Wer sich spätabends zum Bier noch Döner oder Zwiebelmett gönnt, sollte morgens besser den Mund halten. Nach einem solchen Mahl gehen oft sogar hartgesottene Mitmenschen auf Distanz - auch wenn man selbst dachte, die Zahnbürste hätte den schalen Geschmack längst vertrieben.
Doch offenbar riechen die anderen viel mehr als man selbst. Warum nur?
Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt nennt dieses Phänomen "Adaption". Weil der Mund mit dem Nasenraum verbunden ist, ist der Geruchssinn des Betroffenen dauerhaft dem Mundgeruch ausgesetzt, so dass ein Gewöhnungseffekt eintritt.
Diesen Effekt kann auch beobachten, wer aus dem Freien in einen stickigen Raum kommt. Er wird den Geruch zunächst als unangenehm empfinden, während diejenigen, die sich schon längere Zeit in dem Zimmer befinden, ihn vielleicht gar nicht mehr bemerken.
So erklärt sich, warum andere den Mundgeruch deutlich wahrnehmen. Sie werden plötzlich damit konfrontiert, daher empfinden sie den Geruch als besonders intensiv. Sprich: Wer ohnehin einen Kater hat, hat sich an seine Fahne schon längst gewöhnt.
Schwefel im Atem
Wer den Verdacht hegt, übel zu riechen, hat es allerdings schwer, das zu überprüfen. Beim Erkennen kann auch der Geschmackssinn den Betroffenen nicht helfen. Erstens unterliegt auch er dem Effekt der Adaption, zweitens ist er viel weniger differenziert als der Geruchssinn.
"Vieles, was wir meinen zu schmecken, riechen wir in Wirklichkeit", sagt Michael Deeg vom Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. "Daher schlürfen auch Fachmänner bei der Weinprobe. So gelangt Luft in den Mund und transportiert die Aromen des Weines in die Nase."
Ursachen für Mundgeruch gibt's viele. Manchmal sind faule Zähne oder eine Krankheit der Mundhöhle der Grund, oft ist aber auch nur das Knoblauchpulver auf der Pizza Schuld. Rauchen und Alkohol befördern zusätzlich den Mief, übrigens auch alkoholhaltige Mundwasser.
Chemisch entsteht der schlechte Geruch durch Bakterien, die Nahrungsreste und andere organische Substanzen zersetzen. Dabei entstehen Schwefelverbindungen, die mit der Atemluft ausgeatmet werden. Zähneputzen, Kaugummi und Pfefferminz übertönen daher höchstens kurzzeitig den Gestank.
Wenn Mundgeruch zum Dauerzustand wird, kann es peinlich werden. Nicht selten schweigt das Umfeld, um den Betroffenen zu schonen - und nimmt ihm damit die Chance, sich behandeln zu lassen.
Abhilfe versprechen kleine Atemmessgeräte, mit denen der Schwefelgehalt des Atems gemessen werden kann. Einfacher geht es so: Handrücken ablecken, Speichel trocknen lassen und dran riechen - die Konzentration des Geruchs verändert sich und kann dann manchmal wahrgenommen werden.
cpa/ddp
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