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US-Schule: Nazi-Rollenspiel geriet außer Kontrolle

In einem Spiel sollten texanische Schüler etwas über den Nationalsozialismus lernen. Dazu übernahmen einige von ihnen die Rolle der verfolgten Juden. Doch dann gerieten die Neuntklässler in einen Strudel aus Hass, Verachtung und Gewalt.

Was in den Konzentrationslagern passiert ist, das sollten die Neuntklässler einer texanischen Schule nicht nur aus Büchern erfahren. Ihre Lehrer wollten ihnen mit Hilfe eines dreiwöchigen Rollenspiels vermitteln, wohin Intoleranz führen kann. Womit die Pädagogen der Waxahachie Ninth Grade Academy nicht rechneten: Das Spiel geriet schon bald außer Kontrolle.

Zunächst lief alles nach Plan. Die Schüler sollen in zwei Gruppen eingeteilt worden sein, in jüdische und nicht-jüdische Deutsche. Die Juden trugen auf ihren Schülerausweisen einen Davidstern. Sie durften erst als Letzte zu Mittag essen, mussten den Müll der anderen aufsammeln und sich im Schulgang an die Wand stellen, wenn die Deutschen an ihnen vorbeiliefen.

Schüler und Eltern erzählten dem örtlichen Rundfunksender KTVT, das Rollenspiel sei eskaliert: Die als Juden deklarierten Klassenkameraden seien bespuckt und geschlagen worden. Der Schüler Texas Medley hatte dem Sender gesagt: "Wir haben Schlagstöcke gebaut, um die anderen zu verprügeln." Das Rollenspiel sei zwar eine gute Übung gewesen, habe aber zu lange gedauert. Die Schülerin Tiffany Zimmermann hielt die Übung hingegen für "zu hart und übertrieben". Einige Klassenkameraden seien ausgesprochen grob gewesen, meinte auch der Schüler Trevor Smith. "Aber wir haben etwas darüber gelernt, was damals passiert ist."

Der Rektor der Schule, John Aune, bestritt am späten Abend die Vorwürfe. Der Nachrichtenagentur AP sagte er: "Auf meinem Schulgelände wurde kein einziges Kind verletzt." Die Schüler hätten im Fernsehen Berichte aus zweiter Hand wiedergegeben.

Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE hatte Aune das Projekt zuvor verteidigt. Den zwischen 14 und 16 Jahre alten Schülern solle gezeigt werden, wozu Gruppendynamik führen könne. "Besonders wichtig ist es uns, die Kinder zu starken Charakteren zu erziehen." Das Projekt werde bereits seit fünf Jahren in jeder neunten Klasse angeboten.

reh/kat/AP

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