US-Schüler: Einmal Fluchen kostet 103 Dollar

Im amerikanischen Hartford haben Lehrer die ständigen Kraftausdrücke ihrer Schüler satt. Jetzt patrouillieren Polizisten auf dem Schulhof und verteilen Strafzettel. Das kann für jugendliche Rüpel teuer werden.

Alle Rüffel und Ermahnungen nützten nichts. Auch Nachsitzen und Ausschluss vom Unterricht zeigten keine Wirkung. Obszön, vulgär und beleidigend drückten sich die Schüler in der Stadt Hartford im Bundesstaat Connecticut aus. Das meinen jedenfalls die Lehrer - die frustrierte es, dass sie nicht in der Lage waren, ihre Schüler vom Fluchen abzuhalten. Deshalb entschieden die Schulen gemeinsam mit der Polizei, es sei an der Zeit, härter durchzugreifen.

Seit zwei Wochen stehen nun Polizeibeamte auf den Schulhöfen zweier Hartforder Schulen und stellen Strafzettel an Schüler aus, die mit schmutzigen Kraftausdrücke um sich werfen. Die Geldstrafe: satte 103 Dollar pro Fluch.

Die Beamten haben bereits mehr als 60 Tickets an Schüler der Bulkeley und der Hartford High School ausgestellt. Einige Lehrer wollen bereits Anzeichen erkennen, dass der außergewöhnliche Ansatz Wirkung zeige. Es gebe weniger Prügeleien, die Klassen seien ruhiger und auf den Korridoren weniger Schimpfwörter zu hören, beschrieb Schuldirektorin Zandralyn Gordon die neue Situation.

Offiziell werden die Schulhof-Rüpel der öffentlichen Ruhestörung bezichtigt, gleichzeitig mit dem Strafzettel vor Gericht geladen. Bisher allerdings hat noch kein Delinquent seine Strafe bezahlt. Den Vorwurf vieler Eltern, 103 Dollar sei eine zu hohe Strafe für ein paar Kraftausdrücke, weisen die Hartforder Pädagogen von sich. Die Geldbuße solle eine wirklich schmerzhafte Auflage sein, erklärte Direktorin Gordon: "Wenn wir nur 25 Dollar nähmen, würden die Schüler bezahlen und weiterfluchen."

Wer nicht zahlt, muss arbeiten

Nicht alle Hartforder Lehrer unterstützen die Initiative. Paul Stringer, Direktor der dritten staatlichen Schule in Hartford, lehnt das Bußgeldverfahren ab. An seiner Weaver High School überwachen keine Polizeibeamten den Schulhof. "Jemandem eine so hohe Strafe aufzubrummen, der es sich nicht leisten kann - wird dies das Problem lösen oder es verschlimmern?", fragte Stringer seine Kollegen.

Immerhin: Die Staatsanwälte werden die Strafen nach eigenem Ermessen beantragen und dabei auch die finanzielle Situation der Schüler berücksichtigen, erklärte Christopher L. Morano, Oberstaatsanwalt des Staates Connecticut. "Die Geldstrafe kann auch durch gemeinnützige Arbeit ersetzt werden", erklärte Morano.

Psychologen sind von dem Deal nicht überzeugt. "Man sollte den Schülern zeigen, wie sie mit ihrem Frust umgehen können, statt sie für das Fluchen zu bestrafen", so Timothy Jay, Professor für Psychologie am Massachusetts College of Liberal Arts und Autor des Buches "What to Do When Your Students Talk Dirty".

Viele Eltern und Schüler allerdings begrüßen die Hartforder Initiative. "Die Situation war schon lange außer Kontrolle", sagt Ulises Himely, eine Schülerin der Bulkeley High School. Viele Schüler wüssten einfach nicht mehr, wie sie sich ohne Flüche ausdrücken sollten.

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