Von Jochen Leffers und Christian Füller
Sachsen zählte gemeinsam mit Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg schon bisher zur Spitzengruppe und räumt nun die Bestnoten ab. Als beispielhaft gilt das zweigliedrige Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule in Sachsen; dort profitieren die Schüler zugleich von vergleichsweise kleinen Klassen, und die Naturwissenschaft haben im Unterricht einen höheren Stellenwert als in einigen anderen Bundesländern.
"Der Stundenanteil der Naturwissenschaften ist in allen neuen Ländern deutlich höher als im Westen", sagt der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm. Bereits zu DDR-Zeiten sei das Prestige dieser Fächer "sehr hoch" gewesen. "Das lebt in den Köpfen weiter und sichert den Naturwissenschaften eine starke Stellung", so Klemm.
Sachsen sieht sich bei den Naturwissenschaften in einer Art Vorreiterrolle. Nach Angaben von Kultusminister Roland Wöller (CDU) beträgt der Anteil der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) am Gesamtunterricht in allen Schularten mehr als 30 Prozent. Als einziges Bundesland habe Sachsen zudem seit diesem Schuljahr eine verpflichtende Belegung der Fächer Physik, Chemie und Biologie in der gymnasialen Oberstufe festgeschrieben.
Kaum Einwanderer in den neuen Ländern
Auch beim Betreuungsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern steht Sachsen gut da, nicht zuletzt wegen der drastisch gesunkenen Schülerzahlen. Zudem spielt der Anteil von Schülern aus Einwandererfamilien eine Rolle: Lediglich 3,7 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen kommen aus Familien mit Migrationshintergrund. In Nordrhein-Westfalen liegt die Quote laut Klemm bei 30 Prozent. Alle einschlägigen Bildungsstudien zeigen, dass Kinder von Zuwanderern an deutschen Schulen besonders benachteiligt sind.
Sachsen indes landet in mehreren Bildungsstudien auf den vorderen Plätzen, noch vor anderen ostdeutschen Ländern. Die guten Noten für Sachsen zeigten, "dass ein gut gemachtes zweigliedriges System möglicherweise auch Lernschwache zu guten Leistungen bringen kann", sagt Klemm. Immerhin loben frühere Pisa-Studien die Chancengerechtigkeit des sächsischen Schulsystems. Die soziale Herkunft spiele hier nur eine geringe Rolle für gute Lernleistungen.
Nach der vierjährigen Grundschule wechseln die sächsischen Schüler entweder auf das Gymnasium oder die Mittelschule. Nach einer zweijährigen Orientierung gliedern sich die Klassen in der Mittelschule ab Stufe sieben in einen Hauptschul- und Realschulbildungsgang. Die Jugendlichen machen einen Hauptschulabschluss oder den mittleren Schulabschluss, mit dem sie dann auf das berufliche Gymnasium wechseln und dort nach drei Jahren das Abitur ablegen können.
Der Anteil der Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss liegt in Sachsen bei etwa elf Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 24 Prozent. Die Zahl der Mittelschüler ohne Schulabschluss konnte in den vergangenen Jahren auf fünf Prozent gesenkt werden. Der Kultusminister will die Quote weiter drücken. So gibt es sogenannte Lerncamps, die versetzungsgefährdeten Schülern doch noch zum Sprung in die nächste Klassenstufe verhelfen sollen.
Mit Material von dpa und AFP
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