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30.05.2008
 

Hamburger Realschüler

Beim Massen-Schummeln per SMS erwischt

Von Markus Flohr

Ihre Abschlusstests meisterten einige Hamburger Schüler so gut, dass Lehrer argwöhnisch wurden. An mindestens sechs Realschulen kannten Schüler die Aufgaben vorher und verbreiteten sie per SMS in der Stadt. Jetzt wird nachgeschrieben - und die Schulen suchen nach dem Leck.

Was die alles wissen: Bei der ersten Eins hat sich der Lehrer vielleicht noch gefreut, bei der zweiten, dritten, vierten wurde es langsam verdächtig. Als am Ende fast die ganze Klasse bei der Klausur super abgeschnitten hatte, war klar: Hier stimmt etwas nicht.

Klausuren-Hilfe per Mobiltelefon: "Zu dumm geschummelt"
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DPA

Klausuren-Hilfe per Mobiltelefon: "Zu dumm geschummelt"

An mindestens sechs Hamburger Schulen haben Realschüler offenbar bei ihren Abschlusstests geschummelt, berichtete die Tageszeitung "Die Welt" am Freitag. "Es ging los bei der Deutschklausur am 21. Mai", sagt Rektor Klaus Kolbe von der Schule Iserbarg in Rissen SPIEGEL ONLINE. Schüler, die zuvor meist eine Vier oder sogar eine Fünf geschrieben hatten, glänzten auf einmal mit tollen Leistungen.

"Wir bekamen dann Hinweise von Schülern, dass der Prüfungstext zuvor bekannt gewesen sei", so Kolbe. Die Schule habe das sofort an die Behörde gemeldet, aber erst einmal still gehalten, um zu schauen, was bei den beiden anderen Tests in Mathe und Englisch passiert.

"Zu dumm geschummelt"

Am 26. Mai das gleiche Spiel: Als hätten sie es schon immer so gut gekonnt, floss einigen Schülern das Englisch geradezu aus den Füllern. Kolbe und seine Lehrer waren nun sicher, dass es bei einigen Schülern nicht mit rechten Dingen zuging. "Es wurde ein wenig zu dumm geschummelt", erzählt Kolbe, "ein paar Fehler sollte man schon noch machen, auch wenn man den Test schon kennt."

Bei der Mathe-Klausur am 28. Mai wiederholte sich der wundersame Wissenszuwachs abermals, und Schulleiter Kolbe beschloss zu handeln. Er stellte sich vor die Schüler der drei Abschlussklassen und sagte ihnen, was Sache ist. Die Schüler sollten dann einzeln aufschreiben, was sie von der Schummel-Aktion wissen. "Wir haben den Schülern gesagt: Wer erwischt wird, lässt bitte die Hosen runter", so Kolbe.

Aus dem, was die Schüler dann zugaben, ergibt sich dieses Bild: Die Aufgaben wurden von Schüler zu Schüler über das Internet weitergegeben; ein Schüler, der nicht von der Schule Iserbarg komme, so Kolbe, habe die Aufgaben wohl mit einem Foto-Mobiltelefon abgelichtet und per Bildnachricht weitergeschickt. Ihren weiteren Weg sollen die Bilder dann über E-Mails genommen haben. "Das sind Wege, die wir nicht kontrollieren können", sagt Klaus Kolbe. "Das ist keine Kette, sondern eine Netz, in dem diese Informationen sehr schnell umhergegangen sind." Die ursprüngliche Quelle sei bisher unbekannt.

Klar ist: Die Aufgaben müssen sich in Windeseile über die ganze Stadt verteilt haben. Der erste Klausurtermin für die Realschüler war der 21. Mai, zwei Tage zuvor hatten die Aufgaben die Schulbehörde erst verlassen. "Wir haben jetzt Fälle aus Harburg, Bergedorf und dem Hamburger Westen", sagte Norbert Rosenboom, Leiter des Amtes für Bildung bei der Hamburger Schulbehörde, SPIEGEL ONLINE.

"Diese Schüler sind keine Kriminellen"

Im Moment handele es sich um sechs von 121 Schulen, die sich bei ihm gemeldet haben, es könnten aber jederzeit mehr werden. Täuschungsversuche gebe es ja jedes Jahr, so Rosenboom, "aber in dieser Schärfe" habe er das noch nicht erlebt. Er klingt ein wenig resigniert: "Ich sehe leider wenig Chancen, wirklich herauszubekommen, wo die Quelle ist."

Ein Schüler könnte die Aufgaben von einem Lehrer bekommen haben – mit Wissen des Lehrers oder ohne. Ein Schüler könnte sich die Aufgaben aus dem Büro eines Lehrers besorgt haben – oder ein Mitarbeiter der Behörde hat sie weitergegeben. "Bei uns ist die undichte Stelle jedenfalls nicht", sagt Rektor Kolbe, "das ist sicher", das habe die Befragung der Schüler eindeutig ergeben. Seine Schule sei nur die erste, die in der Behörde Alarm geschlagen habe.

Die Schummel-Schüler vom Iserbarg müssen ihre Klausuren nun nachschreiben - so soll es an allen Schulen gehandhabt werden. Wer den Bluff zugegeben hat, sowieso. Es werden aber auch die Schüler noch mal zur Prüfung gebeten, bei denen die Schulleitung einen begründeten Verdacht hat, dass sie ebenfalls geblufft haben.

"Wir wollen keinen der Schüler extra bestrafen", sagt Schulleiter Kolbe. Das Nachschreiben stelle nur die Gerechtigkeit gegenüber jenen Schülern wieder her, die ehrlich waren. Das Nachschreiben sei eine Chance, den vergleichsweise kleinen Fehler wieder geradezubiegen, "diese Schüler sind ja keine Kriminellen", so Klaus Kolbe. Das entscheidende Problem sei die Frage: Wo ist das Leck?

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