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Himmlers Großnichte Das Grauen der eigenen Geschichte

2. Teil: Im zweiten Teil: Wie Himmlers Familie auf das Buch reagierte

Kleßmann: Zu welchen Familienmitgliedern haben Sie noch Kontakt, und wie haben diese auf das Buch reagiert?

Himmler: Es sind deutlich weniger geworden seit dem Buch. Vorher waren es noch mehr. Die Kinder von dem ältesten Bruder Himmlers, Gebhard, haben den Kontakt zu mir abgebrochen, leider. Die waren am Anfang sehr kooperativ, das waren auch diejenigen, die die meisten privaten Dokumente und Fotos hatten, die sie mir alle zur Verfügung gestellt haben. Aber, wie gesagt, der Kontakt ist leider abgebrochen.

Kleßmann: Wegen des Inhalts des Buches?

Himmler: Ja, das lag vor allem daran, dass sie nicht damit klar kamen, welches Bild ich von ihrem Vater gezeichnet habe. Die Töchter von Gebhard waren nach dem Krieg die einzigen, die ihren Vater noch gehabt haben. Mein Großvater hat 1945 sehr wahrscheinlich Selbstmord begangen oder er starb in den letzten Kämpfen um Berlin. Heinrich hat ebenfalls Selbstmord begangen, und Gebhard war der einzige, der wieder bei der Familie war und seine Sicht der Geschichte an die Kinder weitergeben konnte bis zum Schluss.

Kleßmann: Und diese Sicht der Geschichte entsprach nicht der Wahrheit?

Himmler: Nicht wirklich. In dieser Familie war es ganz klassisch, dass wirklich nie über die Vergangenheit geredet wurde, dass Gebhard nie Verantwortung für sein eigenes Handeln übernommen hat und dass die Kinder es auch nie gewagt oder nie gewollt haben, kritische Fragen an den Vater zu stellen. Sie haben diesen Vater vergöttert, und er ist heute noch für sie der absolut tolle Vater. Der er bestimmt für sie auch war, aber seine Kinder wollen nicht wahrhaben, dass er auch eine ganz andere Rolle gespielt hat. Dass er von der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur sehr profitiert hat, sondern dass er da auch ganz aktiv und gewollt Karriere gemacht hat.

Kleßmann: Und wie reagierte die übrige Familie?

Heinrich Himmler: Mit 15 fragte ein Mitschüler Katrin Himmler, ob sie mit "dem Himmler" verwandt sei - dem SS-Reichsführer und Massenmörder
DPA

Heinrich Himmler: Mit 15 fragte ein Mitschüler Katrin Himmler, ob sie mit "dem Himmler" verwandt sei - dem SS-Reichsführer und Massenmörder

Himmler: Mein Vater und seine Schwester reagierten sehr viel positiver, und ich merke, dass unser Verhältnis sehr viel herzlicher geworden ist. Da hat sich eine ganze Menge bewegt, das ist sehr schön. Interessanterweise ist das mit der nachfolgenden Generation nicht passiert. Weder meine Schwester noch irgendein Cousin oder eine Cousine war jemals daran interessiert, ein Gespräch über unsere Familie zu führen, noch habe ich von ihnen irgendeine Reaktion auf das Buch gehört.

Kleßmann: Finden Sie das nicht merkwürdig?

Himmler: Ich versuche, das nicht zu sehr zu bewerten. Aber Sie haben recht, dass es schon auffallend war. Gut möglich, dass auch einige das Gefühl hatten, es ist ganz praktisch, dass ich das jetzt erledige, stellvertretend für die Familie. Da kann ich aber nur spekulieren.

Kleßmann: Haben Sie Reaktionen von den direkten Verwandten von Heinrich Himmler bekommen?

Himmler: Diese Reaktionen und Meinungen bekomme ich immer nur auf indirektem Wege mitgeteilt, weil die keinen direkten Kontakt mit mir haben wollen. Die Tochter von Heinrich Himmler ist ja nach wie vor sehr aktiv in rechtsextremen Kreisen, und sie hat ihre Kinder leider auch dementsprechend erzogen. Das heißt, die Kinder sind völlig loyal gegenüber der Mutter, und ich bin an sie nie herangekommen. Das ist natürlich sehr schade.

Kleßmann: Können Sie dieses Verhalten verstehen?

Himmler: Bei der Tochter von Heinrich Himmler verstehe ich natürlich, dass sie damit nichts zu tun haben will, wobei ich denke, dass sie auch nur hätte davon profitieren können. Da bisher keiner so fair mit ihr umgegangen ist, wie ich das getan habe. Sie ist eine Person, mit der ich sehr viel Mitleid habe, da sie ein sehr schwieriges Leben hatte und einfach in einer Position ist, in der es sehr schwer ist damit umzugehen.

Wenn man einen Vater hat, der so fürchterlich viele Verbrechen begangen hat, dann hat man nicht sonderlich viel Auswahl, wie man damit umgehen kann. Das lässt, denke ich, nur sehr extreme Wahlmöglichkeiten: entweder man verschließt die Augen und bleibt absolut loyal, so wie sie sich entschieden hat, die Wahrheit nicht zur Kenntnis zu nehmen, weil sie wahrscheinlich unerträglich wäre. Oder man bricht damit völlig und versucht eine komplett neue Identität anzunehmen.

Kleßmann: Also denken Sie nicht, wie öfters mal gefordert, dass wir unseren Eltern und Großeltern vergeben sollten, was sie getan haben?

Himmler: Ich denke, es ist nicht so schwierig, dass wir irgendwann zu dem Punkt kommen, dass wir unseren Eltern vergeben, was sie uns angetan haben. Das ist das Äußerste, was wir tun können. Dass wir vergeben, was sie uns weitergegeben haben an schwerem Erbe. Aber was ich überhaupt nicht sehe ist, dass man vergeben kann, was sie getan haben. Das kann man nicht vergeben.

Kleßmann: Glauben Sie, dass wir noch ein Defizit haben, was das Wissen über unsere eigenen Familiengeschichten betrifft?

Himmler: Das hat ja gerade erst vor einigen Jahren angefangen, dass wir diese familiären Verstrickungen versuchen aufzuarbeiten. Es ist ja tatsächlich so hier in Deutschland, dass man permanent auf allen Radio- und Fernsehsendern irgendeine Dokumentation über die Zeit hören und sehen kann. Fast alles wissen wir über diese Zeit und auf der anderen Seite weiß kaum jemand etwas über die eigene Familie, was die damals gemacht hat. Es ist ein riesiger Zwiespalt.

Ich glaube, dass erst seit ein paar Jahren versucht wird, eine Verbindung zu schaffen, zu versuchen, die eigenen Familien in den Kontext der historischen Zeit einzuordnen. Zu gucken, wo standen die denn damals, wie kann ich meine Familie mit dieser großen Geschichte verknüpfen. Und das ist etwas, was sehr mühsam ist und was offensichtlich erst nach so langer Zeit möglich ist, weil es vorher zu schmerzhaft war. Es braucht einfach sehr viel Zeit, bis man da ran kann.

Kleßmann: Sie beenden das Buch mit der Sorge, wie Sie Ihrem Sohn Ihre Familiengeschichte erklären sollen. Nun ist Ihr Sohn acht Jahre alt. Stellt er langsam Fragen?

Himmler: Ja, das tut er sogar schon sehr lange. Er sieht ja das Buch bei uns zu Hause und hat mich in Zeitungen oder im Fernsehen gesehen. Er wollte das Buch sogar schon lesen (lacht). Davon konnte ich ihn aber noch abbringen. Ich denke, er weiß schon sehr viel über deutsche und jüdische Geschichte. Mein Mann sagt, er weiß auch schon, dass die Juden umgebracht wurden. Ich bin mir da nicht so sicher. Ob er schon versteht, dass meine Familie verantwortlich ist, seine umgebracht zu haben, ich glaube, er hat diesen Zusammenhang noch nicht geknüpft. Aber Kinder wissen oft mehr, als man denkt.

Das Interview führte Lavinia Kleßmann, 18, von der Schülerzeitung "Ohne". Sie geht in die 11. Klasse des Erich-Hoepner-Gymnasiums in Berlin und gewann mit dem Interview den dritten Platz des SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewers

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insgesamt 401 Beiträge
Kapazunder 03.12.2007
Echte Frauen haben Kurven!
Echte Frauen haben Kurven!
Duke78 03.12.2007
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Foul Breitner 03.12.2007
Wie man mit seinem Gewicht umgeht und welche Kleidung man daran anpaßt, ist jedem selbst überlassen...
Wie man mit seinem Gewicht umgeht und welche Kleidung man daran anpaßt, ist jedem selbst überlassen...
Kanadier 03.12.2007
Das Problem heutzutage ist nicht der Schlankheitswahn, sondern die Fettsucht. Wieviele Duenne, aber wieviele zu Fette sieht man auf der Strasse? Europa ist dabei, dem in Nordamerika seit langem bestehenden Trend zum Uebergewicht, [...]
Das Problem heutzutage ist nicht der Schlankheitswahn, sondern die Fettsucht. Wieviele Duenne, aber wieviele zu Fette sieht man auf der Strasse? Europa ist dabei, dem in Nordamerika seit langem bestehenden Trend zum Uebergewicht, vor allem bei Frauen, zu folgen. Mit dem Versuch Fett "schoen"zureden ist niemandem gedient.
linden06 03.12.2007
Als Antwort auf die Frage, auch wenn´s bestimmt nicht so einfach ist : mehr Bildung... Meine Gleichung, wer gebildet ist hat mehr Selbstbewusstsein braucht sich nicht so sehr über seinen Körper zu definieren ist glücklicher... Und [...]
Als Antwort auf die Frage, auch wenn´s bestimmt nicht so einfach ist : mehr Bildung... Meine Gleichung, wer gebildet ist hat mehr Selbstbewusstsein braucht sich nicht so sehr über seinen Körper zu definieren ist glücklicher... Und dann noch : -auch wenns komisch klingt- mehr Schulsport, vielleicht bekommen die Leute dann mal ein Gefühl für ihren Körper . Das damit niemanden geholfen ist, der aus einer psychischen Störung heraus, z.B. nach Erleben von Gewalt etc. magersüchtig wird ist mir klar, aber die Menschen die irgendwelchen (Teenie-)Idolen nacheifern merken dann ja vielleicht was...
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