"Mr. Pisa" national: Manfred Prenzel
Die Naturwissenschaften sind der Schwerpunkt von Pisa 2006. An der Spitze des deutschen Pisa-Konsortiums steht ein Mann, der dieses Themengebiet in- und auswendig kennt: Manfred Prenzel, seit 2000 Geschäftsführender Direktor des Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) an der Universität Kiel.
Als Institutsleiter erforscht er, wie Unterricht besser werden kann, als nationaler "Mr. Pisa" kann er sehen, ob die Methoden erfolgreich sind - ein Pragmatiker mit Ideen und Phantasie. Der 55-jährige Familienvater ist hierzulande weit weniger bekannt als der internationale "Mr. Pisa" Andreas Schleicher, der bei der OECD die Pisa-Studie entwickelt hat.
Nicht immer ziehen die beiden die gleichen Schlüsse aus ihrer Studie: So widersprach Prenzel nach dem vorzeitigen Durchsickern erster Ergebnisse Schleichers Aussage, die Ergebnisse seien wegen der veränderten Aufgabenstruktur mit denen der Vorgängerstudie nicht vergleichbar. "Die Ergebnisse von Pisa 2006 sind sehr wohl mit denen von 2003 vergleichbar, da die Rahmenkonzeption für Pisa 2006 die vorausgegangenen Konzeptionen aufgegriffen und fortentwickelt hat", erwiderte Prenzel.
"Unterricht entscheidend, nicht das Schulsystem"
Auch bei der Frage nach der Bedeutung des Schulsystems ist Prenzel, der sich mehr im Hintergrund hält, anderer Meinung. Während Schleicher immer wieder das dreigliedrige Schulsystem in Deutschland kritisiert, sagt Prenzel, dass man bei internationalen Tests wie Pisa Beispiele für alle möglichen Schulsysteme finde: gute Beispiele für gegliederte Schulsysteme und für solche, die nur eine Schulart haben - aber auch für beide Varianten schlechte Beispiele. "Das alles weist eher darauf hin, dass das System nicht der letztlich entscheidende Faktor ist", meint Prenzel.
Für viel wichtiger hält er "das, was im Unterricht stattfindet, und ob die Schüler, egal welche Lernvoraussetzungen sie mitbringen, dort Anregungen finden weiterzulernen". Mit dieser Frage beschäftigt sich der habilitierte Pädagoge, den es in seiner Laufbahn vom tiefsten Süden in den höchsten Norden verschlug, schon seit geraumer Zeit in verschiedenen Funktionen.
Prenzel wuchs im fränkischen Forchheim auf und studierte dann Pädagogik, Psychologie und Soziologie. Nach Promotion und Habilitation in Pädagogik und Pädagogischer Psychologie an der Ludwig-Maximilian-Universität München arbeitete er ab 1993 als Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Regensburg. 1997 kam Prenzel als Direktor der Abteilung Erziehungswissenschaft ans IPN nach Kiel und wurde zugleich Professor für Pädagogik an der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind die Lehr-Lern-Forschung, Bildungsmonitoring und internationale Leistungsvergleiche sowie Qualitätsentwicklung und Lehrerprofessionalität. Seit 2000 ist Prenzel Geschäftsführender Direktor des IPN.
"Kinder werden unterschätzt"
1998 startete unter Prenzels Leitung am IPN das auf fünf Jahre angelegte Modellversuchsprogramm der Bund-Länder-Kommission (BLK) zur "Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts". Später übernahm Prenzel die zentrale Evaluation im BLK-Modellversuchsprogramm "Qualitätsverbesserung in Schulen und Schulsystemen" und wurde Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms "Bildungsqualität von Schule". In Kiel stellte er Untersuchungen zur Förderung von Lernmotivation und Interesse im Unterricht an, er beschäftigt sich zudem mit Computeranwendung im naturwissenschaftlichen Unterricht und anderen Aspekten guten Unterrichts.
Bereits an der ersten Pisastudie 2000 war Prenzel als Mitglied des nationalen Pisa-Konsortiums beteiligt. Bei Pisa 2003 übernahm er die Federführung von Jürgen Baumert, den er bereits als IPN-Direktor abgelöst hatte, auch bei Pisa 2006 ist er der nationale Chef. Aus all seinen Erfahrungen mit pädagogischer Arbeit und Schulleistungsvergleichen hat der Vater dreier Kinder eine zentrale Erkenntnis gezogen: "Kinder werden unterschätzt."
Von Uwe Gepp, AP
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