Von Tania Greiner
In Pirmasens etwa soll die geplante Erlebniswelt zum Thema Bewegung der Region neuen Schwung bringen. Über Jahre war die Stadt, einst deutsche Schuhmetropole, in eine wirtschaftliche Depression verfallen. Die lokale Schuhindustrie konnte mit der globalen Massenproduktion nicht mehr Schritt halten. Nur kleine Zulieferer überlebten, die Arbeitslosenquote der 42.000-Einwohner-Stadt liegt bei 15 Prozent.
"Das Science Center soll ein Symbol dafür sein, dass die Stadt im Umbruch und in Bewegung ist", sagt Oberbürgermeister Bernhard Matheis. Die Planer des Science Center haben die Stadtarchive der Region durchwühlt. Beim Rundgang durch die acht Themenbereiche des Dynamikums werden die Besucher nicht nur die physikalischen Gesetze der Bewegung experimentell erproben. Sie sollen auch erfahren, dass ihre Stadt so manchen klugen Kopf hervorgebracht hat. So etwa Ralph Baer, der das erste Videospiel erfand. Bewegung passiere nicht nur physisch, sondern auch im Kopf, so die Botschaft.
Auch der Norden setzt aufs Regionale: Die Stadt Kiel etwa will, unterstützt von örtlichen Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, bis 2011 ein maritimes Science Center bauen. Besucher können dann eine Forschungsreise über alle Weltmeere unternehmen, durch ein nachgebautes Trockendock wandern oder in Laborräumen die Arbeit von Meeresbiologen kennenlernen. 26 Millionen Euro soll das Projekt kosten.
Bremerhaven bekommt 2009 das "Klimahaus Bremerhaven 8° Ost". Im historischen Kerngebiet des Hafens werden Besucher auf eine virtuelle Reise entlang des achten Längengrades um die Erde geschickt und erleben die Klimaphänomene. Die enge Zusammenarbeit mit Klimaforschern des örtlichen Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung soll den aktuellen Wissensstand der Forschung garantieren.
Wie viel Wissen über die Natur die neuen Forschungsparks für jedermann unters Volk bringen werden, ist allerdings offen. "Was und wie Kinder im Science Center tatsächlich lernen, darüber streiten sich die Experten", sagt Wolfgang Hansch, Geschäftsführer der geplanten Experimenta in Heilbronn. Bislang gebe es keine Langzeitstudien darüber, wie erfolgreich das Lernen im Science Center tatsächlich ist.
Selbst Vordenker Besio sieht den Lerneffekt eher nüchtern: "Kognitiv gesehen, bleibt in den Köpfen der meisten Schüler nicht viel hängen." Entscheidend sei etwas anderes: Es werde viel Motivation bei ihnen geweckt, sich mit naturwissenschaftlichen Phänomenen auseinanderzusetzen.
Wenn sich einer gründlich damit beschäftigt hat, was genau in den Köpfen der experimentierenden Kleinen passiert, dann ist es Lutz Fiesser. Der Professor vom Institut für Physik und Chemie und ihre Didaktik der Universität Flensburg ist Begründer der Experimentierwelt Phänomenta in Flensburg. Seit mehr als 20 Jahren hat er Besucher beim Erkunden der Exponate beobachtet.
"Wenn Kinder ganz ohne Anleitung einem Phänomen auf den Grund gehen, dann bewegt das sehr viel in ihrem Denken", sagt Fiesser. Allerdings hat der Didaktikexperte festgestellt, dass viele Kinder gar nicht recht wissen, was sie mit einer Experimentierstation anfangen sollen und sofort nach einer Gebrauchsanweisung verlangen, statt der Sache durch bloßes Herumprobieren selbst auf den Grund zu gehen.
"Ein Science Center mit Bildungsanspruch muss darauf abzielen, Kinder zum Tüfteln anzuregen", so Fiesser. Der Forscher hat es beobachtet: Haben die Kleinen ganz von selbst etwas herausgefunden, vergessen sie es nicht so schnell wieder. Und an das nächste Experiment gehen sie mit mehr Entdeckergeist heran und formulieren sofort eine Arbeitshypothese.
Fiesser befürchtet, dass die meisten der ambitionierten Neuplanungen weit von diesem Ziel entfernt sind. "Einige dieser Projekte geben zwar vor, außerschulische Lernorte sein zu wollen, sie verfolgen aber primär wirtschaftliche Ziele", klagt der Physiker. Mit Unterhaltung und Spektakel wolle man Touristen anlocken ohne der Kommune auf Dauer Kosten zu verursachen. Sind die Science Center in Stuttgart, Kiel, Hamburg und Köln erst einmal eröffnet, sollen private Träger den Betrieb übernehmen.
"Kein Science Center, das Lernort sein will, kommt ohne Zuschüsse aus," sagt Fiesser. "Wer etwas anderes behauptet, lügt."
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