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28.05.2007
 

1000 Fragen

Warum wird Kindern beim Schaukeln nicht speiübel?

Eltern krempelt es schon beim Zusehen den Magen um: Mit vollem Schwung wirbeln ihre Kinder auf der Schaukel durch die Luft. Das macht ihnen gar nichts aus, vielen Eltern dagegen wird sofort schlecht. Wieso haben Kinder die Lizenz zum Schaukeln?

Man lernt ein Leben lang, das wissen alle Erwachsenen - und das klingt auch sinnvoll. Für manche ist es sogar Lebenseinstellung. Dass man durch Lernen auch etwas ver-lernen kann, leuchtet da wenig ein.

Schaukeln ist Kindersache: Den Eltern wird schlecht
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Schaukeln ist Kindersache: Den Eltern wird schlecht

Kinder stoßen ständig gegen Tischkanten, stolpern über Stufen, plumpsen vom Stuhl. Später passiert das nur noch selten. Der Mensch verbessert im Laufe vieler Jahre stetig seine Bewegungs- und Wahrnehmungsfähigkeit.

Aber genau deswegen wird dem Papa, der sich auf die Schaukel schwingt, schon nach Minuten speiübel. Sein Sohn dagegen wirbelt noch nach Stunden begeistert durch die Luft - ohne Anzeichen von Schwindel.

"Endgültig erforscht ist das Phänomen noch nicht, Kinder registrieren beim Schaukeln aber vermutlich weniger Informationen über die Augen", sagt Professor Michael Strupp, Leiter der Schwindelambulanz an der Münchener Universitätsklinik. Die Schwindelambulanz heißt wirklich so und befasst sich mit Störungen der räumlichen Orientierung; es gibt sie auch an einer Reihe anderer Kliniken. "Die Informationen, die über das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, die Augen sowie über Muskel-, Haut- und Gelenkrezeptoren gesammelt werden, müssen übereinstimmen", erklärt der Münchner Neurologe.

Erwachsenen-Augen kommen nicht mit

Bei starker Beschleunigung wie beim Schaukeln kommen die Sinnesorgane also nicht mehr nach - gerade die geschulten Augen von Erwachsenen nicht. Die verschiedenen Informationen der Sinnesorgane stimmen nicht überein, der Körper reagiert mit Schwindel und Übelkeit.

Kinder haben den Vorteil, dass ihre visuelle Wahrnehmung beim Schaukeln vermutlich eine untergeordnete Rolle spielt. Anders gesagt: Der Körper der Kinder ist im Einklang, die Übelkeit bleibt aus.

Eltern haben die Lizenz zum Autofahren, Kinder haben also die Lizenz zum Schaukeln - und lernen dabei sogar etwas dazu. Professor Strupp: "Das Gleichgewichtsempfinden ist bei Kindern noch nicht ausgereift und wird durch das Schaukeln angeregt."

Kinder, die Probleme haben auf einem Bein zu stehen, kann man also zum Lernen auf die Schaukel schicken.

meb/ddp

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