Am Schuljahresende warten auf viele Schüler die Prüfungen: Abitur, Abschlussarbeit, zentraler Vergleichstest. Dieses Jahr ging in einigen Bundesländern aber so richtig etwas schief: In Berlin mussten 28.000 Zehntklässler einen Mathe-Test noch einmal schreiben, weil einige die Aufgaben vorher hatten. In Nordrhein-Westfalen durften Abiturienten ihre Mathe-Klausur noch einmal schreiben, weil sie eine unlösbare Aufgabe enthielt.
Zentralabitur (hier in Bayern): Alle Schüler schreiben die gleiche Prüfung
An einer Schule waren die Aufgaben jedoch schon bekannt geworden. Ein Schulleiter hatte sie an eine Lehrkraft weitergegeben - und diese hatte sie im Unterricht verteilt.
Glück für die 34.000 betroffenen Schüler: Das Kultusministerium entschied nach der Panne, die Arbeit komplett ausfallen zu lassen. Per E-Mail informierte das Ministerium alle Schulen in Baden-Württemberg. Aus Sicht des Ministeriums gibt es "keine Alternative zu dieser Entscheidung" - es sei nicht eingrenzbar, wer die Aufgaben schon kennt oder bis Donnerstag noch kennenlernen könnte.
In Berlin mussten 28.000 Schüler nachschreiben
Bei einer Vergleichsarbeit wie dieser bearbeiten alle Schüler einer Jahrgangsstufe in einem Fach die gleiche Aufgabe. Sie sollen dazu diesen, den Leistungsstand der Schüler zu erfassen. Es sei erstaunlich, dass es nicht schon früher zu einem solchen Vorfall gekommen sei, sagt Matthias Schneider, Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Aufgaben kämen in den Schulen als Kopiervorlage an. Sie könnten deshalb leicht bekannt werden - etwa wenn sie auf einem Kopierer vergessen werden.
Genau dies soll vor kurzem zuerst in Hamburg und später Berlin passiert sein: In der vergangenen Woche mussten 28.000 Zehntklässler einen zweistündigen Mathematik-Test für den Mittleren Schulabschluss wiederholen, weil beim ersten Versuch die Aufgaben schon im Vorfeld bekannt geworden waren. In 87 von 346 Schulen waren den Lehrern Schummler aufgefallen. Bildungssenator Jürgen Zöllner ordnete daraufhin an, dass die Klausur noch einmal geschrieben werden muss.
Aber der zweite Versuch lief auch nicht problemlos ab: Wieder soll es Schüler gegeben haben, die die Aufgaben schon vorher wussten. Außerdem beklagten sich viele darüber, dass der Test dieses Mal schwieriger gewesen sei als in der ersten Runde.
Bildungssenator Zöllner quälen schlaflose Nächte
Mittlerweile beschäftigt der Fall die Staatsanwaltschaft. CDU-Bildungsexperte Sascha Steuer übergab ihr am vergangenen Samstag Briefe und E-Mails von Schülern, die belegen sollen, dass sie die Aufgaben schon einen Tag vor der Prüfung kannten, schreibt die "Berliner Morgenpost" in ihrer Sonntagsausgabe.
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner sagt, er habe bislang noch keine Belege gesehen, dass auch dieses Mal Schüler die Aufgaben vorher kannten. Wie sie allerdings beim ersten Mal in die Hände von Schülern geraten konnten, sei ihm weiterhin ein Rätsel. "Ich nehme diese Sache sehr ernst", sagt Zöllner, "sie hat mir schlaflose Nächte bereitet."
Der Senator beteuert, dass die Klausur nicht schwerer gewesen sei als die erste. Wegen des zusätzlichen Prüfungsstresses erleichterte er aber das Bestehen der Klausur. Mit 45 Prozent gilt die Prüfung nun als bestanden. Vorher waren es 50 Prozent.
mer/dpa
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