Mit den Haaren ist das so eine Sache. Die auf dem Kopf hegen und pflegen die meisten Menschen, mit Lotionen und Shampoo, mit Ölen und raffiniertesten Wässerchen. Die Büschel an anderen Stellen des Körpers aber, die werden abrasiert, abgeschnitten, ausgerissen oder weggewachst. Devise: Kahlschlag.
Das Gekräusel auf der Brust reißen sich viele Männer aus, weil es unhygienisch aussieht. Das gleiche gilt für die Achselhaare der Frauen. Auch Intimrasuren werden immer beliebter, in manchen Kulturen sind sie sogar Pflicht.
Aber warum wachsen dem Menschen Haare eigentlich nicht auf den Oberschenkeln, dem Bauch, den Füßen, den Armen, dem Rücken - einfach überall? Wie beim vollbehaarten Affen? Schließlich haben Menschen und Affen ja gemeinsame Vorfahren.
Der Mensch war nicht schon immer nackt
"Die Urmenschen waren noch stark behaart", sagt Professor Werner Schempp, Anthropologe und Humangenetiker an der Universität Freiburg, "doch dann setzten sich Individuen mit spärlicher Haarpracht durch". Seitdem ist der Mensch im Gegensatz zum Affen eher nackt.
Wann genau die Haare ausfielen? Die Forschung geht davon aus, dass eine zufällige Mutation des Erbguts die Ursache war, so Professor Schempp. Dem plötzlich unbehaarten Menschenaffen brachte seine Nacktheit einen sogenannten Selektionsvorteil.
Vermutlich passierte das, als der Homo sapiens ausschließlich in warmen Regionen wie Afrika zu Hause war und noch nicht auf anderen Kontinenten herumwanderte. "In Afrika war es auch damals schon so warm, dass die mutierten Urmenschen ohne Ganzkörperfell gut überleben konnten", sagt Schempp.
Kleidung statt Fell
Als die nackten Urmenschen in den kühleren Norden zogen, suchten sie sich einen Fellersatz: "Sie schützten sich mit Kleidung vor der Witterung", so Schempp, "offenbar schauten sie sich diese Strategie von den Neandertalern ab, auf die sie in Nordeuropa trafen".
Warum volles Haar an manchen Stellen des Körpers bis heute erhalten blieb, können die Wissenschaftler nur vermuten. Das Haar auf dem Kopf machte wohl weiterhin als Kälteschutz Sinn: "Jeder Glatzenträger weiß, wie empfindlich kühl es auf einem kahlen Kopf werden kann", sagt Schempp.
Aber was ist zum Beispiel mit den Schamhaaren? Kälte? Scham? Kokolores. Sie sind anscheinend ein Schutz vor Keimen und Bakterien.
Das Klima wird wärmer - haben bald alle eine Glatze?
Je mehr sich das Erdklima erwärmt, desto überflüssiger könnten theoretisch auch die Kopfhaare werden. Schempp: "Möglich, dass Menschen in der Zukunft gar keine Haare mehr haben". Vielleicht kommt es auch genau andersherum: In Mexiko beispielsweise werden laut Forscher Schempp in einigen Familien regelmäßig Kinder geboren, denen am ganzen Körper die Haare sprießen. "Dieses sogenannte Werwolf-Syndrom zeigt, dass die Gene für Ganzkörperbehaarung weiter in uns stecken und nur wieder aktiviert werden müssen."
maf/ddp
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