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17.06.2008
 

Chaos beim Mathe-Test

Berliner Schülerin klagt gegen Nachprüfung

28.000 Schüler sollen in Berlin eine zentrale Mathe-Prüfung neu schreiben - weil manche Schüler die Aufgaben vorher kannten. Eine Schülerin fürchtet aber um ihren Ausbildungsplatz und kämpft vor Gericht darum, dass ihre Klausur normal gewertet wird.

Anfang Juni hat sie ihre Abschluss-Prüfung in Mathe geschrieben, im Juli sollte sie ihr Realschul-Abschluss-Zeugnis in der Hand halten. Danach wollte die Berliner Oberschülerin aus Hohenschönhausen in den Schwarzwald ziehen, um eine Ausbildung zu beginnen. Aber dann kam alles ganz anders.

Schüler-Demo (am Montag): 28.000 Berliner Schüler sollen Prüfung wiederholen
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Schüler-Demo (am Montag): 28.000 Berliner Schüler sollen Prüfung wiederholen

Kurz nach der Prüfung wurde bekannt, dass einige Schüler die Aufgaben schon vorher kannten. In der Berliner Schulbehörde ging wie zwei Wochen zuvor schon in Hamburg der Schummel-Alarm: In rund 75 von 346 beteiligten Schulen sollen die Prüfungsaufgaben vor der Klausur in die Hände von Schülern geraten sein. Bildungssenator Jürgen Zöllner teilte am Wochenende mit, dass rund 28.000 Schüler nun noch einmal zur Klausur mit neuen Aufgaben antreten müssen.

Am Montag stellte die Schülerin durch ihre Rechtsanwältin einen Eilantrag, den Test nicht schreiben zu müssen, wie Gerichtssprecher Stephan Groscurth vom Berliner Verwaltungsgericht am Dienstag bestätigte.

"Die Behörde tut so, als hätten alle Schüler geschummelt"

"In einem Rechtsstaat wie dem unseren muss man von der Unschuld eines Menschen ausgehen, solange bis seine Schuld bewiesen ist", so Rechtsanwältin Sibylle Schwarz. Daran müsse sich auch Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) halten, "der alle Schüler, die nicht betrogen haben, in Sippenhaft nimmt". Die Klausuren sollten daher korrigiert und an die Schüler zurückgegeben werden, auch wenn es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei.

Die Senatsverwaltung müsse den Schülern Beweise vorlegen, dass sie geschummelt haben, und könne nicht einfach alle zum Nachschreiben schicken. "Die Bildungsbehörde tut so, als hätten alle 28.000 Schüler geschummelt'", sagte Anwältin Schwarz SPIEGEL ONLINE. Sinnvoller sei es, mit dem Problem umzugehen wie zuvor an Hamburger Realschulen - auch hier kannten Schüler vor ihrer Abschlussprüfung einige Aufgaben.

Die Schulen ließen daraufhin nur jene Schüler ihre Klausuren noch einmal schreiben, denen sie nachweisen konnten, dass sie geschummelt hatten oder bei denen sie einen begründeten Verdacht hatten. Wer den Bluff zugab, schrieb ebenfalls nach. "So sehe ich das als Recht und Gesetz an", sagt Schwarz.

Pannen in Sekretariaten

"Die Senatsverwaltung ist aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen", sagte Gerichtssprecher Groscurth. Mit einer Entscheidung werde spätestens am Freitag gerechnet. Falle diese im Sinne der Schülerin aus, gelte die einstweilige Anordnung streng genommen auch nur für sie, so Groscurth: "Die Schulverwaltung ist dadurch rechtlich nicht gezwungen, auch alle anderen Schüler von der Prüfung zu befreien." Allerdings vermutet er, dass die Behörde sich dann etwas überlegen müsse.

Gegen die Nachhol-Prüfung hatten auch andere Schüler und Eltern sowie die Landeselternvertretung eine juristische Prüfung angekündigt. André Schindler, Vorsitzender des Elterngremiums, sagte, für das Versagen einzelner oder der Schulverwaltung dürften nicht tausende von Schülern bestraft werden.

Bekannt geworden sind die Aufgaben offenbar durch ein Panne: Nach SPIEGEL-Informationen waren Mathe-Aufgaben anscheinend aus Sparsamkeit in einem Bündel zusammen mit den Aufgaben für die Deutsch-, Englisch- und Französisch-Klausur verschickt worden - und statt mit Siegel lediglich mit Klebeband verschlossen. Ein Kurierdienst brachte sie zum Termin der Deutsch-Klausur in die Schule, und nach Entnahme der Deutsch-Prüfungsbögen lagen Bündel an manchen Schulen schlecht bewacht im Sekretariat. Einige Schüler konnten Fotos von den Seiten machen und schickten sie via Foto-Handy und Internet weiter.

maf/dpa

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