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10.02.2009
 

Schulumbau in Berlin

Senator Zöllner präsentiert sein Konzept

Bildungssenator Zöllner wird konkret beim Umbau des Schulsystems in der Hauptstadt. Die Hauptschulen sollen weg, die Gymnasien bleiben. Doch eine zentrale Frage ließ er offen: Wer soll entscheiden, welchen Bildungsweg ein Kind einschägt?

Vorsichtig tastet sich Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) an die Reform der Schulen in der Hauptstadt heran. Zwar haben seine Pläne am Dienstag einen großen Schritt Richtung Wirklichkeit gemacht, weil er sie offiziell dem Senat vorstellte und Zustimmung erntete. Doch bei einer entscheidenden Frage bleibt sein Konzept weiter unklar: Wer soll entscheiden, ob ein Kind aufs Gymnasium darf?

Bildungssenator Zöllner: ein vorsichtiger Schulumbauer
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DDP

Bildungssenator Zöllner: ein vorsichtiger Schulumbauer

In wesentlichen Punkten ähnelt die Berliner Reform dem schwarz-grünen Hamburger Modell: Ab dem Schuljahr 2010/2011 soll damit begonnen werden, alle Haupt-, Real- und Gesamtschulen zusammenzulegen: zu Sekundarschulen, die auch den Weg zum Abitur eröffnen. Das Gymnasium soll es daneben weiterhin geben. In beiden Stadtstaaten treibt die Politik damit Mammutprojekte voran, die das Schulsystem grundlegend ändern sollen.

Als Sonderform bleiben in Berlin daneben als Pilotprojekt Gemeinschaftsschulen bestehen, in denen Klassen für die gesamte Schulzeit zusammenbleiben, also von der ersten bis zur zehnten Klasse. Über Zöllners Pläne wird noch das Abgeordnetenhaus abstimmen. Der Senator geht davon aus, dass er dort eine Mehrheit findet. Er nannte die Reform einen "Qualitätssprung".

Ziel der neuen Struktur sei, die Zahl der Schulabbrecher zu senken und jedem Schüler den bestmöglichen Abschluss zu eröffnen, sagte Zöllner. Es gehe sowohl um eine bessere Förderung schwacher Schüler als auch um genug Angebote für Spitzenreiter. Ein Sitzenbleiben soll es nur noch in Ausnahmefällen geben.

Sekundarschulen wären nach Zöllners Plänen grundsätzlich Ganztagsschulen. Eine praxisnahe Ausbildung, zum Beispiel in Kooperation mit Betrieben, wäre dort für ältere Schüler möglich. Die Gymnasien führen in 11 oder 12 Jahren zum Abitur, die Sekundarschulen in 13 Jahren. Die Umbauten für die Schulen sollen aus den Konjunkturpaketen in den kommenden zwei Jahren mit insgesamt 196 Millionen Euro finanziert werden.

Beim Schulübertritt legt sich Zöllner nicht fest

Über geplante Klassengrößen sowie die Zahl der Lehrer, Sozialarbeiter oder Erzieher an den neuen Sekundarschulen machte Zöllner noch keine konkreten Angaben. "Wir müssen die personellen Voraussetzungen schaffen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen entgegenzukommen", sagte er. Eine Sekundarschule in Neukölln brauche eine andere Ausstattung als eine in Steglitz. Als "vernünftig" bezeichnete Zöllner vier Parallelklassen pro Jahrgang. Durch die Zusammenlegungen der bisherigen Schulen werde es 30 bis 40 Schulstandorte weniger in Berlin geben.

Beim Thema Schulübergang hat sich Zöllner vorerst nicht festgelegt. Die Frage, wer entscheidet ob ein Kind aufs Gymnasium darf, hat er, so scheint es, aus politischen Gründen bewusst offengelassen. Denn das Thema ist höchst umstritten.

Im Herbst noch verlautete aus einer Arbeitsgruppe Zöllners, dass nur noch die Noten darüber entscheiden sollten, ob ein Kind aufs Gymnasium darf, weil der Elternwille sozial ungerecht sei. In Berlin können Eltern bisher durchsetzen, dass ihr Kind wenigstens den Versuch unternimmt, aufs Abitur zuzusteuern - selbst wenn es eine Hauptschulempfehlung bekommen hat und die Noten mies sind. Anspruch auf den Platz an einer konkreten Wunsch-Schule haben sie zwar nicht, aber an irgendeinem Gymnasium gibt es immer freie Plätze.

Sozial gerecht ist das tatsächlich nicht: Vor allem Eltern aus dem Bildungsbürgertum gelingt es, ihre Kinder auf dem Gymnasium unterzubringen, auch bei mäßigen Noten. Die Eltern von Kindern aus bildungsfernen Schichten schaffen das nur selten oder versuchen es erst gar nicht.

Elternverbände und die Berliner Opposition sehen das ganz anders. "Keine Einschränkung des Elternwillens beim Übergang von der Grundschule zur Oberschule", fordert André Schindler vom Landeselternausschuss. In dieser Frage soll alles bleiben wie es ist.

Nach Zöllners jetzt vorgestellten Plänen bleibt in diesem Punkt vorerst vieles offen. Zwar heißt es in der Presseerklärung: Beim Gymnasialzugang sollen "über den Elternwillen hinaus Zugangskriterien an Bedeutung gewinnen. Die Zugangsregelung muss sich auch daran messen lassen, ob und inwieweit sie einer sozialen Segregation entgegenwirkt", das ist aber sehr vorsichtig formuliert.

Zwar dürfen Gymnasien demnach ihre Schüler später nicht an Sekundarschulen verweisen - es sei denn auf Wunsch der Schüler oder deren Eltern. Aber für die Regelung, wer überhaupt aufs Gymnasium darf, sind alle möglichen Varianten aufgezählt: den Willen der Eltern, Empfehlungen der Grundschulen, Aufnahmeprüfungen oder eine Orientierung an Noten. Offenbar möchte er die Gesamtreform nicht durch Widerstände in dieser Frage gefährden.

Wenn Zöllners Zeitplan eingehalten werden soll, muss das Parlament nach der Sommerpause über das neue Schulgesetz abstimmen. Dann könnte im Schuljahr 2013/2014 kein Schüler mehr in der siebten Klasse einer Haupt- oder Realschule angemeldet werden.

otr/dpa

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07.06.2009 von pilk:

Bei uns erhalten die Eltern nur Empfehlungen von den Lehrern über die sinnvollste weiterführende Schule für ihr Kind, entscheiden können sie selber. Das hat zur Folge, dass viele Eltern ihr Kind ersteinmal "zur [...] mehr...

30.05.2009 von PeterShaw: Bitte!

Könnten Sie sich bitte in Zukunft etwas mehr Mühe geben!? Bei soviel Realsatire bleibt gar kein Platz mehr für Ironie. mehr...

29.05.2009 von manuelajaeger: Abi fúr alle

Ich finde die Leute sollten alle auf eine Gesamtschule gehen. Danach entscheiden, ob sie mit 16 einen Beruf lernen oder weiter machen bis zum Abi mit 18. Wie in anderen Ländern auch, wir Deutschen sind so klassistisch. Was soll [...] mehr...

26.05.2009 von schultid:

jaja eltern sind per se blöd, sie haben nämlich kinder. schlauer ist es, anderer leute kinder zu haben, am besten solche, die nicht weglaufen können. dann müssen die sich nämlich "bilden" lassen, selbstverständlich [...] mehr...

26.05.2009 von schultid:

juhuhui, private dürfen kindern "einheitsbrei" sevieren. warum nicht die öffentl.-rechtl? ps -in NL sind 70% der schulen "private einheitsschulen", bei 100% staatl. finanzierung. was dagegen? ach so, das [...] mehr...

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