• Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Pisa-Ländervergleich Sachsens Schulen drängen an die Weltspitze

2. Teil: So sehen Sieger aus: Der Klassenprimus - was haben die Sachsen bloß, was die anderen Länder nicht haben?

Sachsen zählte gemeinsam mit Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg schon bisher zur Spitzengruppe und räumt nun die Bestnoten ab. Als beispielhaft gilt das zweigliedrige Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule in Sachsen; dort profitieren die Schüler zugleich von vergleichsweise kleinen Klassen, und die Naturwissenschaft haben im Unterricht einen höheren Stellenwert als in einigen anderen Bundesländern.

"Der Stundenanteil der Naturwissenschaften ist in allen neuen Ländern deutlich höher als im Westen", sagt der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm. Bereits zu DDR-Zeiten sei das Prestige dieser Fächer "sehr hoch" gewesen. "Das lebt in den Köpfen weiter und sichert den Naturwissenschaften eine starke Stellung", so Klemm.

Sachsen sieht sich bei den Naturwissenschaften in einer Art Vorreiterrolle. Nach Angaben von Kultusminister Roland Wöller (CDU) beträgt der Anteil der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) am Gesamtunterricht in allen Schularten mehr als 30 Prozent. Als einziges Bundesland habe Sachsen zudem seit diesem Schuljahr eine verpflichtende Belegung der Fächer Physik, Chemie und Biologie in der gymnasialen Oberstufe festgeschrieben.

Kaum Einwanderer in den neuen Ländern

Auch beim Betreuungsverhältnis zwischen Schülern und Lehrern steht Sachsen gut da, nicht zuletzt wegen der drastisch gesunkenen Schülerzahlen. Zudem spielt der Anteil von Schülern aus Einwandererfamilien eine Rolle: Lediglich 3,7 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen in Sachsen kommen aus Familien mit Migrationshintergrund. In Nordrhein-Westfalen liegt die Quote laut Klemm bei 30 Prozent. Alle einschlägigen Bildungsstudien zeigen, dass Kinder von Zuwanderern an deutschen Schulen besonders benachteiligt sind.

Sachsen indes landet in mehreren Bildungsstudien auf den vorderen Plätzen, noch vor anderen ostdeutschen Ländern. Die guten Noten für Sachsen zeigten, "dass ein gut gemachtes zweigliedriges System möglicherweise auch Lernschwache zu guten Leistungen bringen kann", sagt Klemm. Immerhin loben frühere Pisa-Studien die Chancengerechtigkeit des sächsischen Schulsystems. Die soziale Herkunft spiele hier nur eine geringe Rolle für gute Lernleistungen.

Nach der vierjährigen Grundschule wechseln die sächsischen Schüler entweder auf das Gymnasium oder die Mittelschule. Nach einer zweijährigen Orientierung gliedern sich die Klassen in der Mittelschule ab Stufe sieben in einen Hauptschul- und Realschulbildungsgang. Die Jugendlichen machen einen Hauptschulabschluss oder den mittleren Schulabschluss, mit dem sie dann auf das berufliche Gymnasium wechseln und dort nach drei Jahren das Abitur ablegen können.

Der Anteil der Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss liegt in Sachsen bei etwa elf Prozent und damit deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 24 Prozent. Die Zahl der Mittelschüler ohne Schulabschluss konnte in den vergangenen Jahren auf fünf Prozent gesenkt werden. Der Kultusminister will die Quote weiter drücken. So gibt es sogenannte Lerncamps, die versetzungsgefährdeten Schülern doch noch zum Sprung in die nächste Klassenstufe verhelfen sollen.

Mit Material von dpa und AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 904 Beiträge
poppi 17.11.2008
Gar nicht. Nix. Wie gesagt: W-Fragen vermeiden... ;o)
Zitat von sysopWie sinnvoll sind solche Schulvergleiche? Was bringen die Ergebnisse für den Schulalltag?
Gar nicht. Nix. Wie gesagt: W-Fragen vermeiden... ;o)
Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten. Die Unterschiede in Europa sind zu verschieden und die Bewertung kann man nicht neutral vornehmen. Jeder hat eigene Kriterien, die eher subjektiv sind. Wie bei der [...]
Zitat von sysopDie Pisa-Studien sorgen nach wie vor für intensive Diskussionen. Nicht allein die Ergebnisse, auch die Studien und ihre Kriterien selbst sind in der Debatte. Ihre Meinung: Wie sinnvoll sind solche Schulvergleiche? Was bringen die Ergebnisse für den Schulalltag?
Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten. Die Unterschiede in Europa sind zu verschieden und die Bewertung kann man nicht neutral vornehmen. Jeder hat eigene Kriterien, die eher subjektiv sind. Wie bei der Bewertung des Euro, es geht um gefühlte und um messbare Ergebnisse. Es werden Erbhöfe verteidigt, die z.B. im Beamtenrecht liegen und der geneigte Leser denkt, es geht um die Chance der Jugend für Bildung. Dabei wird leicht vergessen, dass der Betrieb Schule so schwerfällig ist, dass die heutigen Schulanfänger die Schule bereits verlassen haben, bis es Auswirkungen auf den Lehrbetrieb gibt. MfG. Rainer
Broko 17.11.2008
Die Befürworter der Gesamtschule, z.B. die GEW, würden lieber heute als morgen diese Schulform in Anlehnung an das finnische Schulsystem in Deutschland flächendeckend übernehmen - Bedenken wegen der Unvergleichbarkeit auf Grund [...]
Die Befürworter der Gesamtschule, z.B. die GEW, würden lieber heute als morgen diese Schulform in Anlehnung an das finnische Schulsystem in Deutschland flächendeckend übernehmen - Bedenken wegen der Unvergleichbarkeit auf Grund der unterschiederlichen Migrationshintergründe in Finnland und Deutschland bügeln sie ab und finden sie irrelevant - genau die gleichen Leuten argumentieren aber mit den Migranten, wenn die Rede auf die erbärmlichen Leistungen der Gesamtschulen bei Vergleichstests in Deutschland kommt: Jetzt kann man angeblich nicht mehr vergleichen, weil die Migranten das Niveau herabziehen. Schulvergleiche zwecks Köcheln ideologischer Süppchen - rausgeschmissenes Geld...
Piri 17.11.2008
Und solche Süppchen (auch die Wirtschaft braut eins) können in Ruhe garen, weil das, was Ihr Vorposter R. Helmbrecht schrieb auch stimmt: "Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten." Leider können [...]
Zitat von BrokoSchulvergleiche zwecks Köcheln ideologischer Süppchen
Und solche Süppchen (auch die Wirtschaft braut eins) können in Ruhe garen, weil das, was Ihr Vorposter R. Helmbrecht schrieb auch stimmt: "Als Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten." Leider können es die meisten Journalisten auch nicht.
Piri 17.11.2008
Empfehlenswerte Fortbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_PISA-Studien
Zitat von Rainer HelmbrechtAls Normalbürger kann man die Ergebnisse nicht bewerten.
Empfehlenswerte Fortbildung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_PISA-Studien
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
alles aus der Rubrik Wissen

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Social Networks

Entdecken Sie außerdem SchulSPIEGEL auf...





TOP



TOP