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26.08.2009
 

Schulen zu verkaufen

Wenn der Hausmeister zum Facility Manager wird

Von Annick Eimer

Privatfirmen als Schulbetreiber: Betreten verboten
Fotos
Annick Eimer

Neue Schulen sind für klamme Kommunen oft zu teuer. Privatfirmen ersetzen deshalb marode Alt- durch schicke Neubauten, mit oft trickreichen Vertragsdetails. "Facility Manager" ersetzen zum Beispiel den städtischen Hausmeister - nach dem sich dann mancher Lehrer und Schüler zurücksehnt.

Frankfurt, Stadtteil Sachsenhausen: Strahlend weiß leuchtet der dreigeschossige Neubau in der Hedderichstraße. Im Lichthof hinter dem gläsernen Eingangsportal fallen Sonnenstrahlen durch die großen Fenster an der hohen Decke. Weiße Wände, schwarze Fensterrahmen, helle Naturholzmöbel. Im Innern wirkt das Gebäude wie ein modernes Kunsthaus. Kurz vor der Eröffnung riecht es nach frischem Farbanstrich.

Dann aber startet hier keine Vernissage - sondern der erste Schultag der Freiherr-vom-Stein-Schule. Die Schüler können es kaum erwarten. Seit zwei Jahren haben sie ihren Alltag im Behelfsquartier gefristet, einer Ansammlung schmuckloser Baucontainer im Industriegebiet am Rande der Innenstadt. "Wir haben echt keinen Bock mehr", stöhnt Henry, 18. Wie Legosteine stehen die Container übereinander. Eisentreppen umschlingen die weißen Blechhülsen. Es ist stickig, hellhörig und eng.

Zum Glück ziehen Henry und seine rund 1000 Mitschüler pünktlich zum neuen Schuljahr um - in das wohl schickste Gymnasium Frankfurts: top ausgestattete Chemie- und Physiklabors, Whiteboards in allen Klassenzimmern, ein Lehrerzimmer, das aussieht wie der Konferenzraum eines besseren Tagungshotels. Hier gibt es einfach alles, was Lehrer- und Schülerherzen begehren könnten.

Tropfende Decken, brüllende Lehrer, löchrige Böden

Kay-Harry Schmidt, 18, geht in die 11. Klasse und ist einer der wenigen, die das neue Gebäude schon bis in die letzte Ecke inspizieren konnten. Mit zwei Mitschülern arbeitet er an einem Film über die alte und die neue Schule, der zur Einweihungsfeier gezeigt werden soll. "Es ist schon komisch, am gleichen Ort ein völlig anderes Gebäude vorzufinden." Eigentlich gefalle ihm die neue Schule ganz gut, nur die schöne alte Aula aus der Jahrhundertwende vermisse er.

Ansonsten gibt es wenige Gründe, dem alten und maroden Gebäude nachzutrauern. Der Putz bröckelte von den Wänden, die Böden waren abgewetzt und löchrig. Weil die Fenster nur einfach verglast waren, mussten Schüler und Lehrer gegen den Lärm des Berufsverkehrs anschreien. In einigen Räumen tropfte es von den Decken, wenn ein Regenguss niederging.

Doch die Stadt hatte kein Geld. Und behalf sich mit einem Griff in die Trickkiste.

Public-Private-Partnership (PPP) heißt das Modell. Das Gebäude baut ein privater Investor, die Hochtief AG, und bewirtschaftet es nach Fertigstellung 20 Jahre lang. Die Stadt bleibt Eigentümerin der Schule; Betreiber aber ist das Unternehmen, das dem Schulamt seine Dienste in Rechnung stellt. Während der Vertragslaufzeit ist Hochtief für das Gebäudemanagement zuständig - vom Einschlagen eines Nagels in die Wand bis zu größeren Renovierungsarbeiten.

Erst Pedell, dann Hausmeister, heute "Facility Manager"

PPP ist nicht neu. Rathäuser werden so saniert und Autobahnen gebaut, auch öffentliche Schulen mit privatwirtschaftlichen Betreibern gibt es bereits in vielen Bundesländern. So sind im Kreis Offenbach, der unter chronischem Geldmangel leidet, bereits alle Schulen in der Hand von Privatinvestoren.

Klamme Kommunen hoffen auf hohe Einsparungen. Der Stadtkämmerer in Frankfurt hat ausgerechnet: Das aktuelle Projekt mit Sanierung oder Neubau von vier Schulen verschlinge 15 Prozent weniger Steuergelder, als wenn die Stadt selber gebaut hätte. Ein privater Investor arbeite wirtschaftlicher als die öffentliche Hand; zudem sei die Stadt gar nicht in der Lage, so große Investitionen auf einen Schlag zu tätigen. Durch die jährlichen Zahlungen könne man besser den Haushalt planen, argumentieren die Befürworter.

In der Theorie spricht vieles für die neuen PPP-Schulen. Und wie sieht die Praxis aus? Frank Becker, stellvertretender Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Schule, sagt: "Ich habe die Zusage des Schulamtes, dass alles weiter läuft wie bisher."

Doch erste Änderungen machen sich bemerkbar. Der Hausmeister, ein städtischer Angestellter, musste gehen. Seine Aufgaben übernehmen jetzt zwei Hochtief- Angestellte. Sie tragen T-Shirts mit Firmenlogo und nennen sich "Facility-Manager". Vier Stunden täglich stehen sie für "schulnahe" Dienste zur Verfügung, etwa zum Verteilen der Post. Danach sind sie nur noch über eine Hotline zu erreichen.

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insgesamt 52 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.09.2009 von schollianer: Polemik

Es ist schwer, sachlich zu argumentieren, nachdem man all diese Beiträge zu diesem Thema gelesen hat. Ich versuche es trotzdem. Viele der hier vorgebrachten "Argumente" sind einfach nur Scheinargumente und regelrecht [...] mehr...

28.08.2009 von jeyjey75: Verträge nicht einsehbar

Will gar nicht soviel dazu schreiben, da die Vorredner schon wichtige Punkte angesprochen haben. Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach in der Vertragsgestaltung und deren Modalitäten. Oftmals werden Gesellschaften [...] mehr...

27.08.2009 von marit: PPP schadet den Schulen

Mit etwas Wissen über Schule wäre so ein Vertrag erst gar nicht zustande gekommen. Schule lässt sich nicht zu 100% in einen Vertrag pressen und einen Schulbetrieb kann man nicht Automatisieren wie das Fließband beim Daimler. [...] mehr...

27.08.2009 von inci: oops

bis zu dem zeitpunkt, wo das SPON forum selber von pr-kräften im auftrag der bahn geleimt wurden, wurden solche anmerkungen, wie sie gerade machen, gnadenlos ins nirwana geschickt. ist mir selber mehr als einmal passiert. mehr...

27.08.2009 von GWM: ttt

Aus welcher Broschüre eines PPP-Geiers ist Ihnen das denn in die Feder diktiert worden? Recherchieren Sie ein wenig und Sie werden sehen, daß die Realität sich nicht an Ihre (oder die Ihres Geldgebers) Träumereien hält. PPP [...] mehr...

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