Von Tobias Lill
"Mutter Maria hilf", schrieb die Schülerin einer bayerischen Grundschule auf ihre Mathearbeit. Die Viertklässlerin wusste nicht mehr weiter - und flehte um himmlischen Beistand. Schließlich gab es in den Wochen zuvor nur ein Thema, das die ganze Familie beschäftigte: Schafft das Mädchen den Wechsel zum Gymnasium oder nicht?
Albin Dannhäuser kennt viele solcher Fälle. "Der Druck auf die Grundschüler in Bayern ist immens hoch und mit dem in anderen Bundesländern kaum vergleichbar", sagt der Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV). Mehr und mehr Eltern versuchten "beinahe um jeden Preis", ihr Kind auf eine höhere Schule zu schicken.
Wie in den meisten Bundesländern entscheidet sich auch im Freistaat nach der vierten Klasse, welche Schulform die Kinder ab der Sekundarstufe besuchen. Allerdings bestimmen in Bayern allein die Noten, welche Schule der Nachwuchs ab der fünften Klasse besuchen wird. Um auf ein Gymnasium zu gehen, brauchen die Zehnjährigen einen Schnitt von 2,33. Für die Realschule muss es eine 2,66 sein. Wer das nicht schafft, geht zur Hauptschule.
Der Kampf um die Noten wird in die Grundschule verlagert
Noch besuchen vier von zehn Schülern in Bayern nach der Grund- die Hauptschule, etwa doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt. Doch vor allem in den Boom-Regionen, etwa im Großraum München, kämpfen Eltern mit allen Mitteln darum, ihre Kinder auf ein Gymnasium oder wenigstens auf die Realschule zu schicken - und bloß nicht auf die in Verruf geratene Hauptschule .
Eine der wichtigsten Ursachen für den verschärften Leistungsdruck, der auf Grundschülern lastet, ist nach Ansicht vieler Pädagogen die 1999 eingeführte sechsstufige Realschule. Zuvor war diese Schulform vierstufig und umfasste nur die Klassen sieben bis zehn. Nach der Grundschule entschieden die Noten über Hauptschule oder Gymnasium. Erst nach der sechsten Klasse stand fest, wer von der Haupt- auf die Realschule wechseln durfte. Nun wird bereits im Alter von neun oder zehn Jahren zwischen Haupt- und Realschülern differenziert - und der Kampf um die Noten in die Grundschule getragen. Ein späterer Wechsel ist zwar möglich, aber schwierig.
"Viele Dritt- und Viertklässler werden von ihren Eltern stark unter Druck gesetzt, damit sie den Übertritt in jedem Fall schaffen", weiß Jutta Wübben, Leiterin der Münchner Grundschule an der Klenzestraße. Auch Elfie Schloter, Psychologin und Leiterin des "Instituts für Zusammenarbeit im Erziehungsbereich" (IFZE), kritisiert: "Bei der Wahl der Schulform nehmen Eltern oft nur wenig Rücksicht auf die tatsächlichen Fähigkeiten und Neigungen des Kindes."
Häufig streichen Eltern ihren Kindern, sobald diese in die vierte Klasse kommen, den Klavierunterricht oder den Sportverein. "Manche nehmen den Jungen und Mädchen dann sogar ihre Spielsachen weg", kritisiert Dannhäuser. "Vielen Kindern wird so die Kindheit geraubt."
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Sie werden es nicht glauben, doch so etwas gibt es mittlerweile sogar in Bayern. Ich glaube es war 9. oder 10. Klasse, da hatten wir in Soziologie so einen Lehrer abbekommen. Gott sei dank, hat uns der Klassenleiter rechtzeitig [...] mehr...
Na, in Irland scheint es ja mit dem Erfolg des Bildungssystems auch nicht so weit her zu sein: http://www.gaelnet.de/2010/12/08/pisa-schock-irland/ Aber vielen Leuten sind Resultate von Bildungssystemen ja wohl [...] mehr...
Hallo, unser Schulsystem ist total veraltet. Meine Frau und ich leben in Irland. Meine Frau hat schon gesagt das wenn wir nach D ziehen sollten muss er auf eine Privat schule. Eine cousine von Ihr lebt in D mit Ihrem mann, die [...] mehr...
Um systemrelevante Schulen stützen zu können, muss zunächst der Bildungsbereich privatisiert werden. Abgesehen von den Landesbanken, denen ein eigenständiger Geschäftsbereich fehlt, da die Sparkassen eigene Spitzeninstitute [...] mehr...
Könnten auch Schulen (so wie das Bankgewerbe) in DE von der Politik den Status: Systemrelevant, erhalten? Oder muss die Bevölkerung mehr druck machen? Dann flössen hunderte von Milliarden € in die Ausbildung von handverlesenen [...] mehr...
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