Von Benjamin Triebe
Berlin - Einen "bildungspolitischen Skandal" befürchtet der deutsche Philologenverband, außerdem "eine nicht nachvollziehbare Verschleuderung von Steuergeldern". Ziel der Verbalattacke sind die SPD-geführten Bildungsministerien in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Wenn die nicht endlich ihre Blockadehaltung aufgeben würden, wäre das fatal, zürnte der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Das hören die Bildungspolitiker mitten im Wahlkampf nicht gern - erst recht, wenn es mal wieder um Pisa und "die Zukunft unserer Kinder" geht.
Die Ursache des Gezänks geht zwei Jahre zurück. Im Jahr 2003 fand in Deutschland die letzte Pisa-Erhebung statt. Gegenüber dem ersten "Programme for International Student Assesment" von 2001 wurden erheblich mehr Schüler getestet, 56.000 statt zuvor 6000. Über 1500 Schulen beteiligten sich an der Erweiterungsstudie Pisa-E, die fast 2,4 Millionen Euro kostete - eine Art Fitnesstest der Bundesländer.
Geprüft wurden Jugendliche an Gymnasien, Gesamt-, Real- und Hauptschulen quer durch die ganze Republik. Ziel war es, endlich mehr über die Qualität des Unterrichts an den einzelnen Schularten zu erfahren.
Wie gut sind die Gesamtschulen?
Die Pisa-E-Resultate sollten eigentlich schon im September präsentiert werden. Doch dann entschied sich Kanzler Schröder für Neuwahlen, und wenige Tage vor dem Wahltermin wollte niemand den Streit zwischen Bildungspolitikern von SPD und CDU mit frischen Daten anheizen. Also wurde die Präsentation wurde aufgeteilt: Zuerst stellte die Pisa-Kommission im Juli die deutschen Ergebnisse im internationalen Vergleich vor, im November sollte dann die Feinanalyse mit genau aufgeschlüsselten Länderdaten folgen.
Dabei wollten die Bundesländer nur Auskunft über die Qualität ihrer Gymnasien geben. So sieht es der Pisa-Vertrag vor, der allerdings noch von der ersten Studie stammt. Doch Mitte August kam Manfred Prenzel und machte einen Vorschlag, der neuen Streit entfachte. Der Kieler Bildungsforscher und Chef des nationalen Pisa-Programms bat die Qualitätssicherungs-Kommission der Kultusministerkonferenz (KMK), alle erhobenen Daten für die Präsentation vorbereiten zu dürfen: Für jedes Bundesland sollte man genau erkennen können, wie gut Gesamtschulen und Gymnasien, Real- und Hauptschulen abgeschnitten haben.
Die Rohdaten sind vorhanden, und Prenzel wollte den Länder nur helfen: Sie könnten dann all ihre Schulen mit dem internationalen Pisa-Mittelwert vergleichen und so Schlüsse darüber ziehen, wie gut sie sind. "Mehr Gefühl für Qualität" sollten die Bildungsminister daraus entwickeln.
Bloß kein neuer Gesamtschul-Krach
Doch die machen sich weniger Sorgen um Qualität als darum, dass ihr Schulen statt nur mit dem Mittelwert auch mit den Schulen in den anderen Bundesländern verglichen werden. Das könnte der ideoligisierten Debatte um Sinn oder Unsinn des SPD-Lieblings Gesamtschule neuen Zündstoff geben. "Die befürchten katastrophale Ergebnisse für die Gesamtschulen", glaubt Heinz-Peter Meidinger.
Die zögerlichen Ministerien in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wehren sich indes gegen die Behauptung, sie wollten Daten unter Verschluss halten. "Es geht nicht darum, etwas nicht zu veröffentlichen. Es ist nur eine Frage der Darstellungsform", sagt Sven Zylla, Sprecher des SPD-geführten Bildungsministeriums in Kiel.
Denn nur die Gymnasien sind in allen Gebieten Deutschlands wirklich vergleichbar. Zwischen den anderen Schularten gibt es regional große Unterschiede. So gehen beispielsweise in Bayern viel mehr Jugendliche mit recht guten Leistungen auf die Hauptschule - Berlin dagegen sammelt dort nur die Schwächsten ein. Deshalb, so das Argument der SPD-Bildungspolitiker, liefere dieser Vergleich keine stichhaltigen Ergebnisse.
SPD-Länder treten auf die Bremse
Im ebenfalls SPD-gesteuerten Rheinland-Pfalz möchte man darum nichts überstürzen. "Früher sagte man immer, ein Vergleich sei nur für die Gymnasien sinnvoll. Das darf man jetzt nicht übers Knie brechen", so Ottmar Schwinn, Ganztagsschulreferent im Bildungsministerium. Erst müssten noch wissenschaftliche Fragen geklärt werden und die Daten so aussagekräftig sein, dass niemand falsche Schlüsse ziehen könne. "Aber es ist nicht so, dass wir uns gegen die Veröffentlichung sperren", beteuert Schwinn.
Dass die SPD-Länder dennoch als Blockierer dastehen, liegt an den Provinzfürsten der Union. Letzte Woche kündigten sie an, bereitwillig alle Testergebnisse zu veröffentlichen, wenn die Kollegen von der SPD mitmachen. Annette Schavan stieß die Initiative an. Die baden-württembergische Kultusministerin ist in Angela Merkels Kompetenzteam für Forschung Bildung zuständig - eine Freundin der Gesamtschulen war Schavan nie.
Die Unionsländer haben wenig zu befürchten, ihre Schulen werden wohl gute Zeugnisse bekommen. Ein paar Tage darauf gingen die Kultusminister noch weiter: "Wir werden unsere Daten auf jeden Fall veröffentlichen, auch wenn die SPD-Bundesländer nicht mitmachen", sagte ein Sprecher des Kultusministeriums in Stuttgart. "Wir wollen Transparenz."
"Alles ordnungsgemäß diskutieren"
"Transparenz" wolle man ebenfalls, versichern die Ministerien aus Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein. Nur beharrt man dort auf dem offiziellen Dienstweg: Der alte Pisa-Vertrag sah eben nur die Veröffentlichung der Gymnasien-Ergebnisse vor - also müsse er geändert werden. Mitte September soll darüber die Kommission für Qualitätssicherung beraten. "So eine Entscheidung lässt sich nicht so schnell treffen. Es muss alles ordnungsgemäß diskutiert werden", sagt Sven Zylla.
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es ist erschütternd, dass sich hier Leutchen produzieren, dei keine Ahnung haben und damit noch prahlen! mehr...
dass bei Ihnen die Zeitgeschichte irgendwo beim Jahr 2000 anfängt, dei Volksschule der Nachkriegszeit hatte 8 Jahre, meist war man dann mit 14 Jahren fertig, aber woher sollen Sie das wissen, mein Berichtsheft in 3,5 Jahren [...] mehr...
Ich dachte immer, es wären 9 Jahre. Aber endlich erkenne ich die Bedeutung von G8 G = Grundschule. Danke, Sie haben mir sehr geholfen. Das ist ja der Oberburner, Wissen ohne Schreibfehler Sie meinen jetzt Dinge wie [...] mehr...
die alte Schule mit ihren 8 Schuljahren, kommt man zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass man damals den Kinder ein solide Grundausbildung zukommen liess, nach 8Jahren hatte man ein Fundamnt, auf dem man weiter aufbauen konnte, [...] mehr...
das Programm der Schule, die mein Sohn in Indonesien besuchte, allerdings 30 Wochenstunden, dafür täglich 1,5h Lernhilfe! 7-13.30, Kernschulszeit ! mehr...
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