"Mr. Pisa" international: Andreas Schleicher
Sein Grundschullehrer in Hamburg hielt Andreas Schleicher nicht geeignet fürs Gymnasium. Doch sein Vater, ein Professor für vergleichende Erziehungswissenschaften, setzte sich darüber hinweg. Prompt absolvierte Andreas Schleicher eine mustergültige Bildungskarriere: Das Abitur schaffte er mit 1,0, eine Arbeit über computerisierte Spracherkennung brachte ihm einen "Jugend forscht"-Preis ein. Später studierte er in Hamburg und in Australien Physik sowie Mathematik mit dem Schwerpunkt Statistik.
Andreas Schleicher: Streitlustiger Pisa-Chef
Als "Mr. Pisa" konfrontierte der Mann mit dem markanten Schnauzbart die Deutschen mit unbequemen Wahrheiten - etwa, dass hierzulande wie in kaum einem anderen Land die soziale Herkunft über die Bildungschancen eines Kindes entscheidet. Vom bescheidenen Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich war Schleicher, der inzwischen die Abteilung mit dem sperrigen Namen "Indikatoren und Analysen" im OECD-Direktorat für Bildung leitet, selbst überrascht.
"Es wird einfach so ins Blaue investiert"
Seitdem meldet er sich immer wieder mit offener Kritik am deutschen Schulsystem zu Wort. Als "Relikt aus dem 19. Jahrhundert" bezeichnete er letztes Jahr das dreigliedrige Schulsystem. Es "konzentriert die sozialen Probleme in den Hauptschulen, so dass sie kaum noch zu lösen sind". Schleicher plädiert vor allem für eine größere Durchlässigkeit des Schulsystems, aber auch für Studiengebühren.
Eine Motivation für die Ausarbeitung der Pisa-Studie war das Unbehagen des Naturwissenschaftlers darüber, wie wenige empirische Daten es über den Erfolg von Bildung gab. "Im Mittel geben die OECD-Staaten fast sechs Prozent des Bruttosozialprodukts für Bildung aus. Und wir wissen fast nichts über die Effektivität dieser Ausgaben. Es wird einfach so ins Blaue investiert. Kein Bereich der Wirtschaft könnte sich so wenig Aufwand für Qualitätssicherung leisten", so Schleicher in einem Interview 2003.
Der mit einer Italienerin verheiratete dreifache Familienvater, der vier Fremdsprachen beherrscht, hat sich mit seiner Kritik in Deutschland nicht nur Freunde gemacht. "Der selbsternannte 'Superminister' fliegt alljährlich einmal ein, um in das Klagelied über den Niedergang und die Provinzialität des deutschen Bildungssystems einzustimmen", schimpfte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" 2004 über den "Miesmacher".
Schleichers Autorität aber beruht gerade auf der fachlichen Qualität seiner Pisa-Studie. 2003 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis für "beispielhaftes demokratisches Engagement", seit dem vergangenen Jahr ist er Honorarprofessor der Universität Heidelberg.
Im Dauer-Clinch mit den Kultusministern
Nun hat der Experte richtig Ärger mit den Kultusministern der unionsgeführten Länder, die ihn nach dem Durchsickern der ersten Pisa-Ergebnisse vergangene Woche zum Rücktritt aufforderten. Schleicher hatte erklärt, man könne nicht von einer Verbesserung der Schüler in Deutschland reden, da Pisa 2006 wegen einer veränderten Aufgabenstellung nicht mit den beiden früheren Studien vergleichbar sei.
Der andere "Mr. Pisa", der deutsche Leiter Manfred Prenzel, widersprach ihm allerdings. Und die Kultusminister der Union schäumten: "Aus ideologischen Gründen" könne Schleicher wohl nicht ertragen, wenn Deutschland durch erhebliche pädagogische Reformen besser geworden sei und sich nicht auf das Gleis der Schulstrukturdebatte begeben habe, wetterte Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU). "OECD-Schleicher untragbar", zürnte der Unions-Bildungspolitiker Marcus Weinberg.
Am Wochenende stellte sich die OECD uneingeschränkt hinter Schleicher, der "in verunglimpfender Art und Weise angegriffen worden" sei: Schleicher sei "ein weltweit anerkannter Bildungsforscher, der sich nicht nur mit der Entwicklung und Koordinierung des Pisa-Programms große Verdienste erworben hat", betonte Barbara Ischinger, OECD-Direktorin für Bildung. "Er genießt unser uneingeschränktes Vertrauen." Und Schleicher selbst sagte zu den Vorwürfen der Kultusminister: "Das ist doch alles eine absurde Posse."
Von Mirjam Mohr, AP
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Wieso, IGLU belegte doch stets, dass die Grundschulen gut mithalten können. mehr...
Ich fürchte, doch. mehr...
Dieser Versuch, Menschen aus einer bestimmten Region anzulocken, indem man ein Schild anbringt mit einer vordergründig ihrer Heimatsprache nachempfundenen Orthographie, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Darauf werden [...] mehr...
BRAVO, da hat die Ideologie sich aber gut im Denken verankern können;-) Nun ja, ein Hauptmerkmal von Ideologie ist, dass jedes sachliche Argument, das nicht hineinpasst, ignoriert wird. Deshalb nützt es auch nichts, wenn ich [...] mehr...
Aber wieso holen Sie denn die Kinder aus den sozialen Milieus heraus, wenn sie dann trotzdem noch in ihrem Milieu wie z.B. Harburg oder Blankenese zur Schule gehen? Es ist ja nicht so, dass es in der Schule zu einer [...] mehr...
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