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18.02.2009
 

HipHop an Grundschulen

Harte Beats gegen die Bildungsmisere

Von Philipp Sümmermann

Sie rappen über Photosynthese und Klimawandel: Die Berliner HipHoper Robin Haefs und Vincent Stein verpacken Grundschulstoff in Reime - und das klingt alles andere als peinlich. Rapper-Kollegen sind neidisch: "Krass, warum hab ich das nicht gemacht?".

Verzweifelt schüttelt er den Kopf. "Nein, tut mir Leid, so geht das einfach nicht", stöhnt Mad Maks. Nur zwei Zeilen hat er gerappt, dann abgebrochen. Die Musik ist einfach zu leise, keine Monitorbox auf der Bühne, er hört seine eigene Stimme nicht. So kann er nicht arbeiten.

Er wagt hier ein Experiment, wieder einmal. Er ist nicht irgendein Rapper auf irgendeiner Bühne. Er will etwas erreichen, das nichts mit Verkaufszahlen und Ruhm zu tun hat. Er hat ein Ziel: Rap als Unterrichtsmethode zu etablieren - Sprechgesang mit Bildungsauftrag.

Deshalb ist er hergekommen, auf die Bildungsmesse "Didacta" in Hannover; hier treffen sich Schulbuchverleger, Lehrer, Erzieher und Bildungspolitiker. Ihnen will er zeigen, wie Rap im Klassenzimmer funktioniert, mit einem Text über Themen, die sonst eher nicht auf der Agenda der HipHop-Szene stehen: gesunde Ernährung und Nachhaltigkeit.

Und jetzt muss Mad Maks sich streiten mit dem Techniker, der die Musik einfach nicht lauter drehen will. "Vorschrift", sagt der Techniker.

Sie rappen über Klimawandel und Photoynthese

Eigentlich heißt er Robin Haefs. Aber zusammen mit seinem Produzenten Vincent Stein sind sie Mad Maks und Beatzarre vom Duo "Rapucation" - in dem Namen verschmelzen die Worte "Rap" und "Education". Stein ist für für die musikalische Untermalung der Songs verantwortlich.

Die Texte der beiden handeln nicht von Drogen, Prostitution und Gewalt, sondern vom Klimawandel und der Photosynthese. Ihr Konzept: Statt Arbeitsblätter zu büffeln, bekommen Grundschüler den Stoff vorgerappt. Der einprägsame Rhythmus soll den Kindern helfen, sich die schwierigen Inhalte besser einzuprägen.

Dass ihre Idee durchaus funktioniert und dass ihre Stücke nicht nur gut gemeint sind, sondern sich hören lassen können, haben die beiden vielfach gezeigt - zum Beispiel an einer Grundschule in Berlin: Dumpfe Beats tönen aus dem Klassenzimmer. Die Geschichte der Hauptstadt steht für die sechste Klasse auf dem Stundenplan, der Lehrer hat heute mal Pause. Mad Maks und Beatzarre gestalten die Stunde:

"Unser Berlin -
gezeichnet von Teilung und Krieg -
1244 taucht der Name Berlin zum ersten Mal auf.
1701 Hauptstadt von Preußen -
1871 Hauptstadt der Deutschen"

Die Sechstklässler wippen mit dem Kopf, sprechen den Text mit. Mad Maks, 28, schwarzer Kapuzenpulli, weiße Turnschuhe, Baggy Pants, blickt konzentriert nach unten beim Rappen, das Mikro hält er dicht an den Mund.

"'45 wird Deutschland befreit -
Schreckenszeit ist vorbei und Berlin wird geteilt -
Der russische Sektor umgibt West-Berlin -
die Luftbrücke bringt die Nahrung und Benzin."

Rap im Unterricht als Thema der Bachelor-Arbeit

Beatzarre, 25, hat Laptop und Plattenteller vor sich aufgebaut, sein Fuß klopft im Takt zum Bass. Als Produzent hat er schon für das Popduo "Ich+Ich", für Sarah Connor und für Jimi Blue gearbeitet. Als Mad Maks mit der Idee zu ihm kam, hat er nur ein Wort gesagt: geil. "Das war das Beste, was mir passieren konnte", sagt Haefs. Im Vergleich zu dem Bildungsrap ist der von Stein produzierte HipHop sonst härter. Die Musik von "Fler" und den Skandalrappern von "Aggro Berlin" gilt vielen als frauenfeindlich und gewaltverherrlichend.

"Ich habe wirklich gedacht, wenn meine Kunden das rausfinden, zumindest die härtere Fraktion, dass ich mich dann rechtfertigen muss. Aber ganz im Gegenteil", erzählt Stein. "Die haben gesagt: Krass, warum hab ich das nicht gemacht?" Haefs ergänzt: "Wir bringen immerhin den kleinen Brüdern von denen was bei."

Haefs alias Mad Maks hat seine Idee nicht nur zu ein paar Songs verarbeitet, er hat auch seine Bachelorarbeit über "Rapucation" geschrieben - und die Lehrmethode in einem Modellversuch an 696 Kindern ausprobiert.

33 Berliner Grundschulklassen nahmen an dem Versuch teil. Ein Drittel der Klassen bekam eine CD mit "Rapucation"-Musik vorgespielt. Die Lieder sollten die Schüler auf den von Haefs erstellten Abschlusstest vorbereiten. Die gleichen Sachinformationen erhielt auch das zweite Drittel, allerdings in Form eines konventionellen Arbeitsblattes. Um einen statistischen Vergleich zu haben, erhielten die restlichen Klassen keinerlei Material. Für die beiden Musiker war die Auswertung ein Erfolg. Denn die Studie zeigte, dass die Musikgruppe fast genau so gut abschnitt wie die mit den Arbeitsblättern. Robin Haefs brachte diese Erkenntnis zudem eine glatte Eins als Abschlussnote ein.

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