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03.09.2009
 

Asbest-Alarm in Hamburg

Entwarnung in Sicht

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DPA

Aus Furcht vor Asbest schloss Hamburg über 100 Turnhallen - nun könnte bald die Entwarnung folgen: In die Halle, die den Alarm auslöste, sind die gefährlichen Fasern offenbar doch nicht gelangt. Asbest sei nur in einem abgeteilten Bereich gefunden worden, sagte ein Gutachter.

Nach der Schließung von mehr als 100 Turnhallen in Hamburg kann möglicherweise schon bald Entwarnung gegeben werden. Nachdem bei Sanierungsarbeiten an der Heizung einer Halle Asbest festgestellt worden war, habe eine gründliche Untersuchung keine Fasern des gesundheitsschädlichen Stoffes in der Luft ergeben, teilte der zuständige Gutachter am Donnerstag mit. Asbest sei nur in dem für die Arbeiten eigens abgeteilten Bereich gefunden worden. In die eigentliche Sporthalle sei der Stoff aber offenbar nicht gelangt.

Vorsorglich hatte die Behörde am Mittwoch alle Turnhallen mit einer ähnlichen Heizungsanlage schließen lassen. Welche Konsequenzen das jüngste Messergebnis haben wird, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Ob eventuell früher Asbestfasern von der Heizung in die Sporthalle gelangt seien, könne er nicht sagen, so der Gutachter.

Zwar wolle er die Gefahr nicht vorschnell verharmlosen, er halte die angeordnete Schließung von mehr als 100 Schulturnhallen allerdings für eine "sehr weitreichende" Maßnahme. Von der zuständigen Schulbehörde war am Donnerstag keine Stellungnahme zum aktuellen Stand zu erhalten. Sie hatte angekündigt zu prüfen, ob weitere Gebäude belastet sein könnten. Die Untersuchung der Luft in den Turnhallen sollte noch bis zu den Herbstferien Mitte Oktober dauern.

Auslöser war eine routinemäßige Luftmessung in der Hamburger Peter-Petersen-Schule im Stadtteil Wellingsbüttel. Dabei war in den vergangenen Tagen festgestellt worden, dass der zulässige Höchstwert von 1000 Asbestfasern pro Kubikmeter Raumluft fast um das Doppelte überschritten wurde. Die krebserregenden Fasern waren über die baufällige Umluftanlage der Heizung verteilt worden.

Bundesländer sehen keinen Handlungsbedarf

Nachdem der Fall öffentlich wurde, meldeten sich am Donnerstag zahlreiche besorgte Hamburger Eltern bei den Behörden. Die städtische Telefonhotline für Umweltmedizin werde seit dem frühen Morgen "stark frequentiert", sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Die Eltern wollten wissen, wie groß die Gefährdung ihrer Kinder sei und wie die Stadt nun weiter vorgehen wolle. "Es gibt keine Panik, aber Informationsbedarf", betonte er.

In Hamburg gibt es rund 450 Sporthallen an Schulen und Berufsschulen. Durch die Sperrungen ist auch der Trainingsbetrieb von mehreren tausend Freizeitsportlern in Vereinen stark beeinträchtigt.

Ute Pape, Schulleiterin in Wellingsbüttel, betonte, dass es keine akute Gefährdung der Schüler gegeben habe, da die Heizung in den Sommermonaten ausgeschaltet gewesen sei. "Eltern und Lehrer sind bereits informiert, und im neuen Schuljahr hat noch kein Schüler die Halle betreten", erklärte sie.

Weitere Hallen wurden vorsorglich gesperrt, die mit einer ähnlichen Heizungsanlage wie die betroffene Schule ausgestattet sind. Die Überprüfung von über hundert Hallen in Hamburg erschien als notwendig, weil die Stadt als Schulträger die Turnhallen in derselben Bauweise vom gleichen Architekten errichten ließ.

In anderen Bundesländern waren nach Angaben mehrerer Bildungsministerien sowie Städte- und Gemeindetage keine aktuellen Asbestfälle an Schulen bekannt.

Seit 1993 ist die Nutzung von Asbest verboten

Im Großteil der in den sechziger und siebziger Jahren erbauten Schulen wurde die vermeintliche "Wunderfaser" Asbest verarbeitet. Damals galt das Material wegen seiner Feuer- und Säurebeständigkeit als ideale Bausubstanz in Dachplatten, Fassadenverkleidungen, Bremsbelägen oder Wasserrohren. Enthalten sein kann Asbest auch in älteren Haushaltsgeräten wie Elektrospeicheröfen, Toastern und Haartrocknern.

Solange Asbest in fest gebundener Form vorliegt, besteht keine Gesundheitsgefährdung. Doch die damals erbauten Schulen sind heute zum Teil sanierungsbedürftig. Durch Bearbeitung und Zerstörung asbesthaltiger Produkte, aber auch durch klimatische Einflüsse, Alterung und Zerfall kann Asbeststaub an die Atemluft abgegeben werden.

Erst Ende der achtziger Jahre gerieten asbesthaltige Materialien wegen zahlreicher Todesfälle in Verruf. Werden Asbestfasern eingeatmet, kann das zu einer chronischen Entzündung in der Lunge und zu Krebs führen. Das Risiko steigt, je länger und intensiver man den Fasern ausgesetzt ist. Wer mit Asbest in Kontakt kommt, hat nach rund zehn Jahren ein erhöhtes Risiko, an Asbestose zu erkranken. Eine geringe Menge eingeatmeter Fasern kann noch nach 30 Jahren Krebs auslösen.

Da der Stoff fast universell eingesetzt wurde, wird es noch dauern, bis alle Gefahrenquellen beseitigt sind. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war bekannt, dass das Einatmen von Asbeststaub krankmacht. Die Asbestose ist in Deutschland seit 1936 als Berufskrankheit anerkannt, seit 1993 ist die Nutzung des Stoffes verboten.

cpa/bim/dpa

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