Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss geht bundesweit ein wenig zurück. 2008 lag die Schulabbrecherquote bei sieben Prozent, wie eine Auswertung von Daten der statistischen Landesämter durch die Nachrichtenagentur dpa ergab. 2006 betrug sie 7,9 Prozent, 2001 waren es noch 9,7 Prozent.
Im Jahr 2008 verließen insgesamt 64.400 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Das sind ungefähr so viele Menschen, wie in Fulda oder Weimar leben.
Bildungsexperten sehen den allmählichen Rückgang vor allem im Zusammenhang mit den rückläufigen Schülerzahlen insgesamt, die den Lehrern mehr Zeit zur Einzelhilfe lasse. Auch hätten viele Länder pädagogische Verbesserungen eingeleitet und böten spezielle Förderkurse an.
Besonders hoch ist die Schulabbrecherquote nach wie vor in vielen Regionen Ostdeutschlands. Im Kreisvergleich liegt der Landkreis Ostvorpommern in Mecklenburg-Vorpommern mit 13,9 Prozent an der Spitze, gefolgt vom brandenburgischen Landkreis Prignitz mit 13,8 Prozent. Von den 20 Kreisen mit den höchsten Abbrecherquoten liegen nur vier in westdeutschen Bundesländern.
Allerdings gibt es auch Ausnahmen. So weisen der Kreis Eichsfeld mit 2,5 Prozent und die Stadt Jena mit 3,1 Prozent (beide Thüringen) die bundesweit niedrigsten Abbrecherquoten auf. Es folgt eine große Gruppe westdeutscher Kreise, die vor allem in Bayern und Baden- Württemberg liegen.
Mehr als 470.000 Menschen ohne Schulabschluss sind arbeitslos
Das Ost-West-Gefälle findet sich auch im Bundesländervergleich wieder. Während Baden-Württemberg mit 5,5 Prozent und Bayern mit 6,3 Prozent die niedrigsten Abbrecherquoten haben, führt Sachsen-Anhalt mit 10,8 Prozent vor Mecklenburg-Vorpommern mit 9,9 Prozent diesen Vergleich an. Besonders betroffen sind Jungen. Bundesweit brachen 8,6 Prozent der männlichen Abgänger die Schule ab. Bei Schülerinnen waren es 5,5 Prozent.
Die dpa-Auswertung macht auch die Konsequenzen für die Schüler deutlich: Wer in der Schule scheitert und auch die Hauptschule nicht erfolgreich beendet, steuert in die berufliche Hoffnungslosigkeit. Schulabbrecher haben kaum Optionen über den Hilfsarbeiter-Status oder Hartz IV hinaus. Von den zurzeit rund drei Millionen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Arbeitslosen haben 472.400 keinen Schulabschluss, viele von ihnen sind Langzeitarbeitslose.
Die Kultusminister der Länder hatten in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder mantraartig gepredigt, die Schulabbrecherquote senken und möglichst halbieren zu wollen. Die Absichtserklärung wiederholten sie auch beim Bildungsgipfel im Herbst 2008 in Dresden. Wie das gelingen soll, blieb allerdings im Nebel.
Im Mai 2008 hatte der damalige Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) einen Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss gefordert. Er scheiterte jedoch an der Mehrheit der schwarz-roten Regierung, die lieber am vagen Ziel festhalten wollte, die Abbrecherquote zu halbieren. Die schwarz-gelbe Koalition einigte sich darauf, bis zum Schuljahr 2012/13 die Zahl der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund auf den deutschen Durchschnitt zu drücken. Das müssten allerdings die 16 Länder umsetzen, der Bund hat in der Bildungspolitik nichts zu melden.
bim/dpa
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Wissen | RSS |
| alles zum Thema Hauptschule | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH