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Bayerns Grundschüler unter Druck Hauptsache nicht Hauptschule

2. Teil: Weg mit allem, was Spaß macht - und her mit dem Nachhilfelehrer

Immer mehr Eltern verordnen ihrem Nachwuchs zudem Privatunterricht. Mehr als ein Fünftel der Grundschüler nimmt laut einer BLLV-Schätzung Nachhilfe, um den Notenschnitt fürs Gymnasium zu schaffen. Bei der Schülerhilfe, einem der größten privaten Paukinstitute, kennt man diese Entwicklung: "Abweichend vom Bundestrend werden in Bayern die Nachhilfeschüler immer jünger", sagt Sprecherin Karla Schachtner.

Auch die Eltern des neunjährige Felix wollen, dass ihr Sohn auf die Realschule geht. Deshalb besucht der Viertklässler zweimal wöchentlich den Nachhilfekurs "Fit für den Übertritt". "Seit der dritten Klasse ist der Wechsel auf eine höhere Schule das zentrale Thema in der Klasse", sagt seine Mutter. Eine wirkliche Alternative zu den privaten Förder-Angeboten gibt es nicht. Die an der Schule angebotenen Förderstunden würden häufig entfallen, erzählt die Mutter von Felix.

Und so ist der Übertritt auch eine Frage des Geldes. Nur 16 Prozent der Migrantenkinder in Bayern gehen nach der Grundschule auf ein Gymnasium, rund drei Viertel auf die Hauptschule. Von den deutschen Viertklässlern schaffen 37 Prozent den Übertritt auf das Gymnasium.

Im Bestreben, ihrem Nachwuchs zu den besten Chancen zu verhelfen, greifen die Eltern derweil zu drastischen Mitteln. "Immer häufiger werden Grundschüler vor Prüfungen mit Medikamenten vollgepumpt", so BLLV-Chef Dannhäuser. "Manche Eltern räumen ganz offen ein, ihren Kindern Ritalin und andere Präparate zu verabreichen, um deren Leistungsfähigkeit zu erhöhen", sagt ein Nachhilfelehrer SPIEGEL ONLINE.

Feilschen um jedes Gutachten

Schafft ein Kind den Übertritt trotz aller Bemühungen nicht, kommt es häufig zu Konflikten zwischen Eltern und Lehrern. "Nicht jeder will einsehen, dass sein Kind eben nicht für das Gymnasium geeignet ist", erzählt eine Nürnberger Grundschullehrerin. Aus Danningers Erfahrung "wird um jedes Gutachten gefeilscht". Immer mehr Eltern würden zudem vor Mobbing gegen Lehrer nicht zurückschrecken.

Die Psychologin Schloter hält generell nichts davon, den Kindern in der Grundschule Nachhilfe für den Übertritt zu geben: "Dann schaffen sie es mühsam auf das Gymnasium, nur um sich dort noch mehr zu quälen."

Grundschulleiterin Wübben sagt, die Eltern müssten begreifen, dass die Hauptschule durchaus eine Perspektive biete. So sieht man das auch beim Bayerischen Kultusministerium: "Auch von der Hauptschule aus haben die Schüler die Möglichkeit einen höheren Bildungsabschluss zu erwerben", so ein Sprecher. Immerhin 20 Prozent der Hauptschüler würden die Mittlere Reife schaffen. Bei den Arbeitgebern sei das "hohe Niveau" an Bayerns Hauptschulen ebenfalls bekannt. So rekrutiere etwa Audi die Hälfte seiner Mitarbeiter im gewerblichen Bereich aus dieser Schulform. "Es gibt also keinen Grund zur Sorge, wenn das Kind zur Hauptschule muss", sagt der Sprecher.

Anders als Schleswig-Holstein oder Hamburg will Bayern weiter am dreigliedrigen Schulsystem festhalten. Albin Dannhäuser hat dafür kein Verständnis: "Nur durch eine spätere Selektion und die Aufgabe des dreigliedrigen Systems kann der Druck auf die Grundschüler verringert werden."

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insgesamt 3333 Beiträge
Redhalo 05.12.2006
Die Frage ist falsch formuliert. Wird der Hauptschule noch eine Zukunft gegeben? Das trifft die Sache besser. Denn gerade Hauptschulen sind oft Schauplätze sozialer Brennpunkte. Dies bedarf geschulter Lehrer (was lernt man denn [...]
Die Frage ist falsch formuliert. Wird der Hauptschule noch eine Zukunft gegeben? Das trifft die Sache besser. Denn gerade Hauptschulen sind oft Schauplätze sozialer Brennpunkte. Dies bedarf geschulter Lehrer (was lernt man denn schon im Lehramtsstudium... überwiegend Theorie, viel Fachwissen, wenig Praxisbezug und vor allem wenig Pädagogik). Wo sind denn die Schulpsychologen, die Sozialarbeiter oder auch die Lehrer für das Fach Deutsch als Fremdsprache? Erst wenn diese Einrichtungen fester Bestandteil von Schulen werden, gibt es die Möglichkeit auf einzelne Schüler, die Individuen, einzugehen. Jedem nach seinen Bedürfnissen zu fördern, zu unterstützen und zu lehren. Es darf einfach auch nicht passieren, dass eine Hauptschullehrerin ihren Schülern sagt, sie müssen nicht für die Abschlussprüfung lernen, da sie eh keinen Ausbildungsplatz finden werden. Das ist das genaue Gegenteil von einer hoffnungsvollen Zukunft und deutet auf eine heillos überforderte Lehrkraft hin.
wafi 05.12.2006
Quatsch! Mein Sohnemann ist auf einer Haupschule und dort sind weder mehr Aggressionen oder Gewalt, als z.B. auf dem Gymnasium meiner Tochter. Perspektivlosigkeit, ja, denn wer gibt nem Haupschüler einen Ausbildungsplatz. [...]
Quatsch! Mein Sohnemann ist auf einer Haupschule und dort sind weder mehr Aggressionen oder Gewalt, als z.B. auf dem Gymnasium meiner Tochter. Perspektivlosigkeit, ja, denn wer gibt nem Haupschüler einen Ausbildungsplatz. Perspektive kann ergo nur durch einen weiteren Schulabschluß kommen. Warum Hauptschule? Nun ja, bei Sohnemann war ne ziemlich extreme Lese-Rechtschreibschwäche und trotz versuchter außerschulischer Förderung, kam er auf seiner alten Schule einfach nicht mit. Ist halt blöd, wenn man wesentlich länger zum Lesen braucht und nen Wort lesen, schon extreme Mühe macht, ganz zu schweigen, das gelesene hinterher noch zu kapieren. Sohnemann hat aber, nun 8te Klasse, eben wegen des langsameren Lernens in der Hauptschule sein Problem ziemlich gut in den Griff bekommen, hat sogar gestern nen Diktat mit ner 3 wieder bekommen, worauf er ... und ich ... echt stolz sind. Insofern gibt es eben Gründe, warum Hauptschule für manchen wichtig ist. Idealer wären natürlich Gesamtschulen ... aber da steht die Politik vor ...
Pnin 05.12.2006
Nur wenn sie komplett umgestaltet wird: - Kleine Klassen, die Individualförderung ermöglichen - Praxisorientierte Lerninhalte - Betriebsanbindungen als Unterstützung zur Ausbildungsplatzsuche - Stärkere Durchmischung der [...]
Zitat von sysopAggression, Gewalt, Perspektivlosigkeit - hat die Hauptschule noch Zukunft?
Nur wenn sie komplett umgestaltet wird: - Kleine Klassen, die Individualförderung ermöglichen - Praxisorientierte Lerninhalte - Betriebsanbindungen als Unterstützung zur Ausbildungsplatzsuche - Stärkere Durchmischung der Schülerschaft - Zusätzliches qualifiziertes Betreuungspersonal für verhaltensauffällige Schüler - Stärkere "Durchlässigkeit" hin zu anderen Schulformen - schulinterne Freizeitangebote undundund
bernhard 05.12.2006
"Die vorhandenen Lehrer passten nicht zu den Schülern.", der Satz hört sich so an, wie wenn der Politiker ein neues Volk fordert, wenn das bestehende nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Würde man hier [...]
"Die vorhandenen Lehrer passten nicht zu den Schülern.", der Satz hört sich so an, wie wenn der Politiker ein neues Volk fordert, wenn das bestehende nicht so funktioniert, wie er sich das vorstellt. Würde man hier mehr sagen, wie die inneren Verhältnisse in Berlin sich insbesondere unter dem alten inzwischen abgelösten Schulsenat entwickelt haben, wie insbesondere eine machtlose und amateurhafte GEW durch die Landschaft tänzelt, seit an seit mit ihrem Liebling Wowi, dann würde man wahrscheinlich einem Eintrag in die Personalakte nicht entgehen können! So ist die Lage: angstbesessen, weil ideologisierende Theoretiker das Sagen haben.
darkzone 05.12.2006
Die Hauptschule hat - wir ihre Kinder - die Zukunft schon lange hinter sich! Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien darüber, die das immer wieder belegen. Inzwischen mahnt die UNO eine Veränderung an, weil das System [...]
Die Hauptschule hat - wir ihre Kinder - die Zukunft schon lange hinter sich! Es gibt unzählige wissenschaftliche Studien darüber, die das immer wieder belegen. Inzwischen mahnt die UNO eine Veränderung an, weil das System eklatant gegen das Gleichheitsprinzip verstößt. Das wissen unsere Politiker. Aber dann müssten sie etwas ändern. Sie müssten den oberen Schichten etwas wegnehmen und denen "unten" etwas mehr geben. So wie das alle anderen Staaten machen. Alle Kinder auf EINE Schule. Undenkbar! Was würden die Ärzte, Rechtsanwälte und Gymnasiellehrer dazu sagen! Es bleibt alles beim Alten. Die Diskussion muss hier nicht geführt werden.
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