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Weniger Deutschunterricht: Schulreform entzweit Berlin und Paris

Lehrer in Frankreich: In Schwarz-Rot-Gold auf der Straße Fotos
AFP

Au revoir, Deutschunterricht? Frankreichs Schulreform treibt die Lehrer auf die Straße und verstört die Berliner Regierung. Bildungsministerin Wanka befürchtet, die deutsch-französische Freundschaft könne leiden.

Die Reform des Deutschunterrichts an Frankreichs Schulen sorgte auch in Berlin für Unmut, nun kritisiert auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka die Regierung in Paris. "Wir brauchen einen starken Deutschunterricht in Frankreich und einen guten Französischunterricht in Deutschland", sagte die CDU-Politikerin am Freitag.

Die sozialistische Regierung in Paris hatte ihre Reformpläne diese Woche vorangetrieben. Einen Tag nach Protesten französischer Lehrer wurde am Mittwoch eine Verordnung zum Umbau des Lehrplans der Mittelstufe im Amtsblatt veröffentlicht. Damit bleibt Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem bei der Abschaffung der sogenannten Zweisprachen-Klassen, in denen Schüler schon von Beginn der Sekundarstufe an neben Englisch auch Deutsch lernen. "Ich fände das Aus für die bilingualen Klassen in Frankreich bedauerlich und habe der französischen Bildungsministerin unsere Befürchtungen geschildert", sagte Wanka.

Die Bundesregierung und deutsch-französische Verbände fürchten, dass sich dadurch künftig weniger junge Franzosen für Deutsch als Fremdsprache entscheiden. Paris hält dagegen, dass bislang nur wenige Schüler von dieser besonderen Förderung profitieren. Künftig solle stattdessen die zweite Fremdsprache für alle ein Jahr früher starten und der Sprachunterricht insgesamt ausgebaut werden.

Mehr Deutschlehrer geplant

Wanka wies auf die Bedeutung des Deutschunterrichts für das Verhältnis beider Länder hin: "Das Lernen der anderen Sprache gerade in der Schule sichert die Zukunft der deutsch-französischen Freundschaft. In Europa und in der Welt verbindet uns das Interesse, die beiden nicht leicht zu erlernenden Kultursprachen Französisch und Deutsch gegenseitig wertzuschätzen, hochzuhalten und zu pflegen." Deutschland und Frankreich hatten sich 1963 im Élysée-Vertrag dazu verpflichtet, die Sprache des jeweiligen Partners zu fördern.

Bei einem Besuch in Berlin hatte Präsident François Hollande am Dienstag nach einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf verwiesen, "dass zum neuen Schuljahr jetzt schon mehr Deutschlehrer eingestellt werden, als es in der Vergangenheit der Fall war. Mehrere hundert Deutschlehrer mehr werden eingestellt." Die Reformpläne würden umgesetzt, "und über die Reform hinaus - 2016 - wird es mehr junge Menschen geben, die Deutsch lernen als heute".

Zugleich spielte Hollande den Ball zurück: "Ich wünsche mir, dass mehr Deutsche auch Französisch lernen - eine schöne Sprache im Übrigen. Auch das gehört in den Verantwortungsbereich der Länder. Ich kann also nicht die Kanzlerin bitten, dafür zu sorgen", sagte der Präsident mit Blick auf den deutschen Bildungsföderalismus. "Ich kann mich aber an alle Länder-Verantwortlichen wenden und sie bitten, mehr Französischlehrer einzustellen, damit mehr deutsche Kinder Französisch lernen können."

bkr/dpa

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Französisch schwer zu lernen?
Sibylle1969 22.05.2015
Ok, ist vielleicht schwerer als Englisch, aber als besonders schwer würde ich Französisch nicht bezeichnen. Die Grammatik ist viel einfacher als im Deutschen.
2. Zweierlei Maß
Thorongil 22.05.2015
In Deutschland wird am Oberrhein Französisch per Order de Mufti zur ersten Fremdsprache an Schulen erklärt. Auf der anderen Seite der Grenze wird der Elsässische Dialekt von der Französischen Regierung aktiv bekämpft. Sehe nur ich hier zweierlei Maß?
3. Es lernen mehr Deutsche Französisch, als Franzosen Deutschen,
Endlager 22.05.2015
damit ist die Behauptung von Hollande Unsinn. Was der Spiegel auch nicht schreibt, ist, dass diese Bestrebungen in erster Linie von der Bildungsministerin mit Migrationshintergrund ausgeht, die Schüler mit Migrationshintergrund als benachteiligt ansieht, weil sie schulisch schlechter abschneiden, und selten in diese bilingualen Klassen gehen. Es geht also in erster Linie um PC und Nivellierung.
4. Richtig so...
tg923 22.05.2015
bevor sie Deutsch lernen, sollten sie erstmal Englisch zumindest etwas beherrschen. Selbst in Pariser Restaurants, wo zu 80 Prozent Touristen einkehren, sind die Englischkenntnisse grösstenteils unterirdisch, da scheiterts schon an yes und no teilweise. Und das liegt ganz sicher nicht nur am Stolz, lieber die eigene Sprache nutzen zu wollen. Sogar in Russland bemüht man dich mittlerweile mehr darum als in Frankreich und das will was heißen.
5. Vorsicht
bonngoldbaer 22.05.2015
"Ich kann mich aber an alle Länder-Verantwortlichen wenden und sie bitten, mehr Französischlehrer einzustellen, damit mehr deutsche Kinder Französisch lernen können." Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen, Monsieur le Président. Wenn die Kinder dann später als Erwachsene (wie ich) ein Jahr in Frankreich leben, können sich ihre Sympathien für dieses Land ganz schnell ins Gegenteil verwandeln.
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