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23.04.2007
 

Schulreform

"Die Hauptschule ist nicht mehr zu retten"

Von Jörg Oberwittler

Resterampe, Aufbewahrungsanstalt, Verliererecke: Das Image der Hauptschule könnte schlechter nicht sein. Einige Ausnahmen machen zwar Hoffnung, doch fast niemand glaubt an ihre Zukunft - Bildungsforscher haben sie schon abgeschrieben.

Eigentlich ist diese Schule zum Scheitern verdammt: 75 Prozent ihrer Schüler kommen aus Familien, in denen die Eltern keiner geregelten Arbeit nachgehen. 80 Prozent der Jugendlichen sind ausländischer Herkunft. Hier verwechselt ein Vater von elf Kindern schon mal seine Söhne. Hier kommt eine türkische Mutter, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt, mit einer Dolmetscherin in die Elternsprechstunde. Und dennoch: Die Geschichte der Carl-Friedrich-Zelter-Hauptschule ist eine Geschichte beispiellosen Erfolges.

Zelter-Schule in Berlin: Ein Leuchtturm der Bildung
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Zelter-Schule in Berlin: Ein Leuchtturm der Bildung

Leiter Robert Hasse führt durch perfekt gefegte Flure, zeigt strahlend saubere Toilettenräume ohne Graffiti an den Wänden, erwähnt eine schuleigene Schach-AG und sogar einen Ruderclub. Er schlendert über den frisch gefegten Hof und deutet auf eine Ecke, wo das Fundament für einen Holzpavillion abgesteckt ist. Hier soll einmal ein Gemeinschaftshaus entstehen.

In Hasses Büro hängt eine Deutschlandfahne, der Schulleiter trägt Anzug und Krawatte, Bundespräsident Horst Köhler lächelt vom Bild über dem Schreibtisch. "Glauben Sie, ich mache das aus Patriotismus?", fragt er. Die Schüler sollen Respekt kriegen vor der Institution Schule. "Wir sind nicht streng, aber konsequent." Mit dieser Einstellung gewannen die Kreuzberger den Berliner Landespreis des Hauptschulpreises 2007 und rechnen sich gute Chancen auf den bundesweiten Sieg aus. Der Bundespräsident wird den Sieger im Mai bekannt geben.

Ein Erfolg, der Hasse dennoch nicht glücklich stimmt: "Ich bin nicht derjenige, der die Lanze für die Hauptschule bricht." Und dass er das sagt, verrät viel über den Zustand der Hauptschule.

Bildungsforscher wie Ernst Rösner vom Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung wissen längst: "Die Hauptschule ist am Ende." Das dreigliedrige Schulsystem schafft sich selbst ab. "Die Hauptschule hat keine Zukunft, weil die Eltern sie nicht wollen. Und die Eltern sind die wahren Schulpolitiker", führt Rösner als Hauptgrund an.

Produkt einer Negativ-Auslese

Umfragen des Instituts bestätigen: Nur noch knapp zehn Prozent befragter Grundschuleltern wollen ihr Kind freiwillig auf eine Hauptschule schicken. Die rund 5000 Hauptschulen in Deutschland sind damit das Ergebnis eines negativen Ausleseprozesses geworden.

Seit Jahren beobachtet Rösner eine Abwärtsspirale. Die Zahl der Arbeitgeber, die für einen Ausbildungsplatz mindestens den Realschulabschluss verlangen, steigt. Grund: Lehrstellen in den gewerblichen Branchen fallen weg, während der Dienstleistungssektor wächst. In modernen Ausbildungsberufen wie IT-Systemkaufmann oder Mediengestalter ist jedoch bereits fast jeder dritte Bewerber ein Abiturient, bestätigt das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Gewinner dieser Entwicklung sind die Gymnasien, die trotz sinkender Geburtenzahlen beständig steigende Übergangsquoten verzeichnen. Ein Blick ins Ausland wird zum Blick in die Zukunft: In Schweden, Finnland und Australien haben nach OECD-Angaben 70 bis 80 Prozent der Schulabgänger die Studienberechtigung. In Deutschland sind es lediglich 40 Prozent. Auch die Realschulen spielen weiterhin vorn mit. Sie sind auf dem besten Weg, die Rolle der Hauptschule als Basisbildungsgang zu übernehmen.

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Die neuesten Beiträge:
08.03.2011 von McBline:

Sie werden es nicht glauben, doch so etwas gibt es mittlerweile sogar in Bayern. Ich glaube es war 9. oder 10. Klasse, da hatten wir in Soziologie so einen Lehrer abbekommen. Gott sei dank, hat uns der Klassenleiter rechtzeitig [...] mehr...

05.03.2011 von ondrana:

Na, in Irland scheint es ja mit dem Erfolg des Bildungssystems auch nicht so weit her zu sein: http://www.gaelnet.de/2010/12/08/pisa-schock-irland/ Aber vielen Leuten sind Resultate von Bildungssystemen ja wohl [...] mehr...

05.03.2011 von Nonvaio01: Nein

Hallo, unser Schulsystem ist total veraltet. Meine Frau und ich leben in Irland. Meine Frau hat schon gesagt das wenn wir nach D ziehen sollten muss er auf eine Privat schule. Eine cousine von Ihr lebt in D mit Ihrem mann, die [...] mehr...

04.03.2011 von dickebank: systemrelevante Schulen

Um systemrelevante Schulen stützen zu können, muss zunächst der Bildungsbereich privatisiert werden. Abgesehen von den Landesbanken, denen ein eigenständiger Geschäftsbereich fehlt, da die Sparkassen eigene Spitzeninstitute [...] mehr...

03.03.2011 von ibramaru: level

Könnten auch Schulen (so wie das Bankgewerbe) in DE von der Politik den Status: Systemrelevant, erhalten? Oder muss die Bevölkerung mehr druck machen? Dann flössen hunderte von Milliarden € in die Ausbildung von handverlesenen [...] mehr...

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