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Schulreform "Die Hauptschule ist nicht mehr zu retten"

2. Teil: Gemeinschaftsschulen: "Die Schlauen werden nicht dümmer, aber die Dummen besser"

Die Realschule ist jedoch nicht nur die deutlich attraktivere Alternative zur Hauptschule, weiß Rösner. Es kommt noch ein weiteres Problem hinzu. "Die Hauptschule ist in vielen Ländern in so einer schlechten Verfassung, dass sie selbst gar nicht mehr gewollt wird." Der Ruf als "Resteschule" und "Aufbewahrungsanstalt" für Lernschwache und Migrantenkinder, Gewaltmeldungen, schlechte Ausbildungsplatzchancen – da seien Eltern nicht mehr bereit, ihre Kinder hinzuschicken.

Über 160.000 Schüler kehrten ihr seit dem Schuljahr 2001/2002 den Rücken, bestätigt das Statistische Bundesamt. Derweil sind die Übergangsquoten zur Realschule und zum Gymnasium kontinuierlich gestiegen.

"Nicht die Hauptschule ist krank, sondern das dreigliedrige Schulsystem", sagt Udo Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung (VBE), selbst seit über zehn Jahren Direktor einer Hauptschule. Der jüngste Uno-Bericht des Menschenrechtsinspektors Vernor Munoz habe deutlich gezeigt, wo die Schwäche des deutschen Schulsystems liege: die frühe Aufteilung auf verschiedene Schulformen benachteiligt arme, lernschwache und Migrantenkinder. Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch Österreich die Kinder so früh.

Gemeinschaftsschule als Lösung?

Die Zukunft könnte in einer Alternative zur dreigliedrigen Schulform liegen: in der Gemeinschaftsschule. Sie sieht ein gemeinsames längeres Lernen aller Schüler vor, zum Beispiel bis zur achten oder zehnten Klasse. Als erstes Bundesland hat Schleswig-Holstein die Einführung der Reformschule beschlossen; Hamburg will die Haupt-, Real- und Gesamtschulen zur "Stadtteilschule" vereinigen und neben den Gymnasien anbieten.

Alle Schüler würden dann in einen Topf geworfen werden, die Schwächsten bestimmten das Lerntempo, entgegen Kritiker des Gemeinschaftsschulmodells. "Die Schüler wären zu einem Drittel gut aufgehoben, zu einem Drittel überfordert und zu einem Drittel unterfordert", warnt zum Beispiel Josef Kraus vom Deutschen Lehrerverband. Studien, die das belegen, kann er nicht vorweisen.

Andere Bildungsexperten bezweifeln seine Sicht: "Wenn sie verschiedene Schüler mit unterschiedlichen Leistungsniveaus haben, werden die Schlauen nicht dümmer, aber die Dummen besser", sagt Rösner und nennt das den "Anregungsreichtum einer Lerngruppe".

Mehr Flexibilität, mehr individuelle Betreuung, mehr Offenheit nach oben zu höheren Schulabschlüssen fordern die Befürworter der Hauptschule. "Die Hauptschule darf keine Sackgasse sein", warnt Schulleiter Robert Hasse von der Zelter-Schule. Dann habe sie auch eine Zukunft.

Dem widersprechen die Bildungsexperten: "In Berlin gebe ich ihr maximal noch vier bis fünf Jahre", sagt Rösner. "In Bayern laufen die Uhren langsamer, da wird es noch etwas länger dauern. Aber auf Dauer ist diese Schulform nicht aufrecht zu erhalten." Auch Marianne Demmer von der GEW reiht sich da ein: "Die Schulform wird nicht zu retten sein."

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insgesamt 3333 Beiträge
Redhalo 05.12.2006
Die Frage ist falsch formuliert. Wird der Hauptschule noch eine Zukunft gegeben? Das trifft die Sache besser. Denn gerade Hauptschulen sind oft Schauplätze sozialer Brennpunkte. Dies bedarf geschulter Lehrer (was lernt man denn [...]
Die Frage ist falsch formuliert. Wird der Hauptschule noch eine Zukunft gegeben? Das trifft die Sache besser. Denn gerade Hauptschulen sind oft Schauplätze sozialer Brennpunkte. Dies bedarf geschulter Lehrer (was lernt man denn schon im Lehramtsstudium... überwiegend Theorie, viel Fachwissen, wenig Praxisbezug und vor allem wenig Pädagogik). Wo sind denn die Schulpsychologen, die Sozialarbeiter oder auch die Lehrer für das Fach Deutsch als Fremdsprache? Erst wenn diese Einrichtungen fester Bestandteil von Schulen werden, gibt es die Möglichkeit auf einzelne Schüler, die Individuen, einzugehen. Jedem nach seinen Bedürfnissen zu fördern, zu unterstützen und zu lehren. Es darf einfach auch nicht passieren, dass eine Hauptschullehrerin ihren Schülern sagt, sie müssen nicht für die Abschlussprüfung lernen, da sie eh keinen Ausbildungsplatz finden werden. Das ist das genaue Gegenteil von einer hoffnungsvollen Zukunft und deutet auf eine heillos überforderte Lehrkraft hin.
wafi 05.12.2006
Quatsch! Mein Sohnemann ist auf einer Haupschule und dort sind weder mehr Aggressionen oder Gewalt, als z.B. auf dem Gymnasium meiner Tochter. Perspektivlosigkeit, ja, denn wer gibt nem Haupschüler einen Ausbildungsplatz. [...]
Quatsch! Mein Sohnemann ist auf einer Haupschule und dort sind weder mehr Aggressionen oder Gewalt, als z.B. auf dem Gymnasium meiner Tochter. Perspektivlosigkeit, ja, denn wer gibt nem Haupschüler einen Ausbildungsplatz. Perspektive kann ergo nur durch einen weiteren Schulabschluß kommen. Warum Hauptschule? Nun ja, bei Sohnemann war ne ziemlich extreme Lese-Rechtschreibschwäche und trotz versuchter außerschulischer Förderung, kam er auf seiner alten Schule einfach nicht mit. Ist halt blöd, wenn man wesentlich länger zum Lesen braucht und nen Wort lesen, schon extreme Mühe macht, ganz zu schweigen, das gelesene hinterher noch zu kapieren. Sohnemann hat aber, nun 8te Klasse, eben wegen des langsameren Lernens in der Hauptschule sein Problem ziemlich gut in den Griff bekommen, hat sogar gestern nen Diktat mit ner 3 wieder bekommen, worauf er ... und ich ... echt stolz sind. Insofern gibt es eben Gründe, warum Hauptschule für manchen wichtig ist. Idealer wären natürlich Gesamtschulen ... aber da steht die Politik vor ...
Pnin 05.12.2006
Nur wenn sie komplett umgestaltet wird: - Kleine Klassen, die Individualförderung ermöglichen - Praxisorientierte Lerninhalte - Betriebsanbindungen als Unterstützung zur Ausbildungsplatzsuche - Stärkere Durchmischung der [...]
Zitat von sysopAggression, Gewalt, Perspektivlosigkeit - hat die Hauptschule noch Zukunft?
Nur wenn sie komplett umgestaltet wird: - Kleine Klassen, die Individualförderung ermöglichen - Praxisorientierte Lerninhalte - Betriebsanbindungen als Unterstützung zur Ausbildungsplatzsuche - Stärkere Durchmischung der Schülerschaft - Zusätzliches qualifiziertes Betreuungspersonal für verhaltensauffällige Schüler - Stärkere "Durchlässigkeit" hin zu anderen Schulformen - schulinterne Freizeitangebote undundund
bernhard 05.12.2006
"Die vorhandenen Lehrer passten nicht zu den Schülern.", der Satz hört sich so an, wie wenn der Politiker ein neues Volk fordert, wenn das bestehende nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Würde man hier [...]
"Die vorhandenen Lehrer passten nicht zu den Schülern.", der Satz hört sich so an, wie wenn der Politiker ein neues Volk fordert, wenn das bestehende nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Würde man hier mehr sagen, wie die inneren Verhältnisse in Berlin sich insbesondere unter dem alten inzwischen abgelösten Schulsenat entwickelt haben, wie insbesondere eine machtlose und amateurhafte GEW durch die Landschaft tänzelt, seit an seit mit ihrem Liebling Wowi, dann würde man wahrscheinlich einem Eintrag in die Personalakte nicht entgehen können! So ist die Lage: angstbesessen, weil ideologisierende Theoretiker das Sagen haben.
darkzone 05.12.2006
Die Hauptschule hat - wir ihre Kinder - die Zukunft schon lange hinter sich! Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien darüber, die das immer wieder belegen. Inzwischen mahnt die UNO eine Veränderung an, weil das System [...]
Die Hauptschule hat - wir ihre Kinder - die Zukunft schon lange hinter sich! Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien darüber, die das immer wieder belegen. Inzwischen mahnt die UNO eine Veränderung an, weil das System eklatant gegen das Gleichheitsprinzip verstößt. Das wissen unsere Politiker. Aber dann müssten sie etwas ändern. Sie müssten den oberen Schichten etwas wegnehmen und denen "unten" etwas mehr geben. So wie das alle anderen Staaten machen. Alle Kinder auf EINE Schule. Undenkbar! Was würden die Ärzte, Rechtsanwälte und Gymnasiellehrer dazu sagen! Es bleibt alles beim Alten. Die Diskussion muss hier nicht geführt werden.
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