Von Frank van Bebber
Ravensburg - In der Debatte um die Zukunft der Hauptschule haben in Baden-Württemberg nahezu 100 Schulleiter Kultusminister Helmut Rau (CDU) in bislang unbekannter Offenheit attackiert: Gleich die Mehrheit der Leiter der Grund- und Hauptschulen in der Region Oberschwaben forderte von Rau in einem Brief den "überfälligen Wechsel" vom dreigliedrigen Schulsystem zur Gemeinschaftsschule, in der Kinder über die vierte Klasse hinaus miteinander lernen.
Ein Sprecher des Ministeriums sagte, Rau sei verwundert über Stil und Weg der Erklärung. Die inhaltliche Forderung wies er zurück. "Es bleibt beim dreigliedrigen Schulsystem", sagte der Sprecher. Offen ließ er, ob die Rektoren mit dienstlichen Konsequenzen rechnen müssen. Die Grünen sprachen dagegen von einem für das Land beispiellosen Alarmsignal und forderten eine Landtagsdebatte.
Nach Angaben der Initiatoren des Briefes, mehrere Rektoren aus Oberschwaben, haben bereits 96 von 131 angeschriebenen Schulleitungen im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis den Protestbrief unterzeichnet. "Das ist ein klares Votum", erklärten die Initiatoren am Dienstag. Das Festhalten des Landes am starren dreigliedrigen System gefährde zahlreiche Standorte, widerspreche internationalen Erfahrungen und sei gegenüber den Schülern ungerecht.
"Ohrfeige für die Hauptschullehrer"
Auslöser für den deutlich formulierten Unmut war die Ankündigung neuer Reformen der Hauptschule durch Rau. Diese seien eine "Ohrfeige für die bisherige Arbeit der Hauptschullehrer", heißt es. Die neuen Inhalte würden bereits seit Jahren umgesetzt. Problem sei nicht die Arbeit der Schulen, sondern ein System, das die Hauptschule zur Restschule mache. Es sei weltweit einzigartig, Kinder nach vier Jahren in Begabte und Unbegabte, Schnelle und Lahme zu sortieren. Für die Schüler sei dies schmerzhaft.
"Wie lässt sich dies mit Ihrer christlich-demokratischen Grundhaltung vereinbaren?" fragen die Schulleiter im offenen Brief. Sie verweisen auf internationale Studien, nach denen gemeinsames Lernen die Leistung in der Breite wie in der Spitze steigere. Das bestehende System grenze dagegen aus, statt zu integrieren und zu fördern. Die Schulleiter betonen bei ihrer Forderung eines Systemwechsels zur Gemeinschaftsschule auf einen weiteren Effekt: Viele kleine Orte könnten so ihre Schule als "kulturellen Mittelpunkt einer Gemeinde" behalten.
Ein Sprecher des Ministers verwies dagegen auf die vorliegenden Pläne, die Hauptschulen in sich weiter zu entwickeln, und auf die Möglichkeit von Verbünden mit Realschulen. Dies blieben die Rahmenbedingungen. Zugleich erklärte er, das Ministerium kenne zwar den öffentlichen Inhalt des Briefes, das Schreiben selbst sei aber noch nicht eingegangen. Eine detaillierte inhaltliche oder dienstliche Reaktion seien darum der Antwort des Ministers vorbehalten.
Dokumentiert: Der Rektoren-Brief im Wortlaut
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Sie werden es nicht glauben, doch so etwas gibt es mittlerweile sogar in Bayern. Ich glaube es war 9. oder 10. Klasse, da hatten wir in Soziologie so einen Lehrer abbekommen. Gott sei dank, hat uns der Klassenleiter rechtzeitig [...] mehr...
Na, in Irland scheint es ja mit dem Erfolg des Bildungssystems auch nicht so weit her zu sein: http://www.gaelnet.de/2010/12/08/pisa-schock-irland/ Aber vielen Leuten sind Resultate von Bildungssystemen ja wohl [...] mehr...
Hallo, unser Schulsystem ist total veraltet. Meine Frau und ich leben in Irland. Meine Frau hat schon gesagt das wenn wir nach D ziehen sollten muss er auf eine Privat schule. Eine cousine von Ihr lebt in D mit Ihrem mann, die [...] mehr...
Um systemrelevante Schulen stützen zu können, muss zunächst der Bildungsbereich privatisiert werden. Abgesehen von den Landesbanken, denen ein eigenständiger Geschäftsbereich fehlt, da die Sparkassen eigene Spitzeninstitute [...] mehr...
Könnten auch Schulen (so wie das Bankgewerbe) in DE von der Politik den Status: Systemrelevant, erhalten? Oder muss die Bevölkerung mehr druck machen? Dann flössen hunderte von Milliarden € in die Ausbildung von handverlesenen [...] mehr...
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