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26.05.2009
 

Neue Pisa-Auswertung

Mädchen fürchten Mathe, Jungs schwächeln beim Lesen

Von Oliver Trenkamp

Während der Schulzeit wächst die Leistungslücke zwischen Jungen und Mädchen - das zeigt eine neue Sonderauswertung der Pisa-Studie. Schuld sind Rollenbilder und Mann-Frau-Klischees: Mädchen trauen sich beim Rechnen wenig zu, Jungs sind keine Lesefans.

Mehrfach haben die Pisa-Studien und all ihre Ergänzungen für Lärm gesorgt, haben Schüler, Eltern, Lehrer und Bildungspolitiker wachgerüttelt. Erst der Schock im Jahr 2001, weil Deutschland schlecht abschnitt. Dann die Vergleiche der Bundesländer, Pisa-E, die den Streit um das richtige Schulsystem immer wieder anfachten.

Grundschüler bei der Einschulung: Von hier ab wird's ungleich
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AP

Grundschüler bei der Einschulung: Von hier ab wird's ungleich

Jetzt veröffentlichte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Sonderauswertung der Pisa-Daten und einiger anderer Studien. Diesmal geht es darum, ob sich die Leistungen von Jungen und Mädchen in der Schule unterscheiden.

Das Ergebnis der Bildungsforscher: Während der Schulzeit wächst die Leistungslücke zwischen den Geschlechtern in fast allen Industriestaaten. Und das schlägt sich auch in der Karriereplanung junger Frauen und Männer nieder.

Demnach erzielen zehnjährige Jungen und Mädchen in Mathematik fast die gleichen Ergebnisse. Im Alter von 15 Jahren zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Dann schneiden Jungen in fast allen untersuchten Ländern besser ab als Mädchen. Das heißt: Gegen Ende der Grundschulzeit stellen die Pisa-Forscher keinen Leistungsunterschied der Geschlechter fest, in der Oberschule ändert sich das.

Beim Lesen sind Mädchen bereits in der Grundschule überlegen. Dieser Unterschied verstärkt sich in der weiteren Schullaufbahn und ist in den Ergebnissen der Pisa-Studie ebenfalls deutlich zu erkennen. Dieses Muster spiegelt sich laut Studie auch in der Motivation und der Einstellung zu den verschiedenen Fächern wider: Mädchen lesen deutlich lieber als Jungen, zeigen sich aber gleichzeitig stärker um ihre Leistungen in Mathematik besorgt.

Schuld sind Vorurteile und Klischees, sagen die Forscher

Erklären lasse sich die Leistungslücke jedoch nicht mit unterschiedlichen Begabungen, schreiben die Autoren der Studie. Vielmehr sei die Schuld bei gängigen Mann-Frau-Klischees und Vorurteilen zu suchen. Jungen können besser rechnen, Mädchen besser lesen - eine Prophezeiung, die sich selbst erfüllt.

Alleine weil Mädchen glauben, sie rechneten schlecht, schwächeln sie dann tatsächlich in Mathe. Mit der Fähigkeit, logisch zu denken hat das jedoch wenig zu tun. Das zeigt sich deutlich, wenn die Forscher die Kompetenz messen, Probleme zu lösen. Hier schneiden 15-jährige Mädchen ähnlich gut ab wie ihre männlichen Altersgenossen, während sie beim Lösen mathematischer Aufgaben hinter den Jungen zurückliegen.

Die Studie schreibt diesen Unterschied vor allem dem mangelnden Glauben der Mädchen an ihre mathematischen Fähigkeiten zu. Dieses mangelnde mathematische Selbstvertrauen resultiert demnach aus Rollenbildern, die von Eltern und Lehrern mitgeprägt werden. Einer Begleit-Umfrage zufolge sehen Eltern mit ihren zehnjährigen Söhnen fast doppelt so häufig wissenschaftliche Fernsehsendungen an als mit ihren Töchtern.

Auch die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg und Beruf scheint mehr von Stereotypen als von den tatsächlichen Fähigkeiten abhängig zu sein. So studieren deutlich mehr Mädchen als Jungen Lebenswissenschaften wie Biologie - obwohl sich die Leistungen in diesem Bereich kaum unterscheiden, was die Bildungsforscher überraschte. In mathematischen oder ingenieurwissenschaftlichen Fächern sind hingegen in allen untersuchten Industriestaaten die jungen Männer überrepräsentiert.

Deutlich fleißiger sind Mädchen beim Erledigen der Hausaufgaben, jedenfalls in der Oberschule. Das habe sich schon bei früheren Untersuchungen gezeigt und bestätige sich jetzt auf Grundlage der Pisa-Daten.

OECD-Generalsekretär Angel Gurria sagte: "Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Vorurteile wie 'Lesen ist nichts für Jungen' oder 'Mathe ist nichts für Mädchen' weiterbestehen. Solche Ansichten führen dazu, dass unseren Gesellschaften wichtiges Bildungspotential verlorengeht."

Kein Signal für Geschlechtertrennung in den Schulen

Bundesbildungsminsterin Annette Schavan sagte, Geschlechterklischees müssten überwunden werden, "weil sie Kinder und Jugendliche in ihrer Entfaltungsmöglichkeit behindern". Das sei allerdings nicht nur Aufgabe der Schulen, sondern müsse auch in Familien und der Gesellschaft geschehen.

Immer wieder sorgen die unterschiedlichen Leistungen von Jungen und Mädchen in der Schule für Aufregung. Zuletzt warnte der "Aktionsrat Bildung", in dem viele angesehene Bildungsforscher vertreten sind, im März 2009, dass Jungen in Kindergarten und Schule massiv benachteiligt werden. Für Diskussionen sorgte auch das schlechte Abschneiden der Frauen beim Studenten-Pisa, dem großen Wissenstest von SPIEGEL und StudiVZ.

Auf die Frage, ob Jungen und Mädchen besser getrennt unterrichter werden sollten, gibt der OECD-Bericht keine Antwort. "Die Ergebnisse stützen nicht die Annahme, dass Mädchen in einer eingeschlechtlichen Umgebung besser abschneiden würden."

Die Studie zeigt jedoch, dass Lehrkräfte deutlich mehr für die Gleichberechtigung der Geschlechter tun können. Wie das geschehen soll, das formulieren die Forscher allerdings ziemlich schwammig: Lehrer müssten sich der Erwartungen, die sie gegenüber ihren Schülern haben, bewusst werden, fordern die Autoren der Studie. "Sie müssen Strategien entwickeln, um das Selbstbewusstsein und die Motivation der Schüler in ihren schwachen Fächern zu stärken."

Mit Material von AP, AFP, dpa und ddp

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30.09.2009 von discipulus:

Ihre Frage, mit Verlaub, wundert mich etwas. Wer als Lehrer die Erkenntnisse aktueller Lehr-Lern-Forschung anwendet, der erkennt zwingend, das die Problemstellung dem sogenannten "Fachwissen" zuzuordnen ist und keinen [...] mehr...

30.09.2009 von britta:

Bin gespannt, ob das unsere Oberlehrer hier rausbekommen! mehr...

30.09.2009 von Rainer Helmbrecht:

Ich habe doch schon darauf hingewiesen, dass ich nur 8 Jahre Volksschule besuchte, minus einiger Monate Schule Schwänzen, aber dafür bin ich doch noch ganz gut;o). MfG. Rainer mehr...

30.09.2009 von Jörn Bünning: Biddä?

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29.09.2009 von hjm:

Das, was die 2% können, ist übrigens eine nichttriviale Anwendung des Assoziativgesetzes des Multiplikation. In beiden Fällen muss man jedoch zu den 5% gehören, die hier überhaupt eine Multiplikation als solche erkennen. mehr...

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