"80.000 Menschen verlassen jährlich die Schule ohne Abschluss" sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz am Montag; das bedeute "programmierte Armut". Das Risiko, keine Lehrstelle oder Arbeit zu finden, sei bei Menschen ohne jeden Abschluss besonders hoch.
Darauf hätten sich die Fachminister der Koalition verständigt, sagte Bundesarbeitsminister Olaf Scholz am Montag in Berlin. Wer es nicht in der normalen Schulzeit schafft und abbricht oder die Schule ohne ausreichendes Zeugnis verlässt, soll den Abschluss dann mit einer Förderung der Bundesagentur für Arbeit nachholen.
Die Quote derjenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, steige nach wie vor, sagte Scholz am Montag in Berlin. Er mache im Übrigen "nicht mehr mit bei der Aussage, dass wir nicht genug Geeignete haben, um die beruflichen Herausforderungen der Zukunft zu meistern". Der Rechtsanspruch auf einen Abschluss verbessere die Chancen der Betroffenen auf eine Integration in den Arbeitsmarkt. Auch das SPD-Präsidium unterstützte am Montag diesen Rechtsanspruch.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind 510.000 Menschen ohne Schulabschluss zurzeit arbeitslos gemeldet. Der Rechtsanspruch solle vor allem jenen Arbeitslosen helfen, die sich nach längerer Arbeitslosigkeit "noch einmal anstrengen wollen", sagte Scholz. Dies gelte unabhängig vom Alter.
Die Kultusminister der Länder hatten in den letzten Jahren immer wieder angekündigt, die Schulabbrecherquote zu senken und möglichst zu halbieren. Dennoch zeigt die letzte Statistik der Kultusministerkonferenz, dass im Jahr 2006 über 76.000 Jugendliche ihre Schule ohne Abschluss verließen. Das sind 7,9 Prozent eines Altersjahrgangs, somit nicht einmal ein Prozentpunkt weniger als zehn Jahre zuvor.
Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte bei Vorlage der Zahlen für 2006 von einer enttäuschenden Bilanz gesprochen und das "Schneckentempo" der Kultusminister kritisiert. Echte Erfolge seien "nur mit maßgeschneiderter individueller Förderung für jeden einzelnen vom Scheitern bedrohten Jugendlichen zu erzielen", so GEW-Vize Marianne Demmer.
maf/AP
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