Von Christian Hambrecht
Aber - klappt die Wette? Sebastian Kochs hat täglich Zweifel. Auf der Internet-Seite von "11Tausend" läuft wöchentlich eine Wahlumfrage. Obwohl ein einfacher Klick genügt, haben nur fünf Prozent aller registrierten User abgestimmt. Die bange Frage: Wie viele raffen sich am Sonntag tatsächlich auf und gehen in die echten Wahllokale?
Selbst wenn es nicht klappen sollte - ein positives Fazit kann Kochs schon jetzt ziehen: "Viele Junge haben kapiert, dass man Politik nicht den Parteien überlassen darf. Wir haben den Spieß umgedreht und machen selbst Politik!"
Und: Seit sich Jugendliche in der "11Tausend"-Kampagne zusammentun und zur echten Lobby werden, lernen auch die Lokalpolitiker dazu. Wahlversprechen verkneifen sie sich dieses Mal - die glaubt eh keiner mehr. Bei den letzten Kommunalwahlen hatten die Parteien großspurig angekündigt, eine Neuauflage des legendären Augsburger "X-Large-Festivals" zu starten. Es blieb bei der Ankündigung.
Seit durch die Kampagne der Druck da ist, hat der Stadtrat ein neues Jugendkulturfestival abgenickt, das Kulturreferat finanziert erstmals seit 25 Jahren wieder einen Sampler der Augsburger Musikszene. CSU-Bürgermeister-Kandidat Kurt Gribl hat eine Popkommission gegründet, die junge Künstler fördern soll, mit einem fünfstelligen Etat, falls er Oberbürgermeister wird. Das ist zwar wieder ein halbes Wahlversprechen, aber aus der Nummer kommt Gribl nicht mehr raus.
Der Bürgermeister kam mit Fieber zum Rededuell
Tobias Michel reicht das nicht. Nach den Wahlen geht’s weiter, betont er. "'11Tausend' ist Basisdemokratie. Jeder mischt sich ein und bestimmt mit. Wo gibt's sowas sonst?"
Die Landeszentrale für politische Bildung in Bayern kürte "11Tausend" schon zum Modellprojekt. Ende der Woche entscheidet sie, ob die Aktion auf ganz Bayern ausgedehnt wird; im Herbst sind in Bayern Landtagswahlen.
Und dann gibt es die Momente, in denen Michel, Kochs und die anderen "11Tausender" doch an ihren Erfolg glauben: zum Beispiel vor zwei Wochen, beim Rede-Duell des amtierenden Oberbürgermeisters Kurt Wengert (SPD) und seines Herausforderers Kurt Gribl (CSU). Ursprünglich sollten sie sich im Wahllokal behaken, aber da passen nur hundert Leute rein.
Es gingen so viele Karten weg, dass das Duell in ein Kino verlegt werden musste. Erst in den Saal mit 150 Plätzen, dann in den mit 360, schließlich in den größten mit 550 Sitzen. Ein echter Coup - als das "OB-Duell" losging, war das Kino berstend voll, Bürgermeister Wengert kam mit Fieber; eigentlich hatte er alle Wahlkampftermine für die Woche abgesagt. Nur diesen einen nicht: Das Duell war für ihn plötzlich ein Muss, da es im Lokalfernsehen übertragen wurde.
Am Sonntag wird in Bayern gewählt. Dann heißt es für die Augsburger wirklich: Top, die Wette gilt.
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