"Kannst du mir mal zwei Euro leihen?" Mit solchen Fragen fängt es ganz harmlos an. Doch wenn sich die von Freunden oder Eltern geliehenen Beträge summieren, kann es schwierig werden, die Schulden wieder abzustottern. "Tatsächlich sind zahlreiche Jugendliche im Rückstand", sagt Claudia Kurzbuch von der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Kassel. Da hilft es auch nichts, dass Minderjährige rein rechtlich gesehen gar keine Schulden haben können. Wer ständig bei anderen in der Kreide steht, muss frühzeitig handeln - sonst wird es schnell immer schlimmer.
Die Höhe der Schulden ist dabei sehr unterschiedlich. Einige haben sich nur zehn Euro bei einer Freundin geliehen, andere bekommen Handyrechnungen von bis zu 1000 Euro. Doch ganz unabhängig davon, mit wie viel Geld man im Rückstand ist und bei wem: "Man muss die Situation als Warnung erkennen, um einen besseren Umgang mit Geld zu lernen", sagt Claudia Kurzbuch. Denn wer sich als Jugendlicher den Problemen nicht stellt, der habe als Erwachsener oft noch größere und höhere Schuldenberge.
Auch Helga Springeneer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin warnt betroffene Jungs und Mädchen vor der vielleicht nahe liegenden Annahme, das Problem werde sich schon irgendwann von selbst lösen: "Die Probleme mit Schulden vervielfältigen sich bei vielen jungen Erwachsenen sprunghaft mit dem 18. Geburtstag." Haben die Eltern zum Beispiel vorher auf ein Mobiltelefon mit festem Guthaben bestanden, legen sich viele 18-Jährige erstmal ein Vertragshandy zu - mit deutlich schwerer zu kalkulierenden Kosten.
Wer dann noch ein Auto oder die Einrichtung für die erste eigene Wohnung kauft, kann sich schnell in der Schuldenfalle wieder finden. Wenn dann noch Mahnungen ignoriert werden, kommen bald noch Mahngebühren und Verzugszinsen dazu. Und im schlimmsten Fall können nicht bezahlte Schulden sogar bestehende oder zukünftige Arbeitsverhältnisse gefährden, heißt es auf "boesefalle.org", einer Beratungs-Webseite für junge Leute, die von der Stadt Frankfurt/Main unterhalten wird.
Meist müssen die Eltern ran
Doch was tun, um die Schulden in den Griff zu kriegen? "Zunächst ist es wichtig, die aktuellen Verpflichtungen abzubezahlen", sagt Claudia Kurzbuch. Abhängig von der Summe sei dabei zu überlegen, ob man das Geld auf einmal oder vielleicht besser in Raten zurückzahlt - sofern das möglich ist. Außerdem sollte genau geklärt werden, wann welche Raten fällig sind, um Missverständnisse zu vermeiden und das eigene Geld künftig besser einteilen zu können.
Auch wenn es schwer fällt: Ohne Hilfe von Erwachsenen funktioniert der Ausgleich des Kontos in vielen Fällen nicht. "Jeder sollte gemeinsam mit den Eltern oder einer anderen Vertrauensperson nach einer Lösung suchen", rät Claudia Kurzbuch. Wenn sich ein hoher Schuldenberg aufgetürmt hat, ist es unter Umständen ohnehin die einzige Lösung, dass die Eltern die Summe vorstrecken - und Jugendliche das Geld nach und nach an sie zurückzahlen.
Folge eines solchen Krisengesprächs mit den Eltern ist oft, dass diese das Taschengeld sperren. Dagegen sollte jedoch Einspruch erhoben werden, denn für den Lerneffekt ist es wichtig, dass die Schuldner das Geld weiter voll ausgezahlt bekommen und die jeweilige Schuldenrate aktiv an Gläubiger weitergeben. Das heißt: Nur wer täglich mit Geld umgehen muss, kann auch lernen, wie das funktioniert und neigt nicht wieder dazu, Schuldenberge aufzuhäufen.
Auch Schulen bemühen sich in punkto Schuldnerberatung um Aufklärung. Berliner Schulen wollen in Geld-Kursen Grundwissen rund um finanzielle Dinge vermitteln: Was ist ein Dispo? Welche Folgen hat die Zinseszinsregelung für meine Schulden? Wie teuer ist eigentlich der Strom für eine Ein-Zimmer-Wohnung?
Trotzdem müssen Jungs und Mädchen mit Finanzproblemen nicht auf jede weitere Anschaffung verzichten. "Dennoch muss man schon früh lernen, dass man sich nicht immer alles leisten kann, was man gerne hätte", sagt Kurzbuch. Das fällt nach der Erfahrung der Diplom-Ökonomin vor allem den Jungen und Mädchen schwer, bei denen zu Hause nicht über Geld gesprochen wird - weil es die Eltern als Sorgenthema betrachten oder weil im Gegenteil genug davon da ist.
Von Aliki Nassoufis/gms
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