Spickmich.de ist eine Webseite, auf der Schüler ihren Lehrern Noten geben können - bei Schüler populär, bei Lehrern ausgesprochen unbeliebt. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will jetzt mit einem neuen Konzept kontern und den Austausch zwischen Schülern und Lehrern mit einem offiziellen Bewertungsverfahren fördern. "Ich möchte den öffentlichen Internetforen etwas entgegensetzen", sagte Sommer am Freitag.
Sie kritisierte Internet-Plattformen wie spickmich.de, denn dort würden die Pädagogen teilweise öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben.
Deutsche Richter sind da anderer Meinung: Zuletzt hatte der Bundesgerichtshof die Bewertung auf der Spickmich-Seite für zulässig erklärt. Geklagt hatte eine Lehrerin, die ihre Privatsphäre und ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah, wenn sie nach Kategorien wie "cool und witzig", "menschlich" oder "beliebt" bewertet wird. Der BGH wies das jedoch ab: Die Bewertung falle in den Schutzbereich der Meinungsfreiheit - und die könne ohne die Nennung des Nachnamens der Lehrerin nicht ausgeübt werden.
Sommer will Bewertung nur im "geschützten Feld"
Die Lehrerin ging daraufhin in Revision und klagt nun vor dem Bundesverfassungsgericht gegen Spickmich.de. Ministerin Sommer sagte, sie unterstütze diesen Schritt. Allerdings sei Feedback von Schülern erwünscht und notwendig.
Als interessantes Modell nannte sie das an der Universität Jena entwickelte Verfahren "Schüler als Experten für Unterricht" (Sefu), das Schulen in Thüringen seit März 2006 freiwillig nutzen können. Dabei melden sich Lehrer mit ihrer Klasse an, jeder Schüler erhält ein Kenn- und Passwort und beantwortet im Internet 35 Fragen zur Qualität des Unterrichts: ob der Lehrer den Unterricht interessant gestaltet, ob Gruppenarbeit stattfindet, ob selbständiges Lernen gefördert wird.
Danach sind die Ergebnisse ausschließlich für die betroffenen Lehrer abrufbar, sie können nicht öffentlich eingesehen werden. Sommer betonte, die Bewertung solle zunächst "in diesem geschützten Feld bleiben".
Und bloß nicht die Lehrer verprellen
NRW, das bevölkerungs- und schülerstärkste Bundesland, will mit der Lehrerbewertung ganz klein und auf freiwilliger Basis anfangen, um die Pädagogen nicht zu verprellen. Denn auf Spickmich hatten Lehrerorganisationen in den letzten zwei Jahren aufgeschreckt reagiert, gegen "Mobbing" via Internet protestiert und ihre Mitglieder bei Klagen unterstützt.
Die Ministerin kündigte an, am 25. August mit Lehrerverbänden und der Landesschülervertretung über die Einführung eines solchen Rückmeldesystems zu sprechen. Schon zum kommenden Halbjahr könne man möglicherweise mit freiwillig teilnehmenden weiterführenden Schulen das Projekt starten. "Wir wollen das wissenschaftlich begleiten", betonte Sommer. Später sei eine schrittweise flächendeckende Ausweitung auf das ganze Land vorstellbar.
Tino Keller, einer der Spickmich-Gründer, begrüßte, dass "die Politik die Wichtigkeit von Schüler-Feedback erkannt" habe und vor allem den Schülern Anonymität zusichere. Weil ausschließlich Lehrer die Ergebnisse erhielten, werde Spickmich aber "vorerst die einzige umfangreiche Informationsquelle zu Lehrerleistungen in Deutschland bleiben".
Ob aus dem kleinen NRW-Experiment einmal eine landesweite Lehrerbewertung wird, scheint fraglich - auch wenn ein völlig anonymes Verfahren harmlos wirkt. "Als wir Sefu 2006 einführten, haben Lehrer und Gewerkschaften scharf protestiert", sagte ein Sprecher des Thüringer Kultusministeriums SPIEGEL ONLINE. "Sie waren der Meinung, dass Schüler den Unterricht gar nicht bewerten könnten, ihnen würde die Kompetenz fehlen."
bim/AP
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