nagel hängen. Unverstaendlich, dass es zu solchen Vorfällen kommt bei all der tollen Ausbildung und dem idealen Arbeitsumfeld, den die LehrerInnen heutzutage so haben. Aber offensichtlich ist bei der Masse von ihnen das Ziel so schnell wie möglich verbeamtet und dann in Frührente zu gehen und sich auf Kosten der Gesellschaft einen schönen Tag zu machen. Alternativ kann man noch PolitikerIn bei den Grünen oder Sozen werden und noch mehr abzocken. Kein Wunder, dass Deutschland so mies aussieht mit der Bildung im internationalen Vergleich und wenn man sich dann noch darüber im Klaren ist, dass selbst Menschen, die wegen Mathematik sitzengeblieben sind in diesem Staat Finanzminister werden können, dann klärt sich so ziemlich alles.
3.
jonas4711 02.07.2013
Zitat von guentherprienOffensichtlich ist diese Lehrerin völlig überfordert und sollte den Beruf an den Nagel hängen. Unverstaendlich, dass es zu solchen Vorfällen kommt bei all der tollen Ausbildung und dem idealen Arbeitsumfeld, den die LehrerInnen heutzutage so haben. Aber offensichtlich ist bei der Masse von ihnen das Ziel so schnell wie möglich verbeamtet und dann in Frührente zu gehen und sich auf Kosten der Gesellschaft einen schönen Tag zu machen. Alternativ kann man noch PolitikerIn bei den Grünen oder Sozen werden und noch mehr abzocken. Kein Wunder, dass Deutschland so mies aussieht mit der Bildung im internationalen Vergleich und wenn man sich dann noch darüber im Klaren ist, dass selbst Menschen, die wegen Mathematik sitzengeblieben sind in diesem Staat Finanzminister werden können, dann klärt sich so ziemlich alles.
4.
ppaule67 02.07.2013
Völlig falsches Urteil. Was den "lieben Kleinen" da vermittelt wird, ist daß man mit aggresivem, unsozialem und respektlosem Verhalten im Leben weiterkommt und auch noch finanziell belohnt wird. Wer sich prügelt, das nach mehrmaliger Aufforderung durch einen Erwachsenen auch nicht unterlässt, sondern patzig wird, der hat sich eine Ohrfeige verdient. Als Richter hätte ich den Eltern eine Erziehungsaufgabe gestellt und sie nach Hause geschickt um mit ihrem Sprößling mal Tacheles zu reden.
5.
jonas4711 02.07.2013
Zitat von guentherprienOffensichtlich ist diese Lehrerin völlig überfordert und sollte den Beruf an den Nagel hängen. Unverstaendlich, dass es zu solchen Vorfällen kommt bei all der tollen Ausbildung und dem idealen Arbeitsumfeld, den die LehrerInnen heutzutage so haben. Aber offensichtlich ist bei der Masse von ihnen das Ziel so schnell wie möglich verbeamtet und dann in Frührente zu gehen und sich auf Kosten der Gesellschaft einen schönen Tag zu machen. Alternativ kann man noch PolitikerIn bei den Grünen oder Sozen werden und noch mehr abzocken. Kein Wunder, dass Deutschland so mies aussieht mit der Bildung im internationalen Vergleich und wenn man sich dann noch darüber im Klaren ist, dass selbst Menschen, die wegen Mathematik sitzengeblieben sind in diesem Staat Finanzminister werden können, dann klärt sich so ziemlich alles.
Ja, so sind sie die Gutmenschen. Wissen immer wo es lang geht und urteilen, als ob sie dabei gewesen wären. Vermutlich hätte sich die Lehrerin von dem 10-jährigen erst mal verprügeln lassen sollen und ihn dann um Verzeihung bitten, dass sie ihn zu einem ordentlich en Betragen aufforderte???
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles zum Thema Arbeitsplatz Schule
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 114 Kommentare
Fotostrecke
Lehramtsstudium: Referendare unter Druck

Fotostrecke
Umfrage: Wie Lehrer über ihren Beruf denken

Social Networks