Von Philipp Sümmermann
"Es dauert Tage, so ein Lied zu produzieren", erzählen die beiden Musiker: "Es ist viel mehr Arbeit als ein normaler Song." Gerade bei komplexen Themen wie Nachhaltigkeit brauchen sie lange, um sich einzuarbeiten. Für die Texte geht Robin Haefs in die Bücherei, er schaut Dokumentarfilme und liest sich zu ihnen das Begleitmaterial durch.

In der Grundschule am Start: "Rapucation" rappen "Mein Berlin"
Doch nicht nur in der Hauptstadt arbeitet sich der Sprechgesang in die Schulen vor. Hannes Loh hat seine Rap-Karriere hinter sich gelassen, als "L.J." war er 12 Jahre lang aktiv, hat sich eingesetzt gegen die Unterwanderung des HipHop von rechts. Jetzt ist er Lehrer an einer Schule in Pulheim, nord-westlich von Köln. Statt selber Verse vorzutragen, dichtet er mit seinen Schülern Lieder zum Unterricht.
"Den Erlkönig rappen? Schwachsinn!"
Den Schülern mache es Spaß, sagt er, "die Inhalte nehmen sie dann wie nebenbei auf." Vor allem die jüngeren Jahrgänge seien begeistert vom Rappen im Unterricht. "Natürlich dauert es viel länger, als wenn ich mich hinstelle und den Kindern etwas erzähle", sagt er. Auch klingt es bei Fünftklässlern ganz anders als bei den Profis von "Rapucation".
"Willkommen hier bei uns, auf dem GSG, -
wir sind die Schüler der Klasse 5c -
in den Pausen sind wir in der Bücherei -
und dort lesen wir Bücher allerlei."
Kaum ein Thema gebe es, das nicht als Sprechreim vorgetragen werden kann. Nur von Balladen hält er sich fern. "Didaktisch finde ich das totalen Schwachsinn", ereifert sich Loh. "Den Erlkönig, den kann man nur sprechen, nicht rappen. Da wird sonst der gesamte Rhythmus zerstört. Das ist dann nur noch eine Parodie, eine Verballhornung des Werkes."
Ex-Rapper wird Lehrer: "Herr Loh, sind Sie das?"
Die Rappervergangenheit ihres Lehrers ist für die Schüler kein Thema, jedenfalls meistens nicht. Einmal textete der Rapper Kool Savas in einem Diss-Track: "Du bist ein Typ der Lügen verbreitet wie Hannes Loh". Die Schüler waren irritiert: "Herrr Loh, sind Sie das?", hätten sie gefragt, erinnert sich der Lehrer. "Das große Vorbild ist so weit weg und dann erwähnt es ausgerechnet ihren Lehrer."
Die didaktischen Beats sind auf dem Vormarsch, wenn auch in kleinen Schritten. Auf der Bildungsmesse in Hannover hat das Duo "Rapucation" irgendwann immerhin den Streit mit dem Techniker für sich entschieden. Die Musik wird aufgedreht, der Nachhaltigkeits-Rap beginnt.
"Guten Appetit wünscht die Industrie -
Die Tomate schmeckt nach Wasser, das Wasser nach Chemie -
Die Käufer haben die Macht, doch sie machen nichts -
Es wär so einfach, doch sie schaffen's nicht."
Doch so richtig will der Funke nicht überspringen. Das Publikum bleibt ruhig, ziemlich teilnahmslos hören sich die Lehrer das Lied an, hier wippt niemand mit.
Einige scheinen dennoch überzeugt: "Damit erreicht man mehr Jugendliche als mit anderen Methoden. Oft wird Unterricht ja nicht wegen der Inhalte, sondern der Form abgelehnt", sagt der Direktor eines Gymnasiums in Westfalen. "Ich würde das sofort im Unterricht einsetzen", stimmt ein Grundschullehrer zu.
Ihre Lernmethode wollen Mad Maks und Beattzarre jetzt weiter verbreiten. Mit einem Schulbuchverlag verhandeln sie über die Veröffentlichung einer CD. "Mit einer Platte erreichen wir viel mehr Leute", sagt Rapper Haefs. Vorerst treten sie nicht mehr in Schulen auf, stattdessen bieten sie Workshops an und tragen ihre Botschaft weiter: Rap gehört an die Schulen.
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