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11.07.2008
 

Hessische Grundschule

Lehrerpaar unter Prügel-Verdacht

Über Jahre hat ein Lehrer angeblich Schüler geboxt, getreten oder geschlagen - und seine Rektorin soll es gewusst haben. Das Schulamt ordnete die beiden Pädagogen aus dem hessischen Greifenstein zuerst an andere Schulen ab, jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Tatvorwurf: Körperverletzung im Amt. Zwei Lehrer von der Nassau-Oranien-Schule im mittelhessischen Greifenstein sollen über Jahre Schulkinder getreten und geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft Limburg habe jetzt die Ermittlungen aufgenommen, sagte Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Herrchen am heutigen Freitag.

Zuerst waren es Elternbriefe, die beim Schulamt eingingen, dann berichteten der Hessische Rundfunk und die "Frankfurter Rundschau". Die beiden Lehrer sollen demnach auch privat ein Paar sein, sie ist die Rektorin der Schule, er ein Lehrer. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks arbeiten sie seit 40 Jahren an der Schule.

Dem Lehrer wird nun vorgeworfen, er habe Schüler geboxt und schikaniert; die Schulleiterin habe dazu einfach geschwiegen, schreibt die Zeitung "Hinterländer Anzeiger". Die Beschuldigten bestreiten das. Sie sprechen von einer "Rufmordkampagne". Einigen Eltern habe ihre Haltung zu jahrgangsübergreifenden Klassen nicht gepasst, sagte die Schulleiterin und bezeichnete die Vorwürfe als "Unfug".

Juristische Aufarbeitung läuft noch

Das Schulamt Gießen verhängte eine Abordnung an zwei andere Schulen gegen die Lehrer. Dagegen zogen die beiden vor das Verwaltungsgericht und erstritten eine einstweilige Verfügung. Die Abordnung sei nicht ausreichend begründet gewesen, argumentierte das Gericht, außerdem sei sie kein geeignetes Mittel. Die Gefahr, die das Schulamt von den Schülern abwenden wollte, sei so nur auf andere Kinder verlagert worden.

Darum dürften die Lehrer nach derzeitigem Stand wieder an ihrer alten Schule unterrichten. Das Staatliche Schulamt in Weilburg hat jedoch Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet; am Freitag gab es noch keine Ergebnisse.

In den vergangenen Wochen seien etwa zehn Beschwerden von Eltern beim Schulamt angekommen. "Es stehen gegen beide Vorwürfe der ungemessenen Behandlung von Schülern im Raum, es liegen gegen beide ernstzunehmende Anschuldigungen vor", sagte Eric Badmann, Rechtsdezernent des Schulamtes, am Freitag in Weilburg. Man arbeite nun alle Vorwürfe juristisch auf.

Am Ende stehe möglicherweise der Beweis der Unschuld der Lehrer - oder das Gegenteil. Das könnte bedeuten, dass ihre Gehälter für einige Zeit gekürzt oder dass sie ganz aus dem Dienst entfernt werden. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. "Der Schutz der Kinder hat für uns absoluten Vorrang", sagte Schulamtsleiter Martin Daus.

maf, dpa

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