Hamburg/Stuttgart - Baden-württembergische Abiturienten überflügeln ihre Hamburger Altersgenossen im Fach Mathematik deutlich. Bei identischen Testaufgaben erreichten Schüler der 13. Klasse im Südwesten durchschnittlich 48 Punkte mehr als in der Hansestadt, berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit". Im Bereich der voruniversitären Mathematik mit besonders anspruchsvollen Aufgaben waren es demnach sogar 78 Punkte - was einem Leistungsabstand von fast zwei Schuljahren entspricht, geradezu eine Deklassierung also.
Den Schüler-Vergleich ermöglichten langfristige Studien: Die Hamburger Daten stammen aus einer Untersuchung, in der Wissenschaftler die Fortschritte aller Hamburger Schüler eines Jahrgangs über neun Jahre hinweg verfolgt haben. Die "Untersuchung Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung" (kurz Lau) begann Mitte der neunziger Jahre mit Fünftklässlern. Dieselben Schüler wurden alle zwei Jahre erneut getestet, zuletzt 2004 kurz vor dem Abitur.
Das Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPI) wiederum beobachtete in einer Testreihe den Lebens- und Lernweg baden-württembergischer Abiturienten über zehn Jahre hinweg. Das erschreckende Ergebnis: An Hamburger Gesamtschulen wussten die Schüler in den Leistungskursen im Schnitt weniger als die Schüler in Grundkursen an Baden-Württemberger Schulen, heißt es in einem vom MPI verfassten Vergleichsbericht.
Großer Rückstand sogar im Leistungskurs
Damit hinkten die vermeintlichen Mathematikasse im Norden den Teilnehmern an Pflichtkursen im Süden sogar um 17 Punkte hinterher - ein knappes halbes Schuljahr. "Das Matheabitur spielt sich in den beiden Bundesländern auf deutlich unterschiedlichem Niveau ab", sagte MPI-Forscher Ulrich Trautwein der "Zeit".
Die Hamburger Wissenschaftler stellten fest, dass es zwar eine Reihe von Benachteiligungen, die sie erwartet hatten, dort gar nicht gab – etwa für Kinder aus eingewanderten Familien oder Mädchen. Allerdings sei in Hamburg Abitur nicht gleich Abitur: "Das Problem sind stark unterschiedliche Leistungsniveaus, der Abstand zwischen Gymnasien und anderen Wegen zum Abitur ist beträchtlich", so der Bildungsforscher Rainer Lehmann.
Aus Sicht der Forscher sind eine zu geringe Wertschätzung des Fachs Mathematik und die lange Zeit fehlende Beachtung von Leistungsstandards in der Mittelstufe für das schlechte Abschneiden der norddeutschen Schüler verantwortlich. In Baden-Württemberg gab es anders als in Hamburg schon lange ein Zentralabitur mit standardisierten Aufgaben für alle Abiturienten.
cpa/dpa
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