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Bildungsstudie: Eltern sind für Mathe-Verdruss ihrer Töchter verantwortlich

Beim Lösen einer Aufgabe (Archiv): Einfach nicht gut in Mathe? Zur Großansicht
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Beim Lösen einer Aufgabe (Archiv): Einfach nicht gut in Mathe?

Mädchen haben weniger Lust auf Mathe als Jungs - und trauen sich weniger zu. Warum diese Unterschiede in Deutschland besonders groß sind, hat eine OECD-Studie untersucht.

Berlin/London - Lineare Gleichungssysteme, Geometrie oder Stochastik machen Mädchen oft weniger Spaß als Jungen. Besonders in Deutschland sind viele Mädchen Mathe-Muffel. Die Abneigung gegen Mathematik beeinflusst auch die Karrierechancen von Mädchen, wie aus dem ersten Bildungsbericht zur Chancengleichheit der Geschlechter von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervorgeht.

Bei der Einstellung zu naturwissenschaftlich-technischen Berufen gebe es in Deutschland enorme Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, berichtete OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Dies sei problematisch, weil es Berufe im mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen Bereich sind, "die zu den bestbezahlten Karrieren führen".

Die Geschlechterdifferenzen begründen sich aber nicht durch angeborenes Vermögen oder Unvermögen, sondern eher durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie. Gerade Eltern tragen nach Erkenntnissen des Berichts dazu bei, dass das Interesse für Mathe und Naturwissenschaften bei den Geschlechtern so unterschiedlich ausgeprägt ist: So können sich in Deutschland 39 Prozent der Eltern vorstellen, dass ihre Söhne in naturwissenschaftlich-technischen Berufen arbeiten, und nur 14 Prozent der Eltern können sich dies für ihre Töchter vorstellen. So tragen sie laut OECD unbewusst oder bewusst zum Desinteresse der Mädchen bei.

In Chile, Ungarn und Portugal beeinflussen Eltern ihre Kinder noch stärker als in Deutschland in ihren Neigungen zu den Fächern. In diesen Ländern können sich die Hälfte aller Eltern vorstellen, dass ihr Sohn später einen MINT-Beruf ergreifen wird, für ihre genauso leistungsstarken Töchter können das nur ein Fünftel. Unter MINT versteht man Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

In Korea sieht es allerdings anders aus: Hier trauen die Eltern ihren Töchtern und Söhnen so gut wie gleichermaßen zu, einen MINT-Beruf zu ergreifen. Im OECD-Schnitt konnten sich nur etwa fünf Prozent aller Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem MINT-Fach zu arbeiten. Bei den Jungen waren es 20 Prozent.

Die Ermutigung der Eltern könnte dazu führen, dass sich Jungen mehr zutrauen: Auf die Frage, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworteten Jungen in Deutschland viel häufiger mit Ja als Mädchen. Die stimmten eher der Aussage zu, "einfach nicht gut in Mathe" zu sein - selbst wenn sie im entsprechenden Pisa-Test nicht schlechter abgeschnitten hatten. Bisherige Befragungen von Schülern und Schülerinnen haben bereits ergeben, dass Mädchen ihre Angst vor Mathe eher überschätzen als Jungen und ihre eigenen Kompetenzen schlechter einschätzen.

Dabei sind Mädchen meist die besseren Schülerinnen: Von der Gesamtheit der besonders leistungsschwachen Schüler in Lesen, Mathe und Naturwissenschaften sind 60 Prozent männlich. Bei ihnen gibt es auch ein höheres Risiko, die Schule abzubrechen. Laut OECD ist es daher besonders wichtig, die Lesefähigkeiten der Jungen zu verbessern.

kha/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 165 Beiträge
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1. Dass nun die Eltern schuld sein sollen,
ellereller 05.03.2015
scheint mir nicht empirisch belegt. Es ist doch denkbar, dass die Mädchen, die ja ihre Mathe-Fähigekeiten eher unterschätzen (wie es gegen Ende des Artikels heißt), diese Einschätzung schon in der Schule erwarben und die Eltern ihre Skepsis aufgrund dieser kritischen Selbsteinschätzung ihrer Töchter trafen.
2. Das verstehe ich jetzt nicht,
chris4you 05.03.2015
die Wunschfamilie des Ministeriums sieht doch Ihre Kinder maximal am Abend, wenn sich die beiden arbeiteten Eltern (Elter1 und Elter2) und die vollzeitbetreuten Kinder kurz beim Abendessen sehen? Wie können die dann an der Matheaversion schuld sein? ;o).. Das waren bestimmt die pösen Männer von der Vollzeitbetreuung... Achso, die gibt es da nicht, wegen dem generellen pädophilen Verdacht... Wer ist dann schuld?
3. Jungs haben weniger Lust auf schöne Kleider!
MtSchiara 05.03.2015
Jungs haben weniger Lust auf schöner Kleider als Mädchen - und trauen sich weniger zu. Warum diese Unterschiede im Interesse am Tragen schöner Kleider gerade auch in Deutschland groß sind, sollte ebenfalls einmal dringend in einer OECD-Studie untersucht werden. Denn es könnte auch damit zusammenhängen, welche Einstellung Eltern dazu haben. So soll es ja sogar Eltern geben, die diesbezüglich schon Unterschiede bei kleinen Kindern machen, also den Mädchen sowohl Kleid als auch Hose zu Auswahl hinlegen, Jungs hingegen nur Hosen anbieten - und dadurch die Jungs schon in diesem Alter entmutigen, auch mal ein schönes lila Kleid zu tragen. Aussehen kann für den Lebenserfolg sehr wichtig sein, und diese Beeinflussung durch die Eltern und das Versperren bestimmter Moderichtungen bereits für diese kleinen Jungen kann den Modegeschmack dieser jungen Menschen bis ins hohe Alter prägen. Die OECD sollte hier einschreiten und Eltern ermutigen ihren kleinen Sprößlingen bei der Bekleidung die gleiche Auswahl unabhängig vom Geschlecht zuzugestehen und sie nicht schon im frühen Alter zu beeinflussen.
4. Alter Kaffee!
kaisergarten 05.03.2015
Je freier eine Gesellschaft in seinen Wahlmöglichkeiten ist, umso mehr spiegelt sich in der Job Wahl das eigene Interesse wieder. In Asien gelten Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften als das Sprungbrett zum persönlichen Heil (GELD) in Deutschland dient das Studium der Persönlichkeitsentwicklung. In Asien wird gepaukt das sich die Balken biegen und das Interesse der Kinder spielt dabei keine Rolle (Stichwort: Tigermum). In Deutschland blühen Waldorf, Montessorischulen, etc… Wer wissen will warum es IMMER Unterschiede zwischen Männern und Frauen geben wird kann sich ja mal die sehr unterhaltsame und informative Doku des Norwegers Harald Eia anschauen.
5. Ursache/Wirkung
rsi 05.03.2015
Sind die gleichguten Mädchen so selbstbewusst, weil sie gleich gut sind oder sind sie gleichgut, weil sie so selbstbewusst sind. Jeder, der Kinder hat (Jungen + Mädchen) rauft sich die Haare, wer alles irgendwelche Studien darüber schreiben darf
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