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Schulen gegen Jugendgewalt Respekt lernen, Druck ablassen, durchboxen

4. Teil: Wer streitet, muss zum Schlichter: Mediatoren in Mümmelmannsberg

Der Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg ist verschrien für seine explosive Gemengelage. Die Vorurteile sind bekannt: Verwahrlosung, Gewalt, trist-graue Wohnblöcke. Wer hier wohnt, hat oft nicht einmal Geld fürs Nötigste; viele sind Einwanderer der unterschiedlichsten Nationalitäten. "Ja, wir haben in Mümmelmannsberg viele Kinder, die in einem schwierigen sozialen Umfeld aufwachsen", sagt Detlef Aßmann, Leiter der Gesamtschule Mümmelmannsberg. Aber: Seit Jahren kämpfen die Menschen gegen den Ruf, dass ihr Stadtteil ein Ghetto sei.

Stadtteil Mümmelmannsberg: Als Ghetto verschrien
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Stadtteil Mümmelmannsberg: Als Ghetto verschrien

"Gerade hier", sagt Aßmann, "muss es doch die Schule sein, die Gewaltfreiheit und Integration hochhält." Auch in Mümmelmannsberg erleben die Kinder und Jugendlichen im Alltag auf der Straße Gewalt, unter- und gegeneinander. Oft verschlimmern pubertierende Jungs das Klima noch, weil sie meinen, in Hamburgs Osten mackerhaft die New Yorker Bronx nachspielen zu müssen: Sie klauen, prügeln und spucken große Töne.

Vor knapp zwei Jahren war die Gesamtschule Mümmelmannsberg plötzlich überall zu sehen: Einige Neunt- und Zehntklässer sollen von einem Fernsehteam Geld bekommen haben, um für einen Bericht des ZDF-Magazins "Reporter" Gewaltszenen nachzustellen, hieß es. Der ZDF-Fernsehrat rügte den Beitrag später; der Sender und die Produktionsfirma bestritten aber jede Inszenierung.

Ein Ruhepol des Stadtteils

Die Schüler der Gesamtschule Mümmelmannsberg waren damals erbost und verteidigten ihre Schule, sie schwärmten öffentlich vom tollen Verhältnis zu den Lehrern, von der guten Kantine und dem Streitschlichter-System. Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte trotzdem kurz danach einen Artikel über die Schule mit der Überschrift "Auch hier Terror gegen Lehrer?"

Darin ging es um einen anonymen Brief, der einige Fälle auflistete, bei denen Lehrer und Schüler an der Gesamtschule aneinander geraten sein sollen. Von wüsten Beschimpfungen war die Rede und davon, dass die Schulen damit überfordert seien, so viele Schüler aufzunehmen, die kaum Deutsch können.

Der damalige Schulleiter Klaus Reinsch vermutete, dass ein frustrierter Lehrer den Brief geschrieben hatte. An den Vorfällen sei etwas dran, sagte er: "Wir haben 1150 Schüler. Da gibt es natürlich auch Disziplinprobleme."

In den letzten Jahren hat die Gesamtschule daher Schüler zu Streitschlichtern ausgebildet. Die "Mediatoren" vermitteln zwischen Schülern, die sich nicht grün sind. Inzwischen gilt die Schule als Ruhepol im Stadtteil. Sogar die notorisch krawallige "Bild"-Zeitung schrieb im letzten November von einer "'Oase in der Wüste' - wenig Abbrecher, 30 Prozent Abiturienten".

Wächter am Schultor wie in Berlin? "So etwas brauchen wir hier nicht", sagt Schulleiter Aßmann, "das würde hier überhaupt keinen Sinn machen."

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