SPIEGEL ONLINE: Sie haben Ihre Schule bei "Teach First Deutschland" angemeldet: Zum neuen Schuljahr wird ein Fellow, ein Uni-Absolvent mit exzellenten Noten und Auslandserfahrung, für zwei Jahre zu Ihnen kommen und unterrichten. Auf was für eine Schülerschaft wird er treffen?
Köppen: Auf unsere Gesamtschule gehen insgesamt rund 950 Schüler in den Stufen fünf bis 13. Davon sind rund 68 Prozent Ausländer nach ihrem Pass, die Zahl der Schüler mit Migrationshintergrund liegt etwa bei 80 Prozent. Das sind rund 25 unterschiedlichen Nationen, ein sehr buntes Bild. Unser Stadtteil ist sicher nicht wohlhabend, vielen Leuten geht es hier wirtschaftlich nicht so gut.
SPIEGEL ONLINE: Besteht nicht die Gefahr, dass die Distanz zwischen der Lebenswirklichkeit der Schüler und der des Absolventen zu groß ist?
Köppen: Ich glaube, das kann man pauschal nicht sagen. Unser Fellow hat ein Jahr lang als Englischlehrer im Westjordanland gearbeitet. Da würde man auch nicht gerade von einer Wohlstandsgegend sprechen. Der wird damit umgehen können. Und die Distanz der Schüler müsste sich von selbst erledigen: Wenn er auf die Schüler zugehen kann, wird er sie auch motivieren können. Sollte er von der hohen Kanzel predigen, würde er hier schnell scheitern.
SPIEGEL ONLINE: Was dachten Sie, als Sie das erste Mal von "Teach First" hörten?
Köppen: Ich fragte mich: Was bewegt Leute, die einen so guten Studienabschluss haben, die schon so weit in der Welt gereist sind, für zwei Jahre an eine Problemschule zu gehen? Noch dazu bekommen die ja nicht viel, das sind 1700 Euro brutto im Monat. Warum diese Zeit opfern? Eine Antwort war: Sie haben soziales Engagement, sonst würden die nie hierher kommen, sie könnten es leichter haben. Aber die andere Antwort: Sie verbessern ihre eigenen Berufschancen. Und das ist ja völlig legitim. Die Programme in den USA und anderen Länder haben gezeigt, dass ein Teil dieser Absolventen tatsächlich danach als Lehrer anfängt. Das wird also eine Win-win-Situation sein.
SPIEGEL ONLINE: Wieso haben Sie sich entschieden, mit Ihrer Schule am Programm teilzunehmen?
Köppen: Ich finde es eine löbliche Idee, exzellente Absolventen an Schulen in einem schwierigen Umfeld zu schicken. Sie können ihre Lebens- und Berufserfahrung den Schülern vermitteln. Die wissen ja, worauf es später ankommt, die haben viel Auslandserfahrung und waren zumeist auch in Regionen, wo es nicht immer reibungslos zugeht.
SPIEGEL ONLINE: Wie wird der Fellow bei Ihnen eingesetzt werden?
Köppen: Das ist noch nicht ganz sicher. Erst mal wird er sich bei uns umsehen müssen, wir werden ihn in verschiedene Klassen mitnehmen. Was klar ist: Er ist kein ausgebildeter Lehrer, er wird nicht wie Referendare durch ein Studienseminar laufend betreut. Selbständigen Unterricht wird er schon aus rechtlichen Gründen nicht geben können. Es wird also immer ein Lehrer mit dabei sein. Aber in Arbeitsgemeinschaften kann er selbständig mit Schülern arbeiten.
SPIEGEL ONLINE: Werden Sie ihn in bestimmten Fächern unterrichten lassen?
Köppen: Er hat Erfahrung mit Deutsch als Fremdsprache und war eine Zeit lang im Ausland. Also wird er sicher in der Fremdsprachenförderung und in unserem Programm "Deutsch als Zweitsprache" eingesetzt werden können. Und er könnte im Bereich Berufsorientierung etwas tun. Wir haben ein Fach dafür: BOM, Berufsorientierende Maßnahmen, das geht ab Klasse sieben los. Vor allem in den höheren Klassen neun und zehn hoffe ich, dass er von seinen Erfahrungen viel vermitteln kann. Er will auch an einer Schülerzeitung und der Homepage arbeiten.
SPIEGEL ONLINE: Was glauben Sie, inwiefern wird der Fellow von der Zeit an der Schule profitieren?
Köppen: Er kann Kenntnisse mitnehmen, was nachwächst, welche Generation da kommt, und kann das in seinen Beruf einbringen. Ich glaube, wir können ihm sehr wichtige Informationen geben über die Gesellschaft, in der er lebt.
Das Interview führte Birger Menke
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Ja, das war Sie zwar, was aber den diesen Umstand Bemängenden nicht davon abhielt "groß" mit Doppel-S zu schreiben. Leider sind die "Dienstherren" in aller Regel Dezernenten, die Lehrer gelernt haben, um vom [...] mehr...
Ja das konnte ich sehen, nur war meine Rechtschreibung auch wirklich schlimm, da es gestern kein leichter Tag war. Aber wer im Unterricht mit einem Messer bedroht wird und dann solch ein "Projekt" vorgestellt bekommt, [...] mehr...
Diese Ihre Frage wird gleich im übernächsten Beitrag beantwortet: Wie Sie sehen, werden "kritische Lehrer", die nicht jeden Humbug mitmachen, nicht etwa nur von ihrem Dienstherrn abgebügelt. mehr...
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