Missbrauchsfall in Neuwied: Weitere Schüler zeigen Lehrer an

Obwohl er Sex mit einer 14-jährigen Schülerin hatte, sprach ein Gericht einen Lehrer aus Rheinland-Pfalz frei. Doch nun werden weitere Vorwürfe bekannt: Fünf ehemalige Schüler haben den Mann angezeigt. Das Land will das Schulgesetz ändern, um Minderjährige künftig besser zu schützen.

Mehrfach hatte ein ehemaliger Lehrer aus Rheinland-Pfalz Sex mit einer 14-jährigen Schülerin. Er wurde erst verurteilt, dann freigesprochen - doch später nahm die Staatsanwaltschaft Koblenz erneut Ermittlungen auf, weil sich der Mann auch an die ältere Schwester des Mädchens herangemacht haben soll.

Und selbst dabei ist es möglicherweise nicht geblieben: Im Juli hätten zwei Schüler und drei Schülerinnen ihren früheren Lehrer angezeigt, sagte Oberstaatsanwalt Harald Kruse. Die Vorwürfe: Körperverletzung und sexueller Missbrauch. Weil die Taten zwischen sechs und sieben Jahren zurückliegen sollen, könnten sie bereits verjährt sein. Kruse betonte außerdem, es gebe noch keinen Anfangsverdacht. Bevor die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehme, müsse man die Schüler genauer befragen.

Auch im Fall der älteren Schwester der Schülerin, die mit dem Lehrer Sex hatte, ist für das weitere Verfahren entscheidend, wann sich der Pädagoge dem Mädchen genähert hat. Laut Staatsanwaltschaft soll das auf einer Abschlussreise einer neunten Klasse geschehen sein. Bei dem Ausflug auf eine Hütte soll der Lehrer der Schülerin nachts zu nahe gekommen sein. Zu den genauen Umständen würden weitere Zeugen befragt. Fraglich ist dabei, ob zu dem Zeitpunkt ein Obhutsverhältnis bestanden hat.

Länder verschärfen Schulrecht

Mit der Begründung, dass kein solches Obhutsverhältnis bestanden habe, hatte das Oberlandesgericht Koblenz den Mann Ende Dezember freigesprochen, obwohl er mit der 14-jährigen Schwester 22-mal sexuellen Verkehr hatte. Die Schülerin sei dem Lehrer nicht im Sinne des Gesetzes zur Erziehung anvertraut gewesen, weil er in ihrer Klasse nur dreimal als Vertretungslehrer eingesprungen war. Die Feststellung eines Obhutsverhältnisses ist entscheidend, weil Sex zwischen Erwachsenen und Jugendlichen ab deren vollendeten 14. Lebensjahr straffrei möglich ist.

Der Freispruch für den Pädagogen heizte eine Debatte an, wie man Minderjährige in der Schule besser vor sexuellem Missbrauch durch Lehrer schützen kann. Die rheinland-pfälzische Landesregierung brachte am Dienstag ein generelles Verbot von sexuellen Beziehungen zwischen Lehrern und minderjährigen Schülern auf den Weg. Das Kabinett billigte eine entsprechende Änderung des Schulgesetzes. Sexuelle Beziehungen zu Schülern seien mit dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag nicht vereinbar, sagte Ministerin Doris Ahnen (SPD). Auch andere Bundesländer planen, das Schulrecht dahingehend zu verschärfen. Darauf hatten sich die Kultusminister im März verständigt.

Nach Bekanntwerden des Verhältnisses zu der damals 14-Jährigen war der Lehrer aus dem Kreis Neuwied vom Schuldienst suspendiert worden. Ende Juli schied er auf eigenen Wunsch aus dem Beamtenverhältnis aus, teilte das Verwaltungsgericht Trier Anfang August mit. Daraufhin sei auch das Disziplinarverfahren gegen ihn eingestellt worden.

son/cht/dapd/dpa

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1. Notorious....
ergo-oetken 15.08.2012
Sexualisiert übergriffigen Menschen geht es nicht um "Sex" im landläufigen Sinne, sondern darum, schwächere Menschen zu dominieren, sie zu demütigen und ihnen zu schaden. Das Mittel, das sie dazu einsetzen, sind sexuelle Handlungen. Da dieser Bereich einer der intimsten ist, den wir haben. LehrerInnen, die derartig persönlichkeitsgestört und übergriffig sind, haben sich per se schon für die pädagogische Arbeit disqualifiziert. Dies sollte im Schulgesetz verankert werden. In jedem Bundesland. Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit
2. In Obhut
sarahmohn 15.08.2012
SchülerInnen, die zu einer Klassenfahrt im Zuge einer Abschlussreise von ihren Eltern in die Obhut der zuständigen Lehrer übergeben werden, tragen sehr wohl einen Auftrag, den ihnen vonseiten ihres Statuses als Staatsbeamte, bzw. Lehrer - Aufsichtspflicht angetragen wurde. Es handelt sich hier um einen Klassenfahrt, und die mitreisenden Lehrer tragen hier die Verantwortung als Pädagogen während dieser Zeit. Eltern vertrauen darauf, dass diese Pädagogen ihrer Pflicht während dieser Zeit nachkommen. Es ist dabei unerheblich, ob der Lehrer, in dem Fall der Täter eine ansonsten reguläre Vertreteranstellung in der Schule innehatte oder nicht. Sobald er sich bereit erklärt, eine Klassenfahrt zu beaufichtigen, hat er hier einen Auftrag, für das Wohlergehen der ihm anvertrauten SchülerInnen zu sorgen. Also besteht unweigerlich damit auch ein Obhutsverhältnis ab dem Beginn der Klassenfahrt bis zur Übergabe der SchülerInnen am Ende der Fahrt an die Eltern. Hier sich mit fadenscheinigen Ausreden heraus zu manifrieren, ist mehr als schäbig. Denn es ist mittlerweile bekannt, dass zwischen SchülerInnen und Lehrern immer ein Machtgefälle herrscht, sei dies noch so getarnt als Kumpanei oder freundschaftlichem Geplänkel. Man kann nur hoffen, dass die weiteren betroffenen SchülerInnen hier die Machenschaften des Lehrers aufdecken, mit denen er sich die SchülerInnen auf schäbige Weise gefügig machte, und sich selbst als Unschuldslamm hinstellen will. Am Ende wird es noch so verdreht dargestellt, dass der Täter als Opfer deglariert wird, das von den SchülerInnen verführt wurde. Unfassbar!!! Ich hoffe inständig, dass die Eltern der betroffenen SchülerInnen hier einen Aufschrei wagen, sich nicht von den Verdrehungen einschüchtern lassen und geschlossen vor Gericht gehen. Für Vergewaltigung gibt es eine Verjährungsfrist von 20 Jahren. Bei sex. Missbrauch an Abhängige (Schüler sind dem Wohlwollen der Lehrer, die sich für die Aufsicht der Klassenfahrt bereiterklärt haben, abhängig) gilt eine läppische Verjährungsfrist von 5 - 10 Jahren höchstens. Auch hier eine Verdrehung zum Nachteil abhängiger Personengruppen, deren Überarbeitung längst fällig ist. Sarah Mohn, Betroffene von fam. sat. rit. sex. Gewalt in der Kindheit
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