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30.05.2008
 

Fußball statt Pauken

Schulen sollen Klassenarbeiten wegen EM verschieben

Hitzefrei war gestern. Wenn König Fußball regiert, will die Bildungsgewerkschaft GEW ein Klausuren-Moratorium: Lehrer sollen Klassenarbeiten und Hausaufgaben nach dem EM-Spielplan dosieren - die Schüler seien einfach zu müde. Oder geht's in Wahrheit um die Lehrer?

König Fußball: Wenn dein starkes Bein es will, stehen alle Schulen still
DPA

König Fußball: Wenn dein starkes Bein es will, stehen alle Schulen still

Am 7. Juni beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Viele Deutsche freuen sich schon auf einen Sommer, der so werden soll wie der WM-Sommer 2006.

Das Wetter passt ja schon mal prima. Die Kneipenwirte ordern bereits fleißig Bier und Cola, auf jeder freien Wiese machen sich zurzeit Hobbykicker breit. Und sobald mehr als drei Menschen an der Bushaltestelle zusammen stehen, wird nach drei Minuten darüber diskutiert ...

  • wer Europameister wird
  • wann der Denkmalschutz für Jens Lehmann ausläuft
  • ob es nur elf oder mehr Gründe dafür gibt, dass Österreich schon in der Vorrunde ausscheidet

Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg scheint die EM-Sonne auch schon ganz kräftig. Man warnt: Ab Turnierbeginn müssten sich die Lehrer "auf müde oder zumindest abgelenkte Schüler einstellen" - darauf möge man doch bitte achten bei der Planung von Klassenarbeiten und Hausaufgaben bis zum Endspiel am 29. Juni.

"Rücksicht auf die EM nehmen"

"Für viele Kinder und Jugendliche ist die Europameisterschaft ein besonderes Erlebnis, und wir rufen die Lehrkräfte auf, darauf Rücksicht zu nehmen", sagte die neue GEW-Landeschefin Doro Moritz am Freitag in Stuttgart.

Ein feiner Zug und sehr rücksichtsvoll - erst recht, nachdem einige Rektoren schon böse gegrätscht und EM-begeisterten Schülern das Tauschen von Kicker-Klebebildern verboten hatten. Vielleicht sollte man aber auch die Schüler darauf hinweisen, dass sie sich ab dem 7. Juni auf müde oder zumindest abgelenkte Lehrer einstellen müssen, die kaum noch in der Lage sein werden, Klausuren zu korrigieren oder Hausaufgaben zu überprüfen.

Doro Moritz von der GEW hat dann noch etwas sehr Sachdienliches gesagt: Da die meisten Spiele um 20.45 Uhr angepfiffen werden, müssten die Schüler schon gut acht Stunden nach dem Abpfiff wieder im Klassenzimmer sitzen. Und da ist Verlängerung plus Elfmeterschießen noch gar nicht inklusive.

maf/dpa

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