Von Jonas Leppin
"Im Fluss" von Marlene Röder
Mia, 16, zieht mit ihren Eltern aus der Stadt aufs Land. Ein Haus im Grünen - der Traum ihrer Mutter, der Albtraum von Mia. Ihre einzigen Nachbarn sind die Geschwister Alex und Jan, mit ihrem Vater und der Großmutter. Doch Mia will mit keinem etwas zu tun haben. Bis sie Alex besser kennen lernt und mit ihm zusammenkommt. Von da an hat sie viel mit der Nachbarsfamilie zu tun. Der Großmutter leistet sie Gesellschaft - dafür erfährt sie, warum die Mutter die Familie verlassen hat. Auch Alex" jüngeren Bruder mag sie. Doch Jan ist irgendwie anders. Manchmal benimmt er sich wie ein Kind und zeigt viele Gefühle, vielleicht mag Mia ihn gerade deshalb so gern. Oft trifft Jan Alina am Fluss. Er verbringt viel Zeit mit "der Königin der Eisvögel" und sie ist seine beste Freundin. Aber sie ist eifersüchtig auf Mia und versucht diese von Jan wegzuhalten. Dafür hängt sie Voodoo-Puppen und tote Fische in den Kirschbaum und ertränkt den Streuner, der Mia immer hinterherläuft. Das alles erfährt auch der entsetzte Jan. Er wendet sich von ihr ab. Was er nicht weiß: Alina ist ein Geist. Sie ist nun allein. Als sie merkt, dass sie ihren besten und einzigen Freund verloren hat, wird sie sehr wütend.
"Im Fluss" ist eine traurige und einfühlsame Geschichte. Unterteilt in Frühling, Sommer, Herbst und Winter wird die Geschichte aus verschiedenen Sichten erzählt, wodurch sie sowohl abwechslungsreicher als auch interessanter ist und man Jan, Mia und Alex viel besser versteht. Es ist spannend und fesselnd mitzuverfolgen, wie die Protagonisten sich im Laufe der Zeit verändern und ihren eigenen Weg finden und gehen. Das Ende ist schön, aber sehr traurig. Wie viel mehr hinter einer Familie mit einer halbwegs normalen Fassade steckt, kann man an diesem Buch wunderschön sehen und miterleben. Dabei werden aber nur die wichtigen Charaktere betont, was die Spannung nicht mindert, sondern ihr eher gut tut.
Ab 10 Jahre; Ravensburger Buchverlag; 256 Seiten, 14,95 Euro
Meike Hamm, 15 Jahre
"Nachtland" von Jan de Leuw
Wegen eines Streits läuft Niels von zu Hause weg. Aber er kommt nicht an. Auf einem zugefrorenen See wird er gefunden, und ins Krankenhaus gebracht. Niels liegt im Koma, seine Mutter tut alles, was in ihrer Macht steht, damit er wieder aufwacht. Doch für Nils öffnet sich eine Traumwelt, eine Reise in seine Vergangenheit und in sein Inneres.
Er ist auf der Suche nach seinem Vater, der die Familie verlassen hat, als die Kinder noch klein waren. Während seine Mutter und seine Schwester jeden Tag bei ihm sind und verzweifelt dafür kämpfen, dass er aufwacht, und ihm das Krankenzimmer für ihn einrichten, geht Niels im Traum durch "Katatonien".
Im Traum begegnen ihm lauter Personen, die oft etwas Böses im Schilde führen, jeder ist ein Zeichen für etwas ganz Bestimmtes. Als Schauspieler, der seinen Text nicht behalten kann, und als Fremder irrt er meistens alleine durch Katatonien. Die einzig wahre Freundin, die er dort hat, die ihm immer wieder hilft und für ihn da ist, ist Maya.
Eine Geschichte, die fast nur in Niels Kopf passiert, in der er in seiner eigenen Traumwelt lebt. Durch den Wechsel zwischen Realität und Traumwelt wird die Geschichte von einer zerbrochenen Familie und der Beschäftigung mit sich selbst spannend und fesselnd erzählt. Dem Leser wird klar, wie sehr Niels seinen Vater vermisst und wie dringend er seinen Vater als Bezugsperson braucht.
Ab 13 Jahren; aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf, Gerstenberg; 376 Seiten, 14,90 Euro
Kira Bothe, 16 Jahre
"Running Man" von Michael Gerard Bauer
Joseph, ein 14-jähriger Junge, der ziemlich gut zeichnen kann, mäht als Nebenjob seiner Nachbarin Caroline Leyton den Rasen. Als er ihr erzählt, dass er für die Schule ein Porträt malen soll, bittet sie ihn, ihren Bruder Tom zu malen, über den verschiedenste Gerüchte in seinem Viertel kursieren. Er geht seit dem Tod seiner Eltern nie vor die Tür und wurde als Lehrer fristlos entlassen. Erst sträubt sich alles in Joseph diesen Tom Leyton zu malen, doch schließlich tut er es doch. Am Anfang sind die beiden sich sehr fremd und Joseph verschwindet, sobald er kann, aus Toms Gegenwart. Doch Joseph weiß, wenn er ein wirklich echtes Portrait von Tom malen will, so muss er ihn näher kennen lernen und sein wahres Wesen sehen. Über ein paar Seidenraupen gelingt es ihm langsam Tom Leyton aus seiner Schweigsamkeit zu locken. Die Begegnungen mit Tom helfen Joseph auch, den "Running Man", einen wild aussehenden Mann, der immer nur rennt, besser zu verstehen. Diese Figur verfolgt ihn seit der Grundschule in seinen Albträumen. Nach und nach erfährt Joseph Toms wirkliche Geschichte und holt ihn langsam aus seinem Kokon der Einsamkeit.
Michael Gerard Bauer schafft es, seine Leser vollends in die Geschichte mit hinein zu ziehen. Es berührt einen persönlich und man fängt an, über das Buch hinaus zu denken und Leute nicht früheilig zu verurteilen - das Buch zeigt: Man sollte nicht wegen Gerüchten oder Aussehen zu schnell auf das Wesen anderer Menschen schließen. Es ist besser, sich zu überlegen, wie es kommen kann, dass Menschen sich, wie in diesem Fall, vollkommen von der Gesellschaft abschotten. Die Charaktere sind sehr umfassend beschrieben und könnten glatt aus dem richtigen Leben stammen, sodass man sich sehr gut mit ihnen identifizieren kann. Sehr eindrücklich schildert Michael Gerard Bauer auch den schmalen Spalt zwischen Gut und Böse, und das die Welt nicht immer nur schwarz oder weiß ist. Das Buch birgt auch viele Rätsel und offene Fragen in sich, die es spannend machen und einem zum Weiterlesen anregen. Weiterhin sind die verschiedenen Gefühle sehr gut dargestellt und es wird gezeigt, wie nah diese beieinander liegen. Alles in allem ein sehr zu empfehlendes Buch!
Ab 13 Jahren; aus dem Englischen von Birgitt Kollmann, Nagel & Kimche; 272 Seiten, 14,90 Euro
Leonie Henschel, 15 Jahre
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