Der Wecker quäkt seine teuflische Melodie, ein Sonnenstrahl ist noch lange nicht in Sicht. Sich am Montagmorgen aus dem Bett schälen zu müssen, ist zutiefst ungerecht. Und so beginnt die Woche mit einem ganz großen Gähnen. Den ganzen Tag geht es so weiter: Man nickt beim Müsli-Kauen ein, schnarcht im Unterricht oder bei der Arbeit, hängt auf dem Heimweg im Bus wie ein nasses Handtuch. Gerade Schüler müssen meist gegen 7 Uhr aus der Koje, weil die Schule um 8 beginnt - darunter leiden auch die Zensuren: Bekennende Frühaufsteher erreichen deutlich bessere Abiturzeugnisse als Langschläfer, wie ein Leipziger Biologe herausfand.
Der Montags-Hangover leuchtet nicht ein. Wenn das Wochenende schön erholsam war, müsste man danach zur Höchstform auflaufen - und doch macht sich Lethargie breit. Der Berliner Internist Ingo Tietze sieht dafür zwei Gründe: "Zum einen gibt unsere Gesellschaft einen siebentägigen Schlafzyklus vor. Zum anderen scheint er auch unabhängig davon in unserem Körper zu schlummern", sagt der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin.
Der Mensch hat sich an diesen Rhythmus gewöhnt. Von Montag bis Freitag wird gearbeitet, die Schulbank gedrückt oder studiert - und "während der fünf Werktage bauen die meisten ein Schlafdefizit auf", sagt Tietze. Für die meisten sei sechs Stunden Schlaf pro Nacht das Minimum, die "Wohlfühlschlafmenge" des Durchschnittsdeutschen liege sogar bei 7,2 Stunden, "doch die schaffen wir unter der Woche kaum".
Stresshormon und Störwecker
Auf Dauer tut das dem Körper nicht gut. Also steht am Wochenende Ausschlafen auf dem Programm - ratzen bis zum Mittag. Der Abbau des Schlafdefizits gelinge auch oft, sagt Tietze: "Am Ende des Wochenendes sind wir weniger müde als sonst."
Das fühlt sich zuerst prima an, hat aber am Montag Folgen: "Durch die fehlende Müdigkeit schläft man Sonntagabend schlechter ein und wacht nachts öfter auf", erklärt der Mediziner. Durch den zerhackten Schlaf ist der Erholungsfaktor dann schnell wieder dahin.
Dazu kommt noch der Hormonhaushalt, der sich dem Arbeitszyklus anpasst. "Studien haben gezeigt, dass bei Menschen, die in eine normale Sieben-Tage-Woche eingebunden sind, genau am frühen Montagmorgen am meisten Kortisol ausgeschüttet wird", erklärt der Schlafforscher. Dieses Stresshormon sorge für viel Unruhe im Schlaf und verhindere damit ebenso die Erholung.
Ein Rezept gegen das Montagstief gibt es nicht - damit müsse man leben, sagt Tietze. Am Sonntag früh aus dem Bett zu hüpfen bringt sogar mehr Schaden, als bis in die Puppen zu schlafen: "Die Forschung hat gezeigt, dass es überaus sinnvoll ist, die Schlafschuld der Woche abzubauen und am Wochenende auszuschlafen", so der Berliner Mediziner. Na denn, Augen zu und durch.
röh/ddp
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