Von Simone Kaiser und Nicole Serocka
Auch private Schulen werden vom Steuerzahler mitfinanziert. Drei Jahre dauert es in der Regel, bis eine Privatschule genehmigt wird und eine staatliche Förderung erhält. Dann bekommen die Privaten je nach Bundesland Zuschüsse in Höhe von 70 bis 90 Prozent der Kosten, die für Schüler einer normalen Schule anfallen. Der Rest muss durch Schulgeld, den Träger oder Sponsoren aufgebracht werden.
Einige Unternehmer wollen auch schlicht Geld verdienen. So wird aus Bildung eine Ware und aus manchem Schulleiter ein Manager.
So wie Béa Beste. Die Dame mit dem schicken dunklen Kurzhaarschnitt und dem hellen Hosenanzug arbeitete früher als Unternehmensberaterin bei der Boston Consulting Group. Jetzt ist die gebürtige Rumänin Vorstandsvorsitzende der Phorms Management AG, die 2006 in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Berlin-Mitte ihre erste Grundschule eröffnet hat. Sie wünsche sich für alle Phorms-Schüler eine "unternehmerische Einstellung", erklärt Beste. Sie glaube, dass man als Optimist "mehr im Leben gebacken bekommt". Weshalb sie in den Schulfluren motivierende Sprüche wie "Smiles are contagious - is yours?" ("Lächeln ist ansteckend - deins auch?") an die Wände hängen ließ.
Die Grundschule mit 340 Schülern umfasst sechs Klassen, der Anteil des englischsprachigen Unterrichts liegt von Anfang an bei 70 Prozent. Die entsprechenden Pädagogen stammen aus England, Schottland, Kanada oder den USA. Eine Designerin hat eine schuleigene Uniformkollektion entworfen - in Weiß, Grau, Rot und Schwarz.
Prominente Namen unter den Schulgründern
Der Tag in der Berliner Phorms-Grundschule beginnt nach britischem Vorbild mit einer "assembly" in der Aula. In Reih und Glied und nach Alter sortiert ziehen die Kinder danach in die modernen Klassenräume. Das Pult ist mit einem Computer ausgestattet, ein digitales Smartboard ersetzt Tafel und Kreide. "Wer krank ist, bekommt das Tafelbild per E-Mail nach Hause geschickt", erklärt die Englischlehrerin Brett Macdonald. Gerade wurden für jedes Kind ab der zweiten Klasse Laptops und Zehn-Finger-Tippkurse eingeführt.
Der Andrang auf die bundesweit inzwischen sieben Phorms-Standorte spiegelt den Boom der Privaten. In Frankfurt am Main wurde nach 1000 Anmeldungen die Warteliste für die eigentlich 40 Plätze geschlossen. Wer eine Eintrittskarte ergattern will, muss seinen Nachwuchs testen lassen. Je älter der Sprössling, desto umfangreicher die Fragen. "Wir prüfen auch, wie sicher das Kind in seiner Muttersprache spricht", erklärt Phorms-Mitbegründerin Beste, "und wie hoch seine Motivation ist."
Auch die Motivation der Eltern sollte hoch sein, zumindest was das Finanzielle angeht. Das Schulgeld bei Phorms ist nach dem Einkommen gestaffelt. Rund 60 Prozent der Familien, die ihr Kind auf die Grundschule in Berlin-Mitte schicken, zahlen bis zu 400 Euro Schulgeld im Monat - der Rest zahlt mehr. Es gibt nur eine Handvoll Teilstipendien.
Auch prominente Namen mischen unter den Schulgründern mit. Der ehemalige Investmentbanker Peter Ferres, Bruder von Schauspielerin Veronica Ferres, eröffnete im vergangenen Jahr die Metropolitan School in Frankfurt am Main. Die Anmeldegebühr für die Grundschule beträgt 900 Euro, das monatliche Schulgeld 550 Euro, wer Nachmittagsveranstaltungen und bilingualen Unterricht wünscht, legt 244 Euro drauf plus 75 für das Mittagessen.
Nena: "Ganz viel Liebe und Pioniergeist"
Die Popsängerin und vierfache Mutter Nena gründete an der Elbe nach amerikanischem Vorbild die erste Sudbury-Schule Deutschlands, unter anderem unter der Leitung ihres Lebensgefährten Philipp Palm. "Bei uns regieren ganz viel Liebe und Pioniergeist", beteuerte die Sängerin.

"Ganz viel Liebe": Sängerin Nena mit Schülern vor der von ihr gegründeten Schule. Nur unter Auflagen genehmigte die Schulbehörde den weiteren Betrieb der "Neuen Schule Hamburg"
In einer Gründerzeitvilla in Hamburg-Rahlstedt sitzen die Kinder auf bequemen Kissen, ein Flügel lädt zum Klimpern, ein Atelier zum Malen ein. Doch das radikal-demokratische Sudbury-Konzept, bei dem die Schüler regelmäßig über den idealen Schulalltag und auch über die Einstellung von Lehrern abstimmen, bekam nicht allen. Mobbing- und Gewaltvorwürfe brachten die Vorzeigeschule in die Schlagzeilen. Gefrustete Lehrer kündigten, enttäuschte Eltern meldeten ihre Kinder ab. Nur unter Auflagen genehmigte die Hamburger Schulbehörde den weiteren Betrieb der "Neuen Schule Hamburg", die auch von Nenas eigenen Kindern besucht wird.
Die Nena-Schule zeigt, dass die Konkurrenz zur staatlichen Grundschule zwar oft innovativer ist, damit aber nicht per se besser sein muss. Wissenschaftliche Belege, dass Privatschüler wirklich gebildeter sind als Schüler öffentlicher Einrichtungen, lassen sich schwer finden.
Von Legendenbildung gar spricht Manfred Weiß, Professor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Frankfurt am Main. Weiß kommt nach einer internationalen Pisa-Vergleichsstudie bei 15-Jährigen zu dem Ergebnis, dass sich, berücksichtigt man die soziale Herkunft der Schüler, keine großen Leistungsunterschiede belegen lassen.
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