Von Oliver Trenkamp
Am Dienstag beginnen im bevölkerungsstärksten Bundesland die Klausuren des Zentralabiturs. Mit Deutsch geht es in Nordrhein-Westfalen los, mit Chemie enden die Prüfungen am 8. Mai. Schon die schieren Zahlen sind imposant: 76.000 Abiturienten, 80 Fächer, 1150 Aufgaben - und schon am Montag werden die ersten 13.500 Seiten Papier dafür bedruckt, nachdem die Schulleiter die Aufgaben aus dem Internet heruntergeladen haben.
Abi-Prüfung in Essen: Dieses Jahr ohne Pannen?
Diesmal will Schulministerin Barbara Sommer (CDU) auf Nummer sicher gehen und eine erneute Pannenserie vermeiden - Pannen wie den "Oktaeder des Grauens", eine nahezu unlösbare Mathe-Aufgabe beim Zentralabitur 2008. Auch andere Fehler sorgten für Frust bei Schülern und Lehrern der betroffenen Gymnasien und Gesamtschulen, vor allem im Fach Mathematik. Gleich reihenweise scheiterten Schüler auch an einer Textaufgabe zu Freiwürfen von Basketballer Dirk Nowitzki.
Es war der Beginn eines langen Hin und Hers zwischen Schulministerin und Schülern: Wer darf wann, wie, warum und unter welchen Bedingungen seine Abi-Prüfung wiederholen? Und wer trägt die Schuld an dem Chaos?
Bei zentralen Prüfungen häufen sich die Pannen
Beim dritten NRW-Zentralabitur soll dieses Jahr alles anders, alles besser werden. Zur Sicherheit hat Schulministerin Sommer rund 1150 mögliche Abi-Aufgaben von einer Kommission prüfen lassen. 105 Bildungsforscher, Fachwissenschaftler und Lehrer untersuchten Richtigkeit, Verständlichkeit und Einsatzreife - eine Art "Abi-TÜV", wie Sommer es nennt, bundesweit einmalig.
In allen Bundesländern, in denen Abiturienten zeitgleich antreten müssen, steht die Schulbürokratie stets vor ähnlichen Problemen: Falsch gestellte oder missverständliche Aufgaben betreffen nicht nur einzelne Schulen, sondern alle zugleich - das Pannenrisiko ist enorm. Und hinzu kommt die Gefahr, dass einzelne Aufgaben vorzeitig durchsickern und die Ergebnisse verfälschen.
So entsteht oft genug ein großes Tohuwabohu, wie zuletzt in Hessen. Oder 2008 in Niedersachsen: Dort musste noch während der laufenden Prüfung an Fachgymnasien eine Mathematik-Aufgabe korrigiert werden.
Zu ähnliche Pannen kommt es auch bei Vergleichstests. So mussten in Berlin 28.000 Zehntklässler einen Mathe-Test noch einmal schreiben, weil einige die Aufgaben schon vorher kannten. Und in Baden-Württemberg sagte das Kultusministerium einen zentralen Vergleichstest für 34.000 Achtklässler ab - weil ein Lehrer die Aufgabe Schülern verraten hatte.
"Dicke Hunde sollten nicht mehr drin sein"
In Nordrhein-Westfalen protestierten im vergangenen Jahr zahlreiche Schüler, forderten von der Ministerin eine Entschuldigung und eine unbürokratische Chance, die Prüfung zu wiederholen. Diplomatisch geschickt verhielt Barbara Sommer sich nicht gerade und erklärte Aufgaben trotz Fehlern für lösbar, falsche Formulierungen zu Lapalien. Beim "Oktaeder des Grauens" gab sie gar Lehrern die Schuld - denn denen hätte auffallen können, wie kompliziert die Aufgabe sei, sagte Sommer und entfachte so auch bei Fachlehrern Zorn.
Um die Peinlichkeit des letzten Jahres zu vermeiden, engagierte die Schulministerin für den aktuellen Durchlauf eine Expertenrunde, hochkarätig besetzt und ziemlich teuer. Die Kosten belaufen sich auf eine halbe Million Euro jährlich.
Dafür haben die Reifeprüfungsprüfer die Aufgaben durchgerechnet, die Rechtschreibung korrigiert, inhaltlich und logisch gecheckt und getestet, ob sie sich bewältigen lassen. "Dicke Hunde sollten eigentlich nicht mehr drin sein", sagte der Dortmunder Bildungsforscher Wilfried Bos, der der Expertenrunde vorsitzt. "Das sind die bestgeprüften Abituraufgaben, die es in Deutschland je gegeben hat."
Auch Sommers Tochter schreibt mit
Dafür bildeten die Prüfer 21 Fachgruppen - für die Fächer Mathematik und Informatik jeweils zwei. Die Fehlerquote sei je nach Fachgruppen sehr unterschiedlich gewesen, sagt Bos: "zwischen nichts und einem Viertel der Aufgaben". Dabei habe es keinen Unterschied zwischen sprachlichen und mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern gegeben.
Die rot-grüne Opposition im Land warf der Schulministerin vor, sich mit dem Abi-TÜV von der Verantwortung für korrekt gestellte Aufgaben freikaufen zu wollen. Sommer wies dies zurück. Die Kosten für einwandfreie und qualitativ hochwertige Aufgaben lägen umgerechnet bei 6,58 Euro pro Abiturient: "Diese Summe sollten uns unsere Abiturienten wert sein."
Sollten sich doch Fehler eingeschlichen haben und nicht entdeckt worden sein, versprach Ministerin Sommer, dass Abiturienten keine Nachteile erleiden.
Dass ihr in diesem Jahr erst recht am reibungslosen Ablauf gelegen ist, hat neben politischen auch persönliche Gründe: Nora, die jüngste Tochter von fünf Kindern der Ministerin, zählt zu den 76.000 NRW-Abiturienten; ihre wichtigsten Prüfungsfächer sind Mathematik, Biologie und Englisch. "Das wird doppelt spannend", sagte Sommer.
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Tut mir Leid, aber bei der Überschrift "erhalten 2.Chance" kommt mir das Kotzen. _ICH_ hätte einen unvorstellbaren Hass entwickelt, wäre ich einerjenigen, die sich mit dem nachlässig erstellten Dreck konfrontiert [...] mehr...
aber auch diese Kinder haben sicherlich in ihrer Lebenswirklichkeit Fähigkeiten entwickelt, die zu fördern sind. Natürlich muss man hier auch helfen sprachliche Defizite zu überwinden. Aber wenn man diese Kinder nur auf [...] mehr...
Nun, man will sich in seiner kleinen behüteten bürgerlichen Welt von "denen da unten" abgrenzen. Die Schule tut dies mit überkommenen Bildungsstandarts zum Teil auch und das fängt mit Frühlingsgedichten in Grundschule [...] mehr...
Da machen Sie einen Denkfehler. Im Gegensatz zu den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern habe ich den Deutschunterricht in den höheren Klassen keinesfalls genossen, sondern eher über mich ergehen lassen, was sich [...] mehr...
Natürlich sind Eltern Vorbilder und als sie diese Rolle noch ausfüllte, also auch "Arbeiter" sich bürgerlich orientiert haben, war die Quote ihrer Kinder an Gymnasien auch noch deutlich höher. Inzwischen sieht man [...] mehr...
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